Dramatische Zustände in Haiti

Artikelinfo
Datum: 
18.11.2010
Autor: 
Office Cap Anamur

Der Karibikstaat kommt nicht zur Ruhe: Nach den verheerenden Erdbeben im Januar und dem Sturm Anfang dieses Monats kämpfen die Menschen nun gegen die Cholera. Mehr als tausend sind bereits an der Seuche gestorben, so das Gesundheitsministerium Haitis, rund 15.000 weitere infiziert. Experten fürchten, dass sich die Krankheit weiter ungehindert ausbreiten wird. Laut Schätzungen der UN könnte sich die Epidemie auf bis zu 200.000 Menschen ausbreiten. Besonders gefährdet sind die Kinder in den Slums von Port-au-Prince und die Bewohner der Flüchtlingscamps. Es gibt nicht ausreichend sauberes Wasser und Sanitäranlagen, die hygienischen Zustände sind schlecht.

Besonders schwer ist der Norden des Landes betroffen. Doch auch im Süden wurden nun die ersten Fälle gemeldet. So zum Beispiel in Gressier, dem Ort, in dem eines unserer Teams arbeitet. Unsere Mitarbeiter konzentrieren ihren Einsatz vor allem auf die Zeltcamps, dort lebt noch immer der Großteil der obdachlos gewordenen Haitianer. ?Die Städte, vor allem Port-au-Prince, sind überschüttet von Müll und Schutt und es gibt keine Abwasserversorgung. Die meisten Erdbebenopfer leben unter menschenunwürdigen Bedingungen. Es ist noch nicht daran zu denken, die Camps aufzulösen. Die Hilfsorganisationen kümmern sich um die Gesundheitsversorgung und sauberes Trinkwasser, denn die Regierung kann momentan weder Gehälter noch Baumaterial oder Medikamente zur Verfügung stellen?, erklärt Dr. Edith Fischnaller. Die Vorstandsvorsitzende von Cap Anamur war im Oktober in Haiti.

Unsere medizinischen Fachkräfte weisen lokale Hilfskräfte und die Bewohner der Camps sowie die umliegende Bevölkerung in die einfachen aber sehr effektiven Hygienemaßnahmen zur Verhinderung der Cholera ein. Es wurden Latrinen und Brunnen gebaut und die Trinkwasserversorgung verbessert. Vor Ort haben wir die notwendigen Medikamente und Infusionen, wie Antibiotika und Desinfektionsmittel auch für Trinkwasser. Wir arbeiten mit dem Haitinischen Gesundheitsministerium sowie anderen Hilfsorganisationen zusammen und sind auf die Ausbreitung der Infektion gut vorbereitet, da wir seit der Naturkatastrophe im Januar mit dem Ausbruch einer Epidemie rechnen mussten.

Gestern ist ein Team in den Norden des Landes gereist, um eine dort tätige Partnerorganisation von Cap Anamur bei der Versorgung von Cholerapatienten zu unterstützen. In der von uns während eines früheren Projekts errichteten Gesundheitsstation in Fondole können die Patienten versorgt werden.