Kieler Ärztin hilft Kindern in Bagdad

Artikelinfo
Datum: 
20.06.2003
Autor: 
Martin Geist
Quelle: 
Kieler Nachrichten
Bereitet sich auf Bagdad vor: Helke Florkowski. Foto magKiel (KN) - "Wenn man die Not dort sieht, fragt man sich fast automatisch, ob man nicht irgendwie helfen kann." So begründet Dr. Helke Florkowski, weshalb sie vom kommenden Sonntag an für vier Wochen ihren Arbeitsplatz in der Städtischen Kinderklinik mit dem Dienst in einer Ambulanz in Bagdad vertauscht. Für das Komitee Cap Anamur wird die 29-Jährige in der irakischen Hauptstadt vor allem dafür zuständig sein, den Kindern zu helfen. Für die Arbeit in einem Entwicklungsland hat sich Helke Florkowski schon lange interessiert. Dass es nun gleich beim ersten Versuch ein ausgewachsenes Krisengebiet geworden ist, hat nach Angaben der Ärztin viel mit Zufall zu tun. Cap Anamur war eben einfach auf der Suche nach Personal, und angesichts der dramatischen Medienberichte aus Bagdad mochte die Kieler Medizinerin nicht Nein sagen.

Ganz unvorbereitet lässt sich Helke Florkowski auf dieses Abenteuer nicht ein. Mit ihrem Vorgänger in Bagdad, dem Lübecker Oberarzt Thorsten Wygold, hat sie sich ausführlich über die zu erwartenden Aufgaben und auch die Sicherheitslage ausgetauscht. Ihr Fazit: Mit regelrechten Bedrohungsszenarien ist wohl kaum zu rechnen, wohl aber mit einem gewissen Risiko, das sie jedoch nicht in den Vordergrund stellen will.

Wichtig ist in Bagdad vor allem, den zahlreichen Kindern zu helfen, die an den Folgen von Unterernährung leiden, sich oft in einem schlechten Allgemeinzustand befinden und meist nur unzureichend geimpft sind. Einheimischen Ärzten sollen Florkowski und andere Kollegen aus dem Westen moderne Behandlungsmethoden beibringen, Präventionsarbeit in Form von Impfungen oder Ernährungsprogrammen ist ein weiterer Schwerpunkt. Unter diesem Aspekt hat die Kielerin von Torsten Wygold Ermutigendes gehört, denn bei den irakischen Ärzten gibt es offenbar eine "tolle Bereitschaft" zur Kooperation.

Was auf die Belegschaft des Städtischen Krankenhauses ebenfalls zutrifft, denn Helke Florkowski kann die vier Wochen unbezahlten Sonderurlaub nur nehmen, weil die Kollegen ihre Abwesenheit ausgleichen.

Siehe auch Kieler Nachrichten vom 30.07.2003