Krieg ist vorbei, Chaos aber bleibt

Artikelinfo
Datum: 
11.06.2003
Autor: 
Annette Zapke
Quelle: 
Monheimer Wochenanzeiger
Monheim. Der Irakkrieg ist seit einigen Wochen vorbei und das öffentliche Interesse allmählich abgeklungen. Nicht aber bei den Schülern des Otto-Hahn-Gymnasiums (OHG), die nach ihrer erfolgreichen Demonstration und Spendenaktion dem Komitee Cap Anamur in diesen Tagen einen Scheck von 2100 Euro übergeben konnten.


Die Idee für diese Spendensammlung entsprang aus der Mitte der Jahrgangsstufe 12 und begeisterte die anderen Schüler im Nu. Besonders die Klasse 5e zeigte großes Engagement. Mit dem Slogan "1 Los 50 Cent, 5 Lose 2 Euro, jedes Los kann Leben retten!" veranstaltete die Klasse auf dem Monheimer Wochenmarkt eine Verlosung zu Gunsten der Hilfsbedürftigen im Irak. So konnte die Klasse allein 375 Euro spenden.

Elias Bierdel, der Vorsitzende von Cap Anamur ist und in diesen Tagen aus dem Irak zurückkehrte, nahm den Scheck der Schüler mit großer Dankbarkeit entgegen. "Es ist besonders erfreulich, dass sich Kinder und Jugendliche für die Begriffe Krieg und Frieden einsetzen", so Bierdel. Gleichzeitig informierte er die erfolgreichen Spender aus erster Hand über die momentanen Zustände im Irak.

Chaos. Armut, Angst und Schrecken dominieren auch jetzt noch den Alltag in Bagdad. aber auch im übrigen Land. Die Menschen sind verunsichert, trauen den Besatzungsmächten nicht und plündern. Jeden Tag wird noch geschossen und es gibt täglich Tote.

Gerade in dieser Zeit ist es wichtig, ein Zeichen zu setzen und zu helfen. Genau dies versucht Cap Anamur im Irak seit 1995, auch wenn es dem Komitee nicht leicht gemacht wird. Damalige unmenschliche Bestimmungen des Embargos, aber auch die momentanen Besatzungsmächte erschweren die Arbeit und verbessern die wirtschaftliche Lage keineswegs.

Eines der reichsten Länder


Obwohl der Irak eines der reichsten Länder der Welt ist und sogar eine deutsche 6-spurige Autobahn mitten durch die Wüste präsentieren kann, leidet die Bevölkerung. Während vor dem Krieg ein irakischer Dinar noch 3 Dollar wert war, bekommt man heule für 10000 Dinare gerade mal einen Dollar.

Die Crew von Cap Anamur befindet sich seit dem Osterwochenende in Bagdad. Vorher schlug sie ihre Lager an der Grenze zu Jordanien auf, in der Hoffnung, den Flüchtlingen helfen zu können. Erstaunlicherweise flüchtete niemand, da die Menschen sich in ihren Häusern sicher fühlten. So machte sich Cap Anamur mit samt seiner mobilen medizinischen Einrichtungen und sieben Tonnen Material auf den Weg nach Bagdad, wenn auch illegal, da man den einschränkenden Bestimmungen der Siegermächte entgehen wollte.

"Wir zogen durch die Stadt, die von riesigen Rauchsäulen umgeben war, und stießen auf das Kinderkrankenhaus 'Ibn-al-Balady', in dem totales Chaos herrschte", schildert Bierdel. Die Ärzte waren teilweise weggelaufen und im Obergeschoss lagen Menschen im Sterben. "Wir konnten gar nicht anders, als zu bleiben und zu helfen, jedoch erkannten wir schnell, dass sieben Tonnen Material viel zu wenig waren."

Jetzt ist die Situation in dem Kinderkrankenhaus etwas besser geworden. Cap Anamur liefert die notwendigen Medikamente und Apparate und bringt deutsche Ärzte ins Land, die sich für ein Gehalt von rund 1100 Euro im Krisengebiet engagieren. Außerhalb Bagdads versorgt Cap Anamur Kinder und Erwachsene, die in Slums leben und Opfer der tückischen Streubomben geworden sind und schlimme Brand Verletzungen davon trugen.

Situation nicht verbessert


Auch wenn das diktatorische Regime Husseins zerschlagen wurde, hat dies die Situation der Menschen nicht verbessert. Hilfe wird benötigt, aber die Besatzer sehen dies nur schwer ein. "In der letzten Woche drohte ein amerikanischer Offizier mit der Schließung unseres Lagers, da wir eine Registrierung ablehnten, da wir meinen, es sei unfair zu entscheiden, wer wem hilft!", erläutert Bierdel. Der Anspruch Macht zu haben ist groß, aber allein schaffen es die Mächte nicht. "Deshalb machen wir mit unserer Arbeit weiter!"