Hilfe für Afghanistan

Artikelinfo
Datum: 
04.10.2001
Quelle: 
WDR online.wdr.de

Gestern ist Rupert Neudeck in Tadschikistan angekommen. Begleitet wird der Vorsitzende des Komitees Cap Anamur von einem Arzt und einem in Deutschland lebenden Afghanen, der die Region sehr gut kennt. In ihrem Gepäck: keine Lebensmittel oder Medikamente, sondern nur Geld, um beides zu kaufen, und - ganz wichtig - Adressen, um schnell Kontakte knüpfen zu können.

Das Team der Kölner Hilfsorganisation will zunächst versuchen, den Tausenden von afghanischen Flüchtlingen in Tadschikistan zu helfen und dann in den Norden Afghanistans zu kommen. "Das Gebiet dort wird von der Nordallianz kontrolliert," erklärt Christel Neudeck. "Wir hoffen, dort besser arbeiten zu können als in den Landesteilen, die die Taliban kontrollieren." Während ihr Mann vor Ort ist, versucht Christel Neudeck, von Köln aus die Hilfslieferungen von Cap Anamur für die afghanischen Flüchtlinge zu koordinieren.

Die Probleme sind immer die gleichen

Die Aufgabe des dreiköpfigen Teams in Tadschikistan: "Normale Fluchtkrankheiten" zu behandeln, wie Christel Neudeck sie bezeichnet: Unterernährung, Hautkrankheiten und Durchfall. "Besonders die Kinder sind schon nach wenigen Tagen fertig", so Christel Neudeck. Die notwendigen Nahrungsmittel und Medikamente sollen möglichst vor Ort gekauft werden, um sie den Flüchtlingen schnell geben zu können. Weiter gilt es, Platz für eine kleine Ambulanz, einen Lageraum für die Hilfsgüter und einen Dolmetscher zu finden. Alles, was vor Ort nicht aufzutreiben ist, kommt mit dem ersten Hilfstransport aus Deutschland rüber. Was auf jeden Fall dabei sein wird, weiss Christel Neudeck angesichts des drohenden Wintereinbruchs schon jetzt: "Gute Schlafsäcke, die bis zu minus 20 Grad Celsius warm halten. Und eine Wasseraufbereitungsanlage." Am wichtigsten sei, dass die Menschen schnell sauberes Wasser bekämen.

Über Situation in Pakistan besorgt

Warum Cap Anamur nicht von Pakistan aus arbeitet? Dort seien zu viele Taliban aktiv, sagt Christel Neudeck. "Das ist ein Herd, der so kocht, dass wir nicht wissen, wie wir dort arbeiten sollten." Außerdem sei es für Cap Anamur schwierig, Nahrungsmittel und Medikamente über die Grenze nach Afghanistan zu transportieren. "Wir waren dort das letzte Mal vor 13 Jahren und haben deshalb keine Kontakte mehr. Lieber wäre uns, wir könnten selbst dorthin. Aber im Taliban-Gebiet ist das kaum machbar, wenn man Ausländer ist."

Nur wenig Erfolg bei Suche nach Ärzten

Um den Flüchtlingen besser helfen zu können, hat das Komitee Cap Anamur an erfahrene Ärzte appelliert, bei der Arbeit vor Ort aktiv mitzumachen. Bislang allerdings mit mäßigem Erfolg. Christel Neudeck: "Nur zwei Mediziner mit Berufserfahrung haben sich gemeldet . Und Ärzte im Praktikum sind für einen Einsatz in Tadschikistan oder Afghanistan ungeeignet, da sie meist überfordert sind."