Angola

Artikelinfo
Datum: 
07.03.2007
Autor: 
Office Cap Anamur
Seit 2002 herrscht in Angola Frieden und die wirtschaftliche Situation scheint sich langsam zu verbessern. Das Land ist mittlerweile zu einem der wichtigsten Rohstofflieferanten für die westlichen Industrieländer und insbesondere für China geworden. Seit Februar 2007 ist der achtgrößte Erdölproduzent nun offizielles Mitglied der OPEC geworden. Neben dem Erölsektor sind auch Diamanten und Erdgas lukrative Einnahmequellen für den sich im Wiederaufbau befindlichen Staat. Dennoch haben Krieg, sozialistische Misswirtschaft und die allgegenwärtige Korruption tiefe Spuren hinterlassen. Der Großteil der angolanischen Bevölkerung lebt nach vierzig Jahren Entkolonialisierungs- und Bürgerkriegen immer noch in bitterster Armut. Nach wie vor sind rund zwei Drittel der Angolaner von einer medizinischen Versorgung komplett ausgeschlossen, Schulen - wenn vorhanden - haben weder Stifte, noch Papier und die Verwaltungsinfrastruktur liegt außerhalb der Hauptstadt Luanda weitestgehend brach.

Während rohstoffreiche Provinzen des Landes zumindest ansatzweise von den Rentiereinnahmen profitieren, wird den massiven Problemen anderen Regionen Angolas kaum Priorität eingeräumt. Die Provinz Kunene ist eine dieser vergessenen Gebiete, in die kaum staatliche Mittel entfallen. Zwar gibt es auch hier erste positive Entwicklungen zu vermelden, doch die Verwirklichung einer angemessenen Versorgung liegt noch in weiter Ferne.

So wurden im letzten Jahr mit Weltbankgeldern mehrere Neubauten für das Krankenhaus in Oncocua errichtet, doch die versprochene Einrichtung, um diese Gebäude effektiv nutzbar zu machen, ist bis heute nicht eingetroffen. Die schlechte Infrastruktur und fehlende Verantwortlichkeiten haben gerade in heiklen Situationen schlimme Folgen. So auch beim Ausbruch der Choleraepedemie im letzten Jahr. In unseren beiden Projekten in Oncocua und Cahama waren mehrere Todesfälle zu verzeichnen, doch durch die schnelle und effektive Hilfe durch unser Team konnte eine Verbreitung rasch gestoppt werden.

Unter diesen Umständen mangelnder politischer Koordination trotz steigender Mittel ist es daher wichtig, die Verantwortung wieder zurück an die staatlichen und lokalen Behörden zu delegieren, und diese zu fordern. Wir haben uns daher entschlossen, zu Beginn dieses Jahres uns aus Cahama zurückziehen, da die infrastrukturelle und medizinische Versorgung soweit gewährleistet ist. Nur durch diesen Schritt kann auch eine reelle Veränderung implementiert werden, die von nachhaltiger Wirkung und einem zu fördernden Staatswesen ausgeht: Hilfe zur Selbsthilfe! Selbstverständlich bleiben aber unsere in Oncocua verbliebenen Mitarbeiter jederzeit für Fragen und Hilfestellungen ansprechbar.

Um langfristig etwas zu verändern, ist auch die Bildung der Kinder eines der drängendsten Themen in Angola. So betreut Cap Anamur nicht nur den Krankenhauskomplex in Oncocua, sondern auch eine Schule für Nomaden. In dem Internat werden zur Zeit 150 Kinder betreut. Die Schule hat Anfang Februar wieder begonnen und alle Kinder sind aus den Ferien begeistert zurückgekehrt. Sie lernen in der Schule lesen und rechnen, doch wichtige Unterrichtsfächer sind auch Hygiene und handwerklicher Unterricht. Sie sollen als Multiplikatoren ihr Wissen mit nach Hause nehmen und so nachhaltig etwas verändern. Und es ist schön zu sehen, dass es funktioniert, wenn auch mit Geduld - eine wichtige Voraussetzung, die unsere MitarbeiterInnen stets mitbringen müssen.