Weltweit im Einsatz, um Not zu lindern

Artikelinfo
Datum: 
13.01.2012
Quelle: 
Osnabrücker Zeitung

Hier finden Sie den Original-Artikel:

http://www.noz.de/lokales/60063578/geschaeftsfuehrer-der-hilfsorganisation-cap-anamur-zu-gast-in-der-bbs-haste

Osnabrück. Die Klasse 13 der Berufsbildenden Schulen (BBS) des Landkreises in Haste nimmt derzeit das Thema globale Solidarität durch. Dafür organisiert der Religionskurs immer wieder Telefonate mit Experten von Hilfsorganisationen, um die Theorie mit Beispielen aus der Praxis zu vertiefen. Als sich die Schüler bei Bernd Göken von Cap Anamur meldeten, wollten sie eigentlich einen Termin für einen solchen Anruf vereinbaren, der dann per Lautsprecher in den Unterricht geschaltet werden sollte. Doch der Geschäftsführer des Vereins Deutsche Notärzte bot an, die Klasse leibhaftig zu besuchen.


Bernd Göken, Geschäftsführer der Hilfsorganisation Cap Anamur – Deutsche Notärzte, besuchte die Klasse 13 der BBS Haste, um über seine Arbeit zu berichten. Foto: Klaus Lindemann

Gestern hat er nun die Abiturienten über das weltweite Engagement von Cap Anamur aufgeklärt und ihre vielen Fragen beantwortet. Der Krankenpfleger erzählte, wie seine Karriere bei den Notärzten mit einem Anruf begann und mit welchen Problemen die Engagierten in den Katastrophengebieten teilweise zu kämpfen haben. Besonders schwierig sei die Hilfsarbeit nach dem Erdbeben 2010 auf Haiti gewesen. „Das Land war bereits vorher korrupt. So kam es, dass wir einen Container voller Hilfsgüter wieder nach Hause geschickt haben. Es kann ja nicht sein, dass wir auch noch dafür bezahlen zu helfen.“

Wegen der schlechten Koordination und der vielen Hürden sei die Hilfsorganisation drei Monate nach der Katastrophe aus der medizinischen Versorgung ausgestiegen und habe sich auf den Bau von Schulen und Kliniken konzentriert, erläuterte Göken bei seiner Fotopräsentation in der BBS-Außenstelle am Limberg.
Ende 2011 hat Cap Anamur seine Arbeit in Haiti abgeschlossen. „Trotz der negativen Erfahrungen ist unsere Arbeit wichtig. In Haiti gab es etwas zu viel Hilfe für das kleine Land. Auch weil die Katastrophe so sehr im Fokus der Öffentlichkeit stand und nach dem Tsunami die Lager der Organisationen voll waren, ist jeder losgestürmt.“

Eine Schülerin wollte wissen, ob es sinnvoll sei, selbst Medikamente zu spenden. Als Antwort gab es ein klares Nein, denn die Fachleute erhalten die Mittel viel günstiger. „Man hilft mit Geld mehr als mit Sachspenden“, sagte Göken.
Und wie werden die Ärzte nach ihrer Rückkehr betreut? Der Gast berichtete, dass zwei Psychologen ihre Dienste anbieten. „Aber die meisten Helfer wollen das nicht.“ Die Arbeit im Ausland sei belastend. Auch er sehe gelegentlich Schreckensbilder vor seinem inneren Auge. „Doch wir versuchen dann, auf das Positive zu schauen.“
Die BBS Haste ist vom Jugendrotkreuz als „Humanitäre Schule“ ausgezeichnet worden. Humanitäres Engagement wird an der Schule vielseitig thematisiert und gelebt. „Wir wollen etwas anschieben, worüber die Schüler noch in einigen Jahren nachdenken“, sagte Lehrer Mathias Heidemann. Und das gelinge eher mit anschaulichen Inhalten als mit puren Texten.

Vielleicht kann auch Alexander Aumann einmal für Cap Anamur tätig werden, denn auch bei ihm begann alles mit einem Anruf.

Der 19-Jährige hatte den Kontakt zum Verein hergestellt. Er interessiert sich sehr für Hilfsorganisationen und möchte sich nach seinem Wirtschaftsrecht-Studium selbst mit einbringen. Der Schüler bot Göken schon mal an, sich später um seine steuerlichen Dinge zu kümmern.