Meningitis

Artikelinfo
Autor: 
Dr. med. Edith Fischnaller

Die Meningitis entsteht meist durch eine Entzündung der Hirn- und Rückenmarkshäute (Meningen), die innerhalb kürzester Zeit zu einer schweren Erkrankung führen kann. Wenn es zum Übergreifen auf andere Gehirngewebe kommt, entwickelt sich oft eine Meningoenzephalitis oder eine Meningoenzephaomyelitis die häufig tödlich verläuft oder mit irreversiblen Folgeschäden einhergeht.

Die Erreger der Infektionen sind sehr vielfältig, meist sind es Viren oder Bakterien, aber auch Pilze oder Parasiten können eine Meningitis verursachen. Daneben gibt es andere, seltene Ursachen wie z.B. Krebs- und Autoimmunerkrankungen, diese sind aber in den Entwicklungsländern eher selten. In Abhängigkeit vom jeweiligen Erreger kann die Meningitis akut, chronisch oder rezidivierend (wiederholt) auftreten.

Die akute Meningitis ist immer ein Notfall und erfordert schnelle Diagnostik und Therapie, da jede Stunde für den weiteren Verlauf der Krankheit ausschlaggebend ist. Meist äußert sie sich in einem sehr schweren allgemeinen Krankheitsbild mit zunehmenden Kopfschmerzen, Lichtempfindlichkeit und Nackensteifigkeit. Die Krankheit ist insbesondere bei kleinen Kindern im Anfangsstadium schwer feststellbar. Durch eine rechtzeitig eingeleitete intensive Behandlung kann bei der Mehrheit der Patienten eine vollständige Genesung erreicht werden. In den Ländern, in denen wir tätig sind, gibt es viele Fällen mit einem tödlichen Verlauf oder mit bleibenden Schäden wie Narben, Taubheit und Lähmungen. Die Gründe für einen schweren Verlauf sind vielfältig: lange Wege zu einer Klinik, mangelnde Diagnostik, fehlende Medikamente, keine intensivmedizinische Betreuung und vieles mehr. Da der Impfstoff nicht flächendeckend verabreicht werden kann, kommt es bei einem Ausbruch zu sehr vielen Erkrankungen und Todesfällen.

Akute bakterielle Meningitis

Bei einer bakteriellen, eitrige Meningitis kommt es - in den meisten Fällen ausgehend von einem Herd z.B. im Nasen-Rachen-Raum - zu einer Aussaat der Erreger über das Blut. Im Rahmen dieser Erregeraussaat kann die Infektion an verschiedenen Organen Entzündungen hervorrufen, so auch an den weichen Häuten des Gehirns und des Rückenmarks. Häufig ist auch, v.a. bei den Pneumokokken, der Atemtrakt betroffen.

Die häufigsten Erreger der "klassischen", bakteriellen Meningitis sind Meningokokken (Neisseria meningitidis), Pneumokokken (Streptokokkus pneumoniae) und Haemophilus influenzae. Diese Bakterien werden durch Tröpfcheninfektion, z.B. Niesen oder Husten, übertragen. Einen Sonderfall stellt das Erregerspektrum bei Neugeborenen unter einem Monat dar. Hier dominieren Darmbakterien wie E.coli, aber auch Streptokokken B, Listerien, Salmonellen und Pseudomonas aeruginosa.

In den Industrieländern ist die eitrige Meningitis selten geworden, in Ländern mit einer hohen Armut tritt diese Erkrankung dagegen sehr häufig auf.


Meningokokkenmeningitis durch Meningokokken (Neisseria meningitidis)

Bei gesunden Personen besiedeln die Erreger die Schleimhaut des Nasenrachenraums und den Genitalbereich ohne dort Krankheitssymptome auszulösen. Meningokokken können neben der gefürchteten, meist tödlich verlaufenden Hirnhautentzündung auch Krankheitsbilder mit milder Symptomatik wie leichtes Fieber und Gelenkschmerzen verursachen. Meningokokken-Infektionen sind weltweit verbreitet. Neben dem europäischen Raum treten sie vermehrt im sogenannten "Meningokokken-Gürtel" auf, der sich in Afrika von Burkina Faso über Nigeria, den Tschad bis nach Äthiopien erstreckt, aber auch in Brasilien gibt es häufig Infektionen.

Meningokokken besitzen eine ovale Form und kommen paarweise von einer Kapsel umgeben vor (Diplokokken). Auf dieser Kapsel befinden sich Zuckerreste, man spricht deshalb von einer Polysaccharidkapsel. Diese bestimmen die antigenen Eigenschaften der einzelnen Erreger und sind so für die Einteilung der Meningokokken in verschiedene Serogruppen verantwortlich. Die wichtigsten sind die Gruppen A, B, C, W, X, Y und Z. Für Epidemien typisch sind die Serogruppen A, B und C. Zur Zeit kann nur gegen die Serogruppe A und C (W135,Y) geimpft werden.

