Indonesien: Aufbauhilfe nach Erdbeben in universitärer Partnerschaft

Artikelinfo
Datum: 
08.02.2007
Autor: 
Dr. Werner Strahl

Am 27.6.06 wurde Java im Gebiet der Großstadt Jogyakarta von einem schweren Erdbeben getroffen. Es forderte etwa 6000 Tote, 20 000 Verletzte und zerstörte ca.100 000 Wohnungen.

Angesichts der schlimmen Zerstörung im Erdbebengebiet ging es zunächst um Soforthilfe für die ärmste Bevölkerung. Gemeinsam mit dem Wasserbau-Ingenieur der Universität Karlsruhe Dr. Peter Oberle, kam ich am 30.6. mit dem ersten Flugzeug, das auf dem beschädigten Flugplatz Yogyakarta landen durfte, an. In der Millionenstadt waren nur wenige Gebäude zerstört, so dass ihre Infrastruktur weiter funktionierte. In der südlich gelegenen Region Bantul und einigen weiteren Ortschaften der weiteren Umgebung war die Verwüstung jedoch enorm. Die dünnen Wänden der mit schweren Tonschindel gedeckten Häuser waren zusammengefallen, der Großteil der Bevölkerung obdachlos. Angesichts des großen Elends beeindruckte uns die in den ersten Tagen schon geleistete medizinische Erstversorgung der Verletzten. Gut funktionierende örtliche Krankenhäuser sowie große Hilfsteams mit Feldlazaretten aus den Nachbarstaaten hatten ganze Arbeit geleistet. Sie waren wegen des erwarteten Ausbruchs des Vulkans Merapi teilweise schon vor Ort.

Wir leisteten Soforthilfe, indem wir Nahrungsmittel, Trinkwasser und Regenplanen und Werkzeug vom Lastwagen herab verteilten und uns gleichzeitig erkundeten, wo unsere Aufbauarbeit am besten zu starten wäre. Unterstützt hat uns der einheimischen Ingenieur Soli, der in Karlsruhe promovierte.

Fernab in der Region Wonosari fanden wir das Dorf Glompong, das bisher noch keinerlei Hilfsbesuch erhalten hatte. 4 Tote, die meisten Hütten und Häuser zerstört und die vor drei Jahren mit deutscher Hilfe errichtete sehr schöne Gebietsschule baufällig und abbruchreif.

Innerhalb von 2 Tagen bauten die engagierten Lehrer und Männer des Dorfes auf dem Vorplatz eine Planen-gedeckte Behelfschule auf Bambuskonstruktion, so dass die Schüler am 3.Tag schon Abschlussprüfung ablegen konnten. Erste Freude im großen Elend.

Größere Freude noch, als schon nach wenigen Tagen unser Techniker Malte Fähnders zum Bau der Schule ankam. Er stellte sich der Aufgabe, im Alleingang innerhalb von drei Monaten vor der nächsten Regenzeit fertig zu sein.

Malte zog in das Haus des Dorfältesten, organisierte den gefährlichen Abriss der Ruinen und plante den erdbebensicheren Neubau unter Nutzung vielen alten Materials. Die zusätzlichen Materialien kaufte er auf den lokalen Märkten, begeisterte die lokalen Helfer und leitete sie an. Die so ausgebildeten Mitarbeiter konnten später ihre Erfahrungen beim eigenen Haus und weiteren Schulen anwenden. Karlsruher Bauingenieure gaben wichtige Konstruktionstipps und übernahmen Planung und Bau der angepassten Wasserversorgung sowie der Toiletten samt der ökologischen Abwasserentsorgung.

Der rasche Fortschritt am Bau bei Einsatz von bis zu 70 Helfern wurde von den Behörden bis zur Landesregierung dankbar begleitet. Bei der großen Übergabefeier der Schule am Ende September war das ganze Dorf und viele Würdenträger anwesend. Auch in Karlsruhe fand die Kooperation Universität / Cap Anamur freudige Zustimmung. Regelmäßig besuchen die Mitarbeiter des Wasserbauprojektes die Glompong-Schule.
Sozusagen patenschaftlich.
Mittlerweile konnten durch großzügige Spenden 18 Schulen mit dringend benötigtem Lehr- und Unterrichtsmaterial ausgestattet werden. 5300 Bücher für 2400 Kinder wurden verteilt.