Brot und Bomben [AUSZUG]

Artikelinfo
Datum: 
05.05.2003
Autor: 
Georg Restle, Boris Baumholt, Mathias Werth
Quelle: 
Monitor www.wdr.de
Sonia Mikich: "Bis heute etwa 500 Tote in der irakischen Zivilbevölkerung, und 4000 Verletzte. Die Invasionsmächte werden nicht nur als Befreier empfangen, wie von Amerikanern und Briten erhofft.

Um Gunst und Gefügigkeit der irakischen Bevölkerung zu erzwingen, setzt die US-Regierung auf eine typische Zuckerbrot-und-Peitsche-Strategie. Die wohl kalkulierte Verteilung von Hilfsgütern.

Lebensmittel, Trinkwasser und Medikamente - sie werden im Irak-Krieg zum Propaganda-Mittel. Unabhängige Humanitäre Organisationen wehren sich gegen eine 'beispiellose Instrumentalisierung' durch die US-Regierung.

Hintergrund von Georg Restle, Mathias Werth und Boris Baumholt."

So sieht er aus, der Krieg, den die US-Regierung auch aus humanitären Gründen führt, und der seit zwei Wochen täglich neue Opfer fordert. In den Krankenhäusern werden die Medikamente knapp. Und in den zerbombten Städten fehlt es an Trinkwasser. Menschen auf der Flucht vor einem Aggressor, der ihnen nichts als Wohltaten versprochen hat.

George W. Bush, US-Präsident, 28. Januar 2003: "We will bring to the Iraqi people food, and medicines, and supplies. And freedom."

Lebensmittel, Medikamente und Freiheit.

Auch beim täglichen Presse-Briefing im US-Hauptquartier spielt die humanitäre Hilfe mittlerweile eine Hauptrolle, wenn es darum geht, Bilder dieses Krieges der Weltöffentlichkeit zu präsentieren.

Die Grenze zwischen Kuwait und dem Südirak. Täglich passieren hier Militärtransporte die Linie ins Kriegsgebiet. Unabhängige Hilfsorganisationen lässt man hier zur Zeit nicht durch. Aus Sicherheitsgründen, heißt es offiziell.

Heute morgen in Kuwait City, ein Hilfstransporter des Internationalen Roten Kreuzes wird beladen, um Hilfsgüter mit den Truppen in den Irak zu bringen. Das Rote Kreuz genießt als einzige Organisation einen völkerrechtlichen Sonderstatus.

Die LKW der anderen Hilfsorganisationen müssen dagegen warten. Genauso wie diese Lebensmittelpakete. Ein ganz neues System haben sich die Militärs hier ausgedacht: Alle Hilfsorganisationen müssen sich in Kuwait bei den britischen und US-amerikanischen Truppen akkreditieren. Viele sehen darin einen Missbrauch der humanitären Hilfe.

Elias Bierdel, Cap Anamur: "Wir bestreiten einer Kriegspartei in diesem Konflikt rundheraus das Recht, darüber zu befinden, wer wem wie helfen darf. Das Entscheidende für humanitäre Hilfe ist, dass sie aus eigener Erkenntnis und in eigener Verantwortung feststellen kann: Wo sind die Menschen, die die größte Not leiden, im Augenblick? Was brauchen sie? Und wir können uns dabei nicht darauf verlassen, dass uns irgendwelche Militärs zuweisen, in welche Zonen wir gehen dürfen, oder mit wem wir sprechen dürfen."

Aus Deutschland machen sich zur Zeit fast täglich Hilfstransporte in Richtung Mittlerer Osten auf. Hierzulande wächst die Kritik. Viele Hilfsorganisationen befürchten, dass sie im Irak nur noch als verlängerter Arm der US-Truppen wahrgenommen werden.
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Sonia Mikich: "Damit kein falscher Eindruck entsteht: die Hilfsorganisationen sind auf unsere Spenden angewiesen, weil die Menschen ja nicht bestraft werden dürfen. Weil die Verhältnisse im Irak so entsetzlich sind."