Cap Anamur: Iraker leiden unter Kriegsdrohung

Artikelinfo
Datum: 
17.01.2003
Quelle: 
tagesschau.de

Die Bevölkerung im Irak ist nach Darstellung der Hilfsorganisation Cap Anamur von der jahrelangen Ausnahmesituation und dem Wirtschaftsembargo völlig zermürbt. Der Vorsitzende der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, sagte im Deutschlandfunk, dass der Krieg im Irak nie wirklich aufgehört habe und Amerikaner und Briten noch immer mit Kampfjets über das Land flögen. Es gebe ständig Luftalarm und bei Angriffen auch Tote. Seiner Einschätzung nach seien die Menschen im Irak am Ende ihrer Kräfte angekommen.

Menschen gesundheitlich ausgezehrt

Bierdel betonte, die irakische Bevölkerung sei gesundheitlich ausgezehrt. Zwar existiere ein staatliches Gesundheitssystem, welches auch noch einigermaßen funktioniere. Allerdings verhindere das Embargo die Einfuhr wichtiger Medikamente. So dürften beispielsweise Augentropfen oder Herzmedikamente aus unerfindlichen Gründen nicht ins Land gebracht werden. Es gebe immer mehr Menschen, die sich die eigentlich preiswerte medizinische Versorgung nicht mehr leisten könnten. Auch medizinische Apparate seien teilweise in einem schlechten Zustand.

Angst vor neuem Krieg

Nach Einschätzung Bierdels leiden die Menschen im Irak unter der akuten neuen Kriegsdrohung der USA. Niemand glaube wirklich an die Durchhalteparolen des Staates. Die Menschen seien verzweifelt. Bierdel sagte, vermutlich könnten die meisten Iraker gut damit leben, wenn Staatschef Saddam Hussein abgelöst würde. Allerdings sei die Sorge weit verbreitet vor dem, was eventuell folgen würde. Viele Iraker hätten Angst, dass sich die Lage dann noch einmal verschlechtern könnte.

Flüchtlingsströme erwartet

Briedel warnte vor einem "Horrorszenario" bei einem Krieg gegen den Irak. In diesem Fall würde es wahrscheinlich große Flüchtlingsströme geben. Die flüchtenden Menschen würden jedoch auf geschlossene Grenzen der Nachbarstaaten stoßen, so dass Lager im Irak selbst errichtet werden müssten.