Zwischen Krankheit und Chaos

Artikelinfo
Datum: 
22.04.2003
Quelle: 
WDR www.wdr.de
Die Konvois der internationalen Hilfsorganisationen dürfen endlich die Grenzen zum Irak passieren. Auch in NRW ansässige Organisationen wie Unicef und Cap Anamur sind vor Ort. Aus ihrer Sicht ist die Lage im Irak katastrophal.

Anfang April machte sich die Archäologin Susanne Osthoff zum ersten Mal auf den Weg von Damaskus in den Irak. Mit einem LKW befuhr sie Beduinen-Schleichwege quer durch die Wüste. An Bord des LKW: Medikamente der action medeor aus Tönisvorst bei Krefeld. Bei ihrem zweiten Transport am Gründonnerstag (17.04.03) konnte sie bereits offizielle Routen nutzen, berichtet Folke Hess vom Medikamenten Hilfswerk action medeor. "Erst seit Ostern haben unsere Mitarbeiter die Erlaubnis der US-Truppen bekommen, den Irak zu befahren." Hess hält sporadischen Kontakt zu Susanne Osthoff - per Satelliten-Telefon, und das ist auch nicht immer zuverlässig.

"Immerhin haben wir gehört, dass die Hauptverkehrsstraßen allmählich von Trümmern geräumt und befahrbar werden", sagt Hess im Gespräch mit wdr.de. Währenddessen werden in der Zentrale von action medeor in Tönisvorst am laufenden Band so genannte Health-Kits gepackt. Sie enthalten Antibiotika, Schmerzmittel und Verbandsmaterial. Der dritte Transport soll bereits in den kommenden Tagen Richtung Bagdad gehen. Auch Mittel gegen Ruhr, Typhus und Cholera werden diesmal im Gepäck sein, denn die Hilfsorganisationen fürchten den Ausbruch von Epidemien.

Epidemien und Plünderer

Die ersten Opfer werden wahrscheinlich mangelernährte Kinder sein, fürchtet das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, Unicef. Die örtlichen Mitarbeiter von Unicef hatten schon vor dem Krieg Vorräte in den Irak gebracht. Jetzt kann endlich für Nachschub gesorgt werden. Allerdings sei es noch immer schwierig, ins Land zu kommen, erzählt Angelika Söhne von Unicef Deutschland im Gespräch mit wdr.de. Besonders in Jordanien seien intensive Gespräche mit den Behörden notwendig. "Zum Glück gibt es Ortskräfte, die uns unterstützen und das für uns regeln", sagt Söhne. Im Nordirak entspanne sich die Lage allmählich wieder, so Söhne weiter:"Dort haben bereits die ersten Schulen wieder geöffnet." Dramatisch aber sei die Situation im Südirak. "Dort sind tagsüber 38 Grad und es herrscht akuter Wassermangel - ideale Vorraussetzung für ansteckende Krankheiten."

Am schwierigsten aber sei die Lage in Bagdad. Die Krankenhäuser seien kaum noch in der Lage, Patienten zu behandeln, bestätigen auch andere Hilfsorganisationen. Medikamente seien von Plünderern gestohlen worden, das Stromnetz durch die Luftangriffe fast völlig zusammen gebrochen. "Hinzu kommt, dass viele irakische Ärzte und Krankenschwestern nicht mehr zur Arbeit erscheinen", berichtet Bernd Göken von Cap Anamur: "Zum Teil aus Angst vor Übergriffen durch Plünderer, zum Teil, weil sie kein Gehalt mehr bekommen."

Mobiles Krankenhaus aus Meckenheim

Dieses Problem kann möglicherweise das Deutsche Rote Kreuz (DRK) in den Griff bekommen. In Meckenheim bei Bonn wartet ein mobiles Krankenhaus auf seinen Einsatz im Irak. "In den Zelten können wir 150 Patienten behandeln und komplette Operationen durchführen", sagt Fredrik Barkenhammar vom DRK im Gespräch mit wdr.de:"Wir können es innerhalb von zwei Tagen in den Irak bringen."

Und einen weiteren Lichtblick gibt es: Laut Cap Anamur soll in den kommenden Tagen der Flughafen von Bagdad wieder frei gegeben werden.