Blindheit

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Autor: 
Dr. med. Edith Fischnaller

Grund dafür ist die große Armut und die mangelnde medizinische Versorgung. Es gibt kaum Ärzte und noch weniger Augenärzte und nur dürftige Möglichkeiten einer Behand-lung, auch wenn sie noch so einfach und kostengünstig wäre. Dies raubt vielen augenkranken und blinden Menschen jegliche Perspektive. Zum Beispiel ist der Graue Star (eine der häufigsten Blindheitsursache) durch eine 15 bis 30-minütige Operation heilbar. Fast 80% der Erblindungen wären dadurch vermeidbar. In den Industrienationen bleiben diese Erkrankungen ohne schwerwiegende Folgen, da frühzeitig operiert wird.

In Bangladesh, dem ärmsten Land der Welt, gibt es nur 80 Augenspezialisten für 90 Millionen Einwohner.

Der volkswirtschaftliche Schaden durch Blindheit in Entwicklungsländern ist enorm, da die Menschen meistens nicht arbeiten können und Betreuung brauchen. Blinden Kindern bleibt der Schulbesuch verwehrt und blinden Erwachsenen sind aufgrund fehlender Ausbildungsmöglichkeiten ohne Arbeit. Sie und ihre Familien haben deshalb kaum eine Chance der Armut zu entkommen.

Grauer Star


Rund 17 Millionen Menschen - vor allem in Asien und Afrika - sind daran erblindet. Damit ist Grauer Star weltweit die häufigste Blindheitsursache.

Ursachen:

Zum einen der Altersstar, meist hervorgerufen durch Stoffwechselerkrankungen und Alterung des Gewebes, zum anderen kann er aber auch angeboren oder vererbt sein (u.a. durch Röteln der Mutter in der Schwangerschaft) oder durch Verletzungen entstehen. Er führt dazu, dass das gesehene Bild immer mehr an Schärfe verliert. Die griechische Bezeichnung "Katarakt" steht für Wasserfall. Die graue Farbe in der Pupille verflüssigt sich und es entsteht der starre Blick bei vollständiger Erblindung.

Der Katarakt betrifft vor allem die Entwicklungsländer, da dort wegen der schlechten Infrastruktur operative Eingriffe kaum möglich sind - zumindest nicht für ärmere Bevölkerungsschichten. In Entwicklungsländern trüben sich die Linsen der Katarakt-Opfer im Durchschnitt schon im Alter von fünfzig Jahren, zehn bis zwanzig Jahre früher als hierzulande. Eine Ursache für das häufigere Auftreten des grauen Stars ist die größere Menge Ultraviolett(UV)-Licht, die in die Augen der Bewohner tropischer Regionen fällt. Daneben begünstigt wahrscheinlich eine gesteigerte Wasserabgabe (Dehydrierung), ausgelöst durch Durchfall und Hitzschlag, und eine schlechte Ernährung die Linsentrübung. Genaue Untersuchungen zu den Risikofaktoren fehlen.

Behandlung:

In einer Operation wird die hinter der Pupille liegende, lichtundurchlässig gewordene Linse entfernt. Mit einer Starbrille bzw. der Implantation einer künstlichen Linse können die Operierten wieder sehen.

Trachom

84 Millionen Kinder, Frauen und Männer in Afrika, Südostasien, Zentral- und Südamerika sowie im Mittleren Osten leiden unter einer Trachominfektion. 1,3 Millionen Menschen sind daran bereits unheilbar erblindet.

Ursache:

Auslöser der Krankheit ist eine Infektion, begünstigt durch Wassermangel, Hygieneprobleme, unzureichende Gesundheitsvorsorge, Armut sowie massives Auftreten von Fliegen, die diese Krankheit übertragen. Zehn bis zwanzig Jahre nach Ausbruch der Krankheit bilden sich am Augenlid Narben, durch die die Wimpern einwärts wachsen und auf der Hornhaut scheuern. Dies führt zur Vernarbung und Trübung der Hornhaut und schließlich zur Erblindung.

