Wenn man helfen will und nicht kann

Artikelinfo
Datum: 
10.08.2010
Autor: 
pse
Quelle: 
Die Rheinpfalz Mittelhaardter Rundschau

Der Mord an acht christlichen Ärzten in Afghanistan am Samstag beschäftigt das Neustadter Ehepaar Döne Akdas und Faisal Haidari. Die beiden arbeiten seit Jahren als Entwicklungshelfer für das Hilfswerk Cap Anamur in Afghanistan. Faisal ist gerade vor einer Woche von einem Einsatz dort heimgekehrt.

"Seit 2005 ist es von Tag zu Tag schlimmer geworden", sagt Haidari zur Sicherheitslage in seinem Heimatland, das er 2004 verlassen hatte. Er hatte bei seiner Arbeit für Cap Anamur die gebürtige Türkin Döne Akdas aus Neustadt kennengelernt, die als am Hetzelstift ausgebildete Krankenschwester wie er den Aufbau einer Klinik in dem von Kriegen gezeichneten asiatischen Land unterstützte. Heute sind die beiden Eltern zweier Söhne, leben überwiegend in Neustadt und sind immer wieder für Cap Anamur in Afghanistan. Haidari war jetzt vier Wochen dort, um bei den bisher eingeleiteten Projekten nach dem Rechten zu sehen und den Aufbau von Ausbildungsstätten für Hebammen sowie Krankenschwestern in der Provinzhauptstadt Herat voranzutreiben.

Die erhöhte Gefahrenlage hat die Arbeit der Neustadter ganz konkret beeinflusst. "Das Ziel von Cap Anamur ist eigentlich, in die Dörfer zu gehen, ganz, ganz weit weg von den Städten zu helfen", sagt der 34-jährige Haidari. "Das geht derzeit leider nicht." Gerade in den abgelegenen Regionen, wo am dringendsten medizinische Betreuung nötig wäre, sei die Situation so unübersichtlich geworden, dass Helfer dort in permanenter Gefahr schwebten. Auch die acht Ärzte und zwei ihrer drei afghanischen Begleiter waren in einer einsamen Region getötet worden.

Akdas ärgert es, dass die Einsätze jetzt höchst vorsichtig geplant werden müssten, denn humanitäre Hilfe heiße für sie nicht, "sich bei Horror-Mieten in klimatisierten Büros der Hauptstadt Kabul den Hintern plattzusitzen". Zum Glück habe die mühsam aufgebaute Klinik "in der Pampa" - so nennt die engagierte 37-Jährige ihren ersten Einsatzdistrikt Gulran - jetzt an einheimische Kräfte übergeben werden können. Die aktuellen Hilfen würden im größeren Herat konzentriert, ein weiteres Klinikprojekt in einem anderen Distrikt im Grenzgebiet mit Turkmenistan und Iran dennoch eingeleitet. "Man sagt, dort soll es ein wenig sicherer sein", so Haidari.

Mit der Organisation International Assistance Mission (IAM), deren Ärzte ermordet wurden, haben die Neustadter bereits zusammengearbeitet. Sie hätten auf Anforderung von Cap Anamur im Krankenhaus in Gulran wertvolle Hilfe geleistet. "14 Tage waren sie dort im Einsatz und damals wie sicher auch heute nicht missionarisch tätig", sagt Akdas. Es ärgert sie, dass in den internationalen Medien darüber spekuliert werde, ob die Opfer religiös aktiv geworden seien und sich damit besonders unvorsichtig verhalten hätten. In einem Bekennerschreiben hatten die Radikal-Islamisten der Taliban dies behauptet. Auch Cap Anamur arbeite religionsunabhängig, sagt Akdas. Ein weiterer Punkt in der Berichterstattung, der ihr missfällt: Es werde meist nur auf die ausländischen Opfer Bezug genommen: "Dabei ist die Sicherheitslage für die Afghanen noch schlechter." Ein Verwandter und ein kooperierender Arzt seien entführt worden, ein ihr bekannter Bürgermeister wurde erschossen.

Akdas wird ihren Mann im September mit den zwei Kindern nach Afghanistan begleiten. Sie wird vorwiegend Verwandte besuchen, ihr Gatte seine Hilfsprojekte vorantreiben - und die Sicherheitslage wird immer ein Thema sein. (pse)