BANGLADESCH | Medizinische Hilfe für die Ärmsten des Landes

Artikelinfo
Datum: 
29.07.2016
Autor: 
Office Cap Anamur

Bangladesch ist mit 160 Millionen Einwohnern auf Platz acht der bevölkerungsreichsten Länder der Welt – 1.071 Menschen leben durchschnittlich auf einem Quadratkilometer. Zum Vergleich: In Deutschland sind es 229 Personen und in Frankreich 103 Personen je Quadratkilometer. Bangladesch, das am Golf der Bengalen liegt, war bis 1971 ein Teil Pakistans. Die Bevölkerungsmehrheit von rund 90 Prozent ist muslimisch. Aufgrund zahlreicher Flüsse und dem weltweit größten Delta ist Bangladesch in der Monsunzeit regelmäßig Überschwemmungen ausgesetzt.

Aufgrund dieser Überflutungen, die große Teile des Landes durch die Versalzung des Grundwassers für den Reis- und Gemüseanbau unbrauchbar gemacht haben, wandern viele Bengalen in die Hauptstadt Dhaka ab. Dort suchen sie nach Arbeit – ganz gleich welche. Näher/innen und Gerber/innen verdienen im Schnitt 17 Cent pro Stunde, arbeiten sechs bis sieben Tage die Woche und oft zwischen 12 bis 17 Stunden am Tag. Bangladesch hat nach China die größte Textilindustrie und die Europäische Union ist der größte Handelspartner.

BANGLADESCH | Medical help for the poorest

With 160 million people Bangladesh is the world´s 8th most populated country. 1.071 people live in average on one square kilometer. For comparison only: Germany has 229, France 103 person per square kilometer. Bangladesh is located in the Bay of Bengal and was a part of Pakistan until 1971. Almost ninety percent of the population is belongs to the Muslim religion. Because of numerous rivers, Bangladesh is regularly threatened by floods during the monsoon season.

Big parts of the country have become useless for rice cultivation and market gardening caused by saltwater intrusion of subterranean water during the last floods. Therefore, many residents move to Dhaka, the capital city.  There, they look for work, no matter which work. The average income of needlewomen and tanner is 17 Cent per hour for a six-day-week and between 12 and 14 hours a day. After China, Bangladesh is the world’s largest textile industry-and the EU is the biggest trading partner.

Die sozio-ökonomischen Probleme der Ärmsten, der sogenannten ultra-poors, werden noch gravierender, weil sie nach und nach aus dem Fokus der Politik verschwinden. Und auch das Interesse der Medien liegt derzeit eher auf dem Terroranschlag in einem westlichen Café im Diplomatenviertel von Dhaka, bei dem neun Italienern, sieben Japaner, ein Amerikaner, eine Inderin und vier Bangladeschis das Leben verloren haben sowie auf der Verhaftungswelle im Juni, bei der mehr als 11.000 Personen festgenommen wurden und den Macheten-Attacken auf Internet-Blogger, Säkulare, Atheisten, Intelektuelle und religiöse Minderheiten.

The socio-economic problems of the poor, the so called ultra-poor, are continuously increasing, also because the politics focus less and less on their problems. Unfortunately, Media also concentrates on other subjects, such as the terror attack in a western café in the diplomatic quarter in Dhaka in or the imprisonment of 11.000 people and the machete Attacks on seculars, atheists, intellectuals and religious minority.

Medizinische Versorgung der ultra-poors

Unser Vorgehen in Bangladesch orientiert sich an eben dieser zentralen Problematik des Gesundheitssystems aus Sicht der ärmsten Menschen des Landes. Ihnen wollen wir die Tür öffnen zu einer dauerhaft kostenlosen Versorgung.

Derzeit beliefern wir sieben Krankenhäuser im Norden des Landes: Wir stellen in den ruralen Regionen die notwendigen Instrumente, Ausrüstung und Medikamente zu Verfügung, sodass sogar kleine Operationen durchgeführt werden können. Die mittelosen Patienten, darunter vor allem Frauen – die sich in Bangladesch nur von weiblichem medizinischem Personal untersuchen lassen – und Kinder, haben nun vermehrt Zugang zu medizinischer Versorgung. Cap Anamur stellt so die Versorgung von rund 10.000 Patienten im Monat sicher.

Vielen Menschen war es zuvor aufgrund der Kosten nicht möglich, in ein Krankenhaus zu gehen, da die Behandlung nicht selten die gesamten Ersparnisse einer Familie aufbrauchen konnte. Gerade in der Monsunzeit, in der viele Menschen durch die Trinkwasserverschmutzung an Typhus oder Durchfall leiden, ist es wichtig, bestimmte Elektrolytlösung zu bekommen, da ansonsten sogar eine Durchfall-Erkrankung zum Tode führen kann. Und so arbeiten wir weiter daran, die Krankenhäuser und ihre lokalen Mediziner und Medizinerinnen zu unterstützen, damit sie die Möglichkeit haben, noch mehr Patienten zu versorgen.

Medical supply for the ultra-poor

Our approach in Bangladesh is the health care system from the point of view of the ultra-poor. We want to clear the way for them to get a free medical care and supply.

At the moment we deliver seven hospitals in the north of the country. We take care of the rural sections of Bangladesh and provide the necessary instruments, equipment and medication to conduct small surgeries. The destitute patients, many of them women who often accept female doctors only; now have a better access to medical care. In our Cap Anamur project we threat around 10.000 patients per month.

Many of those never had the chance to get to a hospital because of the high expenses. Often, people don’t even go to the hospital, as the transport, the examination and the medicine may cost the whole savings of a family. During monsoon season it is very important that people get a special electrolyte-mix when affected by a diarrhea, otherwise even a simple diarrhea could cause death. So we work on to support the local hospitals and their medicals to have the chance to take care of more patients.

Hintergrund: Bangladesch

Seit der Unabhängigkeit von Pakistan vor 45 Jahren ist Bangladesch das erste Mal in einer vergleichsweise hohen Alarmbereitschaft. Für das friedliche Volk ist die repressive Haltung der Regierung alarmierend. Die lokalen Behörden und die Polizei raten ausländischen Ärzten, das Land zu verlassen. Auch Cap Anamur wollte noch vor ein paar Monaten Mediziner zur Ausbildung und Beratung nach Bangladesch schicken, jedoch wird sich dieser Prozess nun verzögern, bis wir alle Formalien zur Einreise bestätigt haben. Um eine Aufenthaltsgenehmigung von maximal drei Monaten zu bekommen, muss man sich die Erlaubnis von vier verschiedenen Ministerien einholen und eine monatliche Berichterstattung über die Arbeit einreichen. Der hohe bürokratische Aufwand wird an unserem Engagement jedoch nichts ändern.

Background: Bangladesh

For the first time since their independence from Pakistan 45 years ago, Bangladesh is in a very alarming situation. For the peaceful people, the repressive position of the government is very upsetting. The local administration and police are advising foreign doctors to leave the country. Cap Anamur wanted to send medicals for further support to Bangladesh. But this process will be delayed until we get all formalities. To get a proper resident permit of 3 month you have to get the permission of four different ministries and give a monthly report about the work we do. The high level of bureaucracy will not change anything of our engagement.