Symptome:
Anfängliche Symptome sind plötzlich auftretendes hohes Fieber, Erbrechen, starke Kopfschmerzen, Nackensteife und Schüttelfrost. Es folgt eine Infektion der oberen Luftwege; bei älteren Kindern im meningitischen Stadium oft ausgebreiteter Herpes labialis.

Meningokokken-Meningitis-Sepsis tritt besonders während der ersten beiden Lebensjahre (Waterhouse-Friedrichsen-Syndrom) auf. Es kommt zu punktförmigen großflächigen Haut- und Schleimhausblutungen. Diese schwere Sepsis verläuft meist tödlich, die Patienten sterben häufig bevor es überhaupt zur Ausprägung einer Meningitis kommt. Im weiteren Verlauf können die Erreger die Lunge, das Herzgewebe und/oder die großen Gelenke befallen.

Diagnostik:
Meist sind die Leukozyten und andere Entzündungsparameter im Serum erhöht. Durch eine Lumbalpunktion kann Liquor gewonnen werden. Farbe, Aussehen, Zellzahl und Bestandteile können neben der mikroskopischen und mikrobiologischen Untersuchung eine Meningitis erkennen oder vermuten lassen. In vielen Ländern, in denen es keine Möglichkeit für eine mikrobiologische Diagnostik gibt, wird die sehr ungenaue, aber einfache Methode der "Pandy"-Reaktion verwendet, die schnell eine bakterielle Meningitis bestätigen kann.

Therapie:
Sind die Erreger bekannt, werden gezielt Antibiotika verabreicht. Ohne mikrobiologische Untersuchungen werden allerdings oft auch ungezielt und breit Antibiotika gegeben. Therapie der Wahl bei Meningokokken und Streptokokken B ist Penicillin G, bzw. Ampicillin und Gentamycin, wenn die Erreger nicht bekannt sind. Bei der tuberkulösen Meningitis wird die Vierfachtherapie (INH, Streptomycin, Rifampicin und Pyrazinamide) eingesetzt. Die Dosierung ist vom Körpergewicht abhängig. Oft wird auch sicherheitshalber mit Chloramphenicol mitbehandelt oder Cefotoxim gegeben. In den meisten Ländern sind nationale Behandlungsstandards vorhanden, die möglichst eingehalten werden sollten, immer aber sind Einzelfallentscheidungen notwendig.

Bei Anzeichen einer Meningitis kann sehr oft eine zerebrale Malaria nicht sicher ausgeschlossen werden. Daher ist es sinnvoll, bei jeder Meningitis in Malaria-Risikogebieten Malaria mitzubehandeln, auch wenn diese nicht sicher nachgewiesen werden kann.

Weitere supportive Therapie mit Hydrocortison, Heparin und Phenobarbitol ist meist unumgänglich und kann die Symptome reduzieren.

Prophylaxe:
Gegen Meningokokken A und C (W,Y) sind Impfungen möglich, aber leider noch wenig verbreitet. In einigen Ländern, die häufig Ausbrüche haben, sind diese Impfungen bereits im nationalen Impfprogramm eingebunden. In unseren Projekten impfen wir ebenfalls gegen Meningitis, wenn es zu einem gehäuftem Auftreten kommt. Vor allem wird das gesamte Personal geimpft sein, damit es im Falle eines Ausbruches nicht selbst erkrankt.

Von der WHO und weltweiten Fachgesellschaften wird der in Deutschland schon lange vorhandene Impfstoff gegen Pneumokokken (Streptokokkus pneumoniae), flächendeckend für Entwicklungsländer gefordert. Begonnen werden soll mit dem derzeit zugelassenen 7-valenten Impfstoff PCV7.

Pneumokokken-Infektionen sind nach Schätzungen der WHO jedes Jahr für bis zu eine Million Todesfälle bei Kindern verantwortlich. Sie treten in jedem Alter auf. Das Risiko, an einer ernsten Pneumokokkon-Infektion zu erkranken, ist für kleine Kinder (insbesondere unter zwei Jahren) und ältere Menschen besonders hoch. Über 90% der durch Pneumokokken-Lungenentzündung verursachten Todesfälle bei Kindern treten in Entwicklungsländern auf. Durch Pneumokokken verursachte Meningitis endet bei 40% der erkrankten Kinder tödlich oder hinterlässt bleibende Schäden.

Bei ungeimpften Kontaktpersonen und direktem Kontakt sollten ggf. eine Chemoprophylaxe (z.B. Rifampicin) gegeben werden. Der Wert dieser Prophylaxe ist umstritten, vor allem findet diese Art der Prophylaxe in Entwicklungsländern kaum Platz.