Kieler Medizinerin half vier Wochen lang in verschiedenen Ambulanzen der irakischen Hauptstadt

Artikelinfo
Datum: 
30.07.2003
Autor: 
Martin Geist
Quelle: 
Kieler Nachrichten

Für vier Wochen hat Dr. Helke Florkowski ihren Arbeitsplatz in der Kinderklinik des Städtischen Krankenhauses mit dem Dienst in ambulanten Krankenstationen der irakischen Hauptstadt Bagdad vertauscht. "Es war alles total anders, als ich gedacht hatte", sagt die Medizinerin jetzt, da sie wieder zurück ist. Und sie versteht diesen Satz in erster Linie als Kompliment an die Kollegen und Patienten, mit denen sie in dieser Zeit zu tun hatte. Von einer völlig danieder liegenden medizinischen Versorgung in Bagdad kann nach Einschätzung von Helke Florkowski keine Rede sein. Im Gegenteil: "Das Gesundheitssystem ist auf einem sehr guten Stand." Die beiden Ambulanzen, in denen die 29-Jährige im Auftrag des Komitees Cap Anamur arbeitete, waren vom kleinen Labor über einen Operationsraum bis zu Apotheken und Betten für Patienten, die Infusionen benötigten, sehr gut ausgestattet. "Es war ein sehr schönes Arbeiten", sagt die Kieler Ärztin deshalb, verschweigt aber andererseits nicht die belastenden Seiten dieser medizinischen Mission. Tag für Tag suchten im Schnitt 370 Kranke Hilfe in der Ambulanz, verglichen mit den Zuständen in der Heimat-Klinik entspricht das dem Geschehen im sprichwörtlichen Taubenschlag. Zudem musste Florkowski in anderen Krankenhäusern sehen, dass die Geräteausstattung in der Intensiv- und Neugeborenenmedizin dem modernen westlichen Standard hoffnungslos hinterherhinkt. Das sei eindeutig eine Folge des jahrelangen Embargos, das den Irak von technischen Neuerungen auch auf dem Gebiet der Medizin ausschloss, sagt Helke Florkowski.

Persönlich fühlte sie sich derweil trotz anstrengender Arbeit bei teilweise über 50 Grad Hitze selten unwohl. Auch das Wissen um die fast allgegenwärtige Bedrohung durch Heckenschützen und Attentäter führte nicht dazu, dass sich die Norddeutsche nur mit ängstlich geducktem Kopf fortbewegte. "Ich bin nie allein weggegangen und nie nach 19 Uhr", beschreibt sie ihren Umgang mit dem Thema. Und die direkte Nähe zu amerikanischen Soldaten hat sie ebenfalls vermieden, um nicht selber zur potenziellen Zielscheibe zu werden. Dennoch, Angst sei keineswegs ihre ständige Begleiterin gewesen, betont die Ärztin.

Als prägender und bereichernder empfindet Helke Florkowski für sich die kleinen Freundschaften, die sich trotz der kurzen Zeit irakischen Kollegen gegenüber aufbauten und die Menschlichkeit und Freundlichkeit, die viele Patienten ausstrahlten. "Da wurde einem richtig warm ums Herz", sagt die Kielerin, die sich für die Zukunft vor allem zwei Dinge wünscht: Regelmäßige internationale Austauschprogramme zur Fortbildung irakischer Ärzte - und für sich persönlich einen weiteren derartigen Auslandeinsatz.

Siehe auch Kieler Nachrichten vom 20.06.2003