Diese vermeidbare "Krankheit der Armut" ist die Ägyptische Körnerkrankheit, fachlich Trachom genannt. Sie ist die häufigste Augenkrankheit der Erde und die zweithäufigste Erblindungsursache (weltweit 100 Millionen Opfer).

Durch einen direkten Kontakt mit Bakterien (Cblatnydia trachomatis Serotypen A, B und C) entzünden sich Binde- und Hornhaut. Nach einer Inkubationszeit von fünf bis zwölf Tagen treten Symptome einer Konjunktivitis (Bindehautentzündung) auf, Lymphknotenschwellung, geschwollene Augenlieder und tränende Augen. Wenn diese Infektion nicht adäquat mit Makroliden oder Tetracyclinen behandelt werden, kommt es zur Verstärkung der Symptome und zu einer Pannusbildung mit Vernarbung der Hornhaut. Eine Deformation der Augenlieder ist bei fehlender Behandlung häufig festzustellen.

Erregernachweis:

Für den Nachweis einer Infektion ist der direkte Erregernachweis die gängigste Methode. Die Auswahl der geeignetsten Methode hängt vom klinischen Bild und der Zielstellung der Diagnostik im individuellen Fall ab.

Therapie:

Zum Einsatz kommen Tetrazykline (Doxycyclin), Makrolide (Erythromycin und insbesondere neuere Derivate wie Clarithromycin, Azithromycin) sowie Chinolone (Levofloxacin). Resistenzentwicklungen gegenüber Tetrazyklinen und Erythromycin sind bisher nicht be-kannt geworden. Manchmal treten trotz antibiotischer Therapie Rezidive auf.

SAFE-Strategie im Global Programme for the Elimination of Trachoma der WHO:

  • S - Surgery, d.h. die Oberlidchirurgie bei Trichiasis und Entropium
  • A - Antibiotika, d.h. lokale oder systemische Antibiotikatherapie
  • F - Facial cleanliness, d.h. Waschen des Gesichtes zur Säuberung von Sekret (Eindämmung der Schmierinfektion und Eindämmung der Übertragung durch Fliegen)
  • E - Enviromental Improvement im Sinne einer generellen Verbesserung der Haus- und Dorfhygiene, z. B. durch Latrinenbau, Wasserversorgung und Abfallbeseitigung

Die akute Entzündung tritt zu 90 Prozent im Kindesalter auf. Über Speichel und Augenflüssigkeit, verschmutzte Tücher und Fliegen stecken sich Mütter und Kinder ständig gegenseitig an, weshalb mehr Frauen als Männer erblinden. Ein Trachom macht erst Jahrzehnte nach der akuten Entzündung durch Vernarbungen blind. Es bliebe also Zeit genug, die frühen Stadien der Krankheit zu erkennen und mit Antibiotika zu behandeln - wenn die Betroffenen aufgeklärt sind und Geld und Ärzte vorhanden wären.

Einfachstes und wirksamstes Mittel gegen die Ägyptische Körnerkrankheit ist eine verbesserte Hygiene. Deshalb müssen vor allem die Mütter gewarnt werden. Aber auch nach einer langen, geduldigen Aufklärung bleibt sauberes Wasser rar und kinderreichen Familien leben weiter auf engstem Raum zusammen.

Behandlung:

Vorbeugende Behandlung der Infektion im Anfangsstadium durch regelmäßiges Gesichtwaschen und Tetracycline-Augensalbe. Ist die Krankheit weiter fortgeschritten, hilft eine kleine Lid-Operation. Die Kosten für eine OP liegen bei ca. 15 Euro. Bleibt das Trachom unbehandelt, wird der Patient erblinden.

Grüner Star


Vorkommen:

Weltweit sind ca. 4,5 Millionen Menschen erblindet.

