Irak: Powell fordert Hilfsorganisationen zum Bleiben auf

Artikelinfo
Datum: 
28.10.2003
Quelle: 
ZDF.de

Vor dem Hintergrund der blutigen Anschläge in Bagdad hat sich US-Außenminister Colin Powell tief besorgt über die Lage im Irak geäußert. "Es waren schlechte 24 Stunden", sagte Powell am Montagabend in Washington. Zugleich äußerte er die Befürchtung, dass sich die Hilfsorganisationen auf Grund der Gefährdung ihrer Mitarbeiter aus dem Irak zurückziehen könnten.

Zuvor waren bei einer Serie von fünf Selbstmordanschlägen in Bagdad 34 Menschen getötet und mehr als 230 verletzt worden. Hauptziel der Attentäter war die Zentrale des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK). Bei weiteren Zwischenfällen starben fünf irakische Zivilisten und drei US-Soldaten. Wer hinter den Anschlägen steht, war zunächst unklar.

Cap Anamur: Alarmsignal für Hilfsorganisationen 

Die Hilfsorganisation Cap Anamur befürchtet, dass sie sich aus Sicherheitsgründen aus dem Irak zurückziehen muss. "Dieser Anschlag auf das Rote Kreuz ist für uns ein Alarmsignal. Wir fühlen uns bis jetzt noch nicht als direkte Zeilscheibe, weil wir eine sehr kleine Organisation und sehr unauffällig sind", sagte Georg Rossmaier, der seit Mai als Ingenieur für Cap Anamur in Bagdad ist, am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Cap Anamur werde die Lage weiter beobachten und dann "zusammen mit den anderen Organisationen entscheiden, wann wir das Land verlassen müssen", sagte Rossmeier.

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Bush: An Kurs festhalten

International wurde das Blutbad auf das Schärfste verurteilt. US- Präsident George W. Bush erklärte, die Angriffe zeigten, dass es den "kaltblütigen Mördern" nur darum gehe zu töten, gleichgültig wen. Die USA würden sich von den Anschlägen im Irak nicht von ihrem Kurs abbringen lassen. "Je erfolgreicher wir sind (...), desto verzweifelter werden diese Kriminellen", sagte Bush in Washington.  
 
UNO-Generalsekretär Kofi Annan betonte, nichts könne derartige terroristische Verbrechen rechtfertigen. Annan verurteilte insbesondere den Anschlag auf die Zentrale des IKRK. Auch die Bundesrepublik und ihre europäischen Partner verurteilten die Anschläge scharf.    
 
Vor dem IKRK-Sitz war am Morgen ein mit Sprengstoff beladener Krankenwagen explodiert. Dabei starben zehn Iraker, darunter zwei IKRK-Mitarbeiter. Nach Angaben der irakischen Sicherheitsbehörden explodierten weitere Autobomben kurz zuvor und wenig später vor vier Polizeistationen in Bagdad. Bei einem dieser Anschläge seien auch zahlreiche Schulkinder verletzt worden. 



Ausländische Terroristen beteiligt?


US-Militärsprecher General Mark Hertling sagte in Bagdad, die Attentäter hätten sich bei der Planung über den Zeitpunkt der Anschläge abgesprochen. "Davon abgesehen, war ihr Vorgehen aber eher amateurhaft." Gleichzeitig verdichteten sich die Hinweise, dass ausländische Terroristen an den Attacken beteiligt waren. Hertling sagte, es sei ein Syrer festgenommen worden, der versucht habe, vor einer weiteren Polizeistationen einen Sprengsatz zu zünden.

US-Außenminister Powell sagte in Washington, die USA hofften, dass die unabhängigen Organisationen, die UNO und ausländische Unternehmen ihre Sicherheitssituation überprüften und zu der Auffassung gelangten, dass sie im Irak bleiben können. Die Organisationen würden gebraucht. Wenn sie ihre Mitarbeiter aus dem Irak abziehen würden, dann wäre dies ein Sieg für die Terroristen.

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