Marler Schule ist in Afghanistan ein Sonnenschein

Artikelinfo
Datum: 
08.05.2008
Quelle: 
MARL Aktuell

Marl (om). Die Mädchen-Schule "Sonnenschein" in Nordost-Aghanistan hat Hoffnung und Wärme gebracht - Bernd Göken von Cap Anamur berichtete von seiner Reise. Dank der großartigen Spenden aus Marl konnte mit der Hilfsorganisation "Cap Anamur" 2005 eine 11-klassige Mädchenschule in Shiratala, Nordost-Afghanistan aufgebaut werden. Seitdem haben Menschen in Marl immer wieder für den laufenden Schulbetrieb und für Hefte, Stifte und Bücher gesammelt. Die Schule trägt auf Vorschlag von Marler Schulkindern den Namen "Sonnenschein."

Bernd Göken von Cap Anamur berichtete in der "insel" von seinen Eindrücken in dieser Schule, die er bei seiner Rundreise besuchen konnte. Die Schule "Sonnenschein" wird von fast 700 Schulkindern besucht und "vermittelt einen guten Eindruck". Das große Dorf Shiratalla sei sehr arm, abseits in einer Bergregion gelegen, mit einfacher, traditioneller landwirtschaftlicher Selbstversorgung.

Ohne Brunnen oder Wasserleitungen würden die Dorfbewohner Schnee und Eis vom Winter in traditionellen Behältern "konservieren" und im Laufe des Jahres dann verbrauchen. Transportmittel seien Esel. Der Bürgermeister sei engagiert, aber stoße an seine Grenzen wegen fehlender Fördermittel ("aus Kabul kommt dort nichts an").

So sei diese "Marler" Schule "Sonnenschein" ein wirklicher Sonnenschein für den Ort. Die Menschen seien dankbar, nicht deprimiert, sondern gestalteten ihr karges Leben durchaus fröhlich und mit Hoffnung auf bessere Zeiten. Die Jugendlichen gingen gerne zur Schule, die Mädchen wünschten, auch beruflich etwas zu werden. Aber sie hätten nach der Schule außer früher Heirat noch keine Ausbildungsperspektive, einige Jungen würden inzwischen in der nächst größeren Stadt Dasht praktisch zu Bäckern ausgebildet.

Göken schilderte ein ziemlich pessimistisches Bild von der Gegenwart in Afghanistan: Die Regierung von Präsident Karsai habe nur in der Hauptstadt Kabul Einfluss. Im Lande selber herrschten verschiedene "War-Lords", die an ihre eigene Machtfülle und Reichtum aus Mohnanbau dächten. Die Taliban würden ihren Einfluss sichtlich ausbauen.

Die deutsche Bundeswehr im Norden von Afghanistan sei damit beschäftigt, sich selber zu schützen; praktische Entwicklungshilfe würde sie weniger leisten als die meisten deutschen Medien allgemein berichten. "Militärs können nicht als zivile Entwicklungshlefer arbeiten, davon verstehen sie nichts, das haben sie nicht gelernt", so Göken. Ihr "sauberer Abzug" nach und nach aus Afghanistan sei richtig.

Cap Anamur als verhältnismäßig kleine, politisch unabhängige Hilfsorganisation habe wegen der verschlechterten Sicherheitslage ihre medizinischen und technisch-praktischen freiwilligen Entwicklungshelfer allmählich verringern müssen.

"In dieser derzeit düsteren Lage erweist sich das Marler Schul-Projekt 'Sonnenschein' am Ort als Hoffnungsschimmer", betonten Ulla Fries-Langer und Hartmut Dreier als langjährige Sprecher des Marler Aktionskreises Afgahnistan.