Ursache:

Überwiegend zu hoher Augeninnendruck, der den Sehnerv schädigt. Der Betroffene spürt zunächst keine Schmerzen, weshalb der Grüne Star oft erst bemerkt wird, wenn die Zerstörung des Sehnervs schon fortgeschritten ist.

Behandlung:

Vorbeugende Untersuchungen (Messung des Augeninnendrucks mit Tonometer) Augentropfen, Operation. Ein bereits aufgetretener Sehverlust ist nicht mehr rückgängig zu machen.

Flussblindheit (Onchozerkose)

Vorkommen:

Diese Krankheit tritt in West- und Zentralafrika, Südamerika und Teilen der arabischen Halbinsel auf.

Ursache:

Beim Stich der blutsaugenden Simulium-Fliege (Schwarze Fliege genannt) werden Larven auf den Menschen übertragen, die bis zu zwölf Jahre leben und Millionen von mikroskopisch kleinen Würmern (Mikrofilarien) freisetzen. Diese wandern durch den Körper bis ins Auge und zerstören den Sehnerv. Die Infektion erfolgt im Kindesalter. Vermehren sich die Parasiten stark, zerstören sie im dritten und vierten Lebensjahrzehnt die Augen. Weltweit sind 20 bis 30 Millionen Menschen an der Onchozerkose erkrankt, 500.000 bis eine Million sind daran erblindet. Andere Erkrankungen wie Elephantiasis sind durch die Mikrofiliarien weit verbreitet.

Behandlung:

Vorbeugend mit dem Medikament Ivermectin (Mectizan®). Es muss zehn Jahre lang regelmäßig ein- bis zweimal jährlich eingenommen werden. Unbehandelt kann Onchozerkose zur Blindheit führen. Neue Therapieansätze werden mit Tetracyclin (Doxycyclin®), in Afrika wird noch häufig wegen Kontraindikationen für Ivermectin mit Diethylcarbamazin behandelt, welche sehr starke Nebenwirkung hat.


Vitamin-A-Mangel (Kinderblindheit)

Vorkommen:

In Entwicklungsländern erblinden jährlich zwischen 350.000 und 500.000 Kleinkinder. Viele von ihnen sterben binnen weniger Jahre nach der Erblindung. Insgesamt sind 1,4 Millionen Kinder blind, nach offiziellen Schätzungen sterben fast zwei Millionen Kinder an dieser Mangelerscheinung.

Ursachen:

Einer der Gründe ist ernährungsbedingter Vitamin-A-Mangel (Xerophthalmie). Er führt zur Erweichung und Trübung der Hornhaut mit Blindheit als Folge. Der Mangel entsteht, wenn Kinder nach der Stillzeit nur kohlenhydratreiche Nahrung ohne Proteine und Eiweiß bekommen, etwa Reisbrei. Die Folge einer solchen notgedrungen einseitigen Ernährung ist unter anderem Vitamin-A-Mangel. Er trocknet die Binde- und Hornhaut aus. Masern, Darminfektionen und ein insgesamt schlechter Gesundheitszustand beschleunigen die Erblindung zwischen dem dritten und sechsten Lebensjahr, weil diese Infektionskrankheit viel Vitamin A verbraucht. Auch die Augenentzündung bei Neugeborenen führt oft zu diesen Symptomen.

Behandlung:

Vitaminreiche Ernährung und vorbeugende Einnahme von Vitamin-A-Kapseln. Vitamin A kostet nicht viel und eine sinnvolle Vorbeugung kann für ca. 1 Euro pro Kind und Jahr erfolgen. Erblindet ein Kind durch Xerophthalmie, ist sein Augenlicht unwiederbringlich verloren.

Im Krankenhaus kurz vor der Operation

Junge Mutter ist bereits erblindet, der Junge ist bereits am Trachom erkrankt


Erblindetes Mädchen in Bangladesch ist auf die Hilfe Ihrer größeren Schwester angewiesen.

vor über 20 Jahren erblindet, er wartet auf eine Operation


2 Wochen nach der Operation bei der Nachbehandlung und Kontrolle im Krankenhaus