25-Jährige Hagenerin in Afghanistan: "Ein unbeschreibliches Gefühl"

Artikelinfo
Datum: 
17.11.2003
Quelle: 
Westfälische Rundschau Lokalausgabe Hagen

Afghanistan, ein fernes Land, das wir lediglich aus den Nachrichten kennen und zurzeit nur ungern besuchen würden. Ein Land, verwüstet durch viele Kriege, das durch Hilfsorganisationen wieder aufgebaut werden kann.

Es fehlt an medizinischer Versorgung, schulischer Bildung sowie Sicherheit für die Menschen. Für einen Auslandseinsatz vom Komitee Cap Anamur Deutsche Notärzte e.V. entschied sich die 25-jährige Krankenschwester Aynur Sönmez aus Hagen. Seit dem 8. Juni ist sie in einem Krankenhaus im Norden Afghanistans, in der Stadt Dashte-Quale, als Krankenschwester eingesetzt. Über einen Dolmetscher hat Aynur die Möglichkeit, sich zu verständigen.

"Für mich ist mit dieser Aufgabe ein großer Wunsch in Erfüllung gegangen", erzählt sie. Kaiserschnitte, Hundebisse, Schuss- und Minenverletzungen zu versorgen gehört u.a. zu ihrem Aufgabenbereich. "Das Krankenhaus ist rund um die Uhr besetzt, wir werden überall eingesetzt wo Hilfe nötig ist", berichtet Aynur. "Die vielen Hilfe suchenden Patienten sind schon von weitem zu sehen. Mit der Burka bekleidete Frauen tragen oft ihre schwer kranken Kinder darunter, sodass diese nur selten sofort als Notfälle zu erkennen sind."

Im Krankenhaus arbeiten ein Chirurg, ein Internist, ein Techniker und weitere Krankenpfleger, die Tag und Nacht mit großer Bereitschaft für die Menschen da sind. Aber auch einheimische Helfer, u.a. Dolmetscher, unterstützen das Team. Seit Oktober 2001 arbeiten die Mitarbeiter der Organisation Cap Anamur hier. Neben Krankenhäusern wurden 33 Schulen gebaut, Straßen repariert und Brücken gebaut. Sie arbeiten Tag und Nacht, werden mit schwierigen und gefährlichen Situationen konfrontiert.

"Es ist unvorstellbar, vor einem Jahr noch war alles zerstört und unbrauchbar. Mit Hilfe von Cap Anamur und der Menschen hier wurde die Stadt wieder aufgebaut. Seitdem ist hier wieder Leben eingekehrt", sagt Aynur. "Afghanistan braucht noch sehr lange die Hilfe unserer Organisation und wird sie auch bekommen", erklärt sie. "Meine Entscheidung, hierher zu kommen, war auf jeden Fall richtig. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, hier zu sein und Hilfe zu leisten. Eine Erfahrung, die ein Leben lang prägt."

Der Wiederaufbau in Afghanistan wird noch viele Jahre dauern. Das Volk ist auf jede Art von Hilfe angewiesen. Man braucht nicht in die Ferne zu reisen, um zu helfen, man kann überall Hilfe leisten.

Siehe auch Westfälische Rundschau vom 16.12.2003