Mehr als eine Millionen Ivorer auf der Flucht - Mitarbeiter auf dem Weg in die Elfenbeinküste

Artikelinfo
Datum: 
05.04.2011
Autor: 
Office Cap Anamur

Der Krieg um die Macht zwischen dem früheren Präsident Laurent Gbagbo und dem international anerkannten Herausforderer Alassana Ouattara wird immer brutaler. Aus verschiedenen Orten wird von blutigen Kämpfen, Massentötungen und Brandschatzung berichtet. Mehr als eine Millionen Menschen sind bereits auf der Flucht. Gestern hat sich Cap-Anamur-Logistiker Volker Rath auf den Weg in die Elfenbeinküste gemacht, um die Lage zu sondieren und die Hilfe für die Menschen einzuleiten.

Verlässliche Zahlen zu den Todesopfern gibt es keine. Die Metropolregion Abidjan entwickelt sich mehr und mehr zu einem unübersichtlichen Schlachtfeld. Augenzeugen berichten von schwerem Artilleriefeuer und Maschinengewehrslaven. In Duékoué hat vor etwa einer Woche ein schreckliches Massaker stattgefunden, dessen Hintergründe noch immer unklar sind; die Angaben zu den Toten schwanken: Das Internationale Rote Kreuz spricht von 800, die Caritas von 1.000 Menschen, die erschossen oder mit Macheten zu Tode gehackt wurden. Fast sämtliche Häuser der 75.000 Einwohner großen Stadt wurden niedergebrannt. In den Ruinen wurden zahlreiche verkohlte Leichen gefunden. Cap Anamur hat lange in Duékoué gearbeitet, auch unsere ehemaligen Mitarbeiter berichten von schrecklichen Gräueltaten.

Die Truppen beider Seiten gehen mit unvorstellbarer Brutalität vor. Bei diesem Kampf geht es um mehr als die Präsidentschaftsfrage. Es geht auch um ethnische Rivalitäten, um das „Concept d’Ivoirité“, ein nationalistisches Konzept, das 1995 von dem damaligen Präsidenten der Elfenbeinküste begründet wurde. Nicht zuletzt, um Ouattara von seinen Kandidaturen in den Jahren 1995 und 2000 abzuhalten. Denn das Gesetzt fordert, dass beide Elternteile eines Präsidentschaftskandidaten Ivorer sein müssen. Damals war das „Concept d’Ivoirité“ einer der Auslöser des Bürgerkriegs. Nun entlädt sich jahrelang aufgestauter Hass.

Wie viele Opfer dieser Krieg noch fordern wird ist unklar. Sicher ist, dass zahlreiche weitere Menschen in die Flucht getrieben werden. Aus Abidjan ist bereits jeder Fünfte geflohen. Amnesty International warnt vor einer humanitären Katastrophe, sollten die Kämpfe in Abidjan fortgeführt werden. „Wir beobachten die Situation in der Elfenbeinküste schon seit Monaten mit großer Sorge. In den vergangenen Wochen hat sich die Situation dramatisch verschärft. Die Versorgung der Flüchtlinge muss umgehend eingeleitet werden. Bitte unterstützen Sie unsere Arbeit mit einer Spende“, bittet Cap-Anamur-Geschäftsführer und Projektleiter Bernd Göken um Mithilfe.

Spendenkonto

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Verwendungszweck „Elfenbeinküste“

Cap Anamur in der Elfenbeinküste

In den Jahren von 2005 bis 2010 betreute Cap Anamur ein Programm für unterernährte Kinder. Elfenbeinküste, einst Hoffnungsträger des afrikanischen Kontinents, ist durch jahrelangen Bürgerkrieg, den wirtschaftlichen Niedergang und der faktischen Zweiteilung ein krisengeplagtes Land.

Volker Rath

Der 48-Jährige arbeitet bereits seit acht Jahren als Logistiker für Cap Anamur. Während der vergangenen sechs Monate leitete er in Pakistan die Renovierungsarbeiten von mehreren Krankenhäusern sowie das Hausbau-Projekt für obdachlosgewordenen Familien. Zuvor war er mehrere Jahre für Cap Anamur in der Elfenbeinküste tätig.