Italien bindet Cap Anamur die helfende Hand

Artikelinfo
Datum: 
14.01.2005
Autor: 
René Heilig
Quelle: 
Neues Deutschland

Allein in Indonesien sind durch die Flut 106000 Menschen umgekommen. Keine Angaben gibt es über die Anzahl der Verletzten. Der Bedarf an internationaler Hilfe ist immens. Doch die deutsche Hilfsorganisation Cap Anamur kann ihre Möglichkeiten nur bedingt einbringen.

Es sei sehr wichtig, dass Hilfe auch bei den Betroffenen ankommt und nachvollziehbar umgesetzt wird, sagte Außenminister Joschka Fischer(Grüne) gestern nach einem Treffen mit seinem indonesischen Amtskollegen Hassan Wirajuda in Berlin. Das unterstreicht auch Bernd Göken. Der Chef der deutschen Hilfsorganisation Cap Anamur ist soeben aus der indonesischen Katastrophen-Provinz Aceh zurückgekehrt. In der kleinen Stadt Chalang baut die Organisation ein Hilfskrankenhaus auf und versucht die Schule wieder in Betrieb zu nehmen. Die einst 20000 Einwohner zählende Stadt an der Westküste Sumatras hat über 6000 Tote zu beklagen.
Göken beschreibt, wie schwer es ist, Hilfsgüter in die Region zu bringen. Nicht nur weil das indonesische Militär im Rahmen der so genannten Aufstandsbekämpfung seine Gewalt immer stärker ausübt. »Wir müssen unsere Hilfsgüter mühsam mit gecharterten Flugzeugen nach Indonesien bringen. Dann wird alles mit Hubschraubern und Lkw weiter transportiert. Dabei hätten wir ganz andere Möglichkeiten, doch die sind in Italien festgelegt.«

Göken meint das Hilfsschiff seiner Organisation namens »Cap Anamur«. Das liegt noch immer als »Beweismittel und Tatwaffe« im italienischen Porto Empedocle. Nachdem die Besatzung des umgebauten Frachters im Mittelmeer schiffbrüchige Flüchtlinge gerettet hatte, versuchte eine italienische Armada zunächst, das Schiff am Einlaufen in den Hafen von Empedocle zu hindern. Dann wurde es beschlagnahmt. Das war im Juli 2004. »Die italienischen Behörden halten noch immer den nachweislich unsinnigen Vorwurf aufrecht, wir hätten Beihilfe zur illegalen Einreise geleistet.« Göken geht davon aus, dass Rom ein Exempel statuiert. Zugleich empört ihn die Tatenlosigkeit der eigenen Regierung. Nachdem Innenminister Otto Schily(SPD) den Cap-Anamur-Leuten bereits im Sommer in den Rücken gefallen ist, habe Fischers Auswärtiges Amt nun wissen lassen, dass die ohnehin nicht sehr ergiebigen diplomatischen Kanäle ausgeschöpft seien. Das Verkehrsministerium von Manfred Stolpe, zuständig für Schifffahrt, habe nichts Hilfreiches unternommen, um den Fall vor das in Hamburg ansässige internationale Seegericht zu bringen.
»Was wir derzeit mühsam Stück für Stück nach Aceh schaffen - medizinisches Material, Medikamente, Zelte, Decken, Wasserdesinfektionsstabletten, Wassertanks, Pumpen, Generatoren, Koch- und Essgeschirr, Seife, Hygieneartikel, Kinderkleidung und Babynahrung - hätten wir mit dem Schiff viel effektiver anlanden können«, sagt Göken. Zudem verfüge die »Cap Anamur« über ein komplett eingerichtetes Krankenhaus.

Wie wichtig ein solches Schiff derzeit in der Krisenregion ist, zeigt die Bundeswehr. Der Einsatzgruppenversorger »Berlin« ist am Donnerstag vor der Küste Sumatras eingetroffen.