Cap Anamur-Chef Bierdel zu Irak-Hilfe: USA machen jämmerliche Figur

Artikelinfo
Datum: 
30.11.2003
Quelle: 
dpa

Köln (dpa/lnw) - Die Hilfsorganisation Cap Anamur will trotz aller Gefahren weiter im Irak arbeiten. "Irak ist in diesem Jahr das alles beherrschende Thema. Es ist ein ungeheuer arbeitsintensiver Einsatz und wir sind noch lange nicht zufrieden mit dem Erzielten", sagte Elias Bierdel, der vor genau einem Jahr den Vorsitz von Cap Anamur-Gründer Rupert Neudeck übernommen hatte, in einem dpa-Gespräch in Köln. Ein Hindernis für die Arbeit im Irak sei die Besatzungsmacht USA, die "ein jämmerliches Bild" abgebe.

"Unser Ziel ist es, die Lebensverhältnisse zu verbessern, aber seit die Besatzungsmacht vor Ort ist, haben wir ein Problem." Bierdel kritisierte: "Der Bevölkerung wird das Blaue vom Himmel herunter versprochen, es werden Aufträge vergeben, aber es passiert  nichts." Für Cap Anamur sei es schwierig zu entscheiden, wo sich das Komitee noch neu engagieren solle.

Cap Anamur ist bereits seit Ostern 2003 in Bagdad und hat medizinisch geholfen und Schulen aufgebaut. "Wir fangen mit der Medizin an, hören dort aber keineswegs auf", erklärte Bierdel die Arbeitsweise der Organisation.

Auch in Afghanistan habe das Komitee ein sehr aufwendiges Projekt auf die Beine gestellt. "Wir haben bis dato 32 Schulen fertig gestellt und bauen weitere auf. Wir haben ein Krankenhaus und Gesundheitszentren errichtet, Straßen und Brücken." Auch die Projekte in sechs afrikanischen Ländern wie Kenia und Angola liegen Bierdel am Herzen. "In Uganda spielt sich im Norden eine Flüchtlingskatastrophe ab, ohne dass die Öffentlichkeit davon Notiz nimmt."

Eine neue Arbeitsweise der Organisation zeichnet sich in Haiti als dem Armenhaus Lateinamerikas ab, wo erstmals ein ökologische Vorhaben geplant ist. "Wir wollen dort Aufforstung machen und zugleich Solarkocher verteilen." Damit solle das Abholzen verhindert werden, das auch dem Klimaschutz schade. "Wir wollen weg vom reinen Notfall-Einsatz und zu einem präventiven Ansatz kommen", sagt Bierdel.

Cap Anamur war 1979 als Hilfe für vietnamesische Flüchtlinge im südchinesischen Meer gegründet worden und hat inzwischen mehr als 400 Mitarbeiter weltweit. Zum 25-jährigen Bestehen 2004 werde es keine große Jubiläumsfeier geben, sagte Biedel. Geplant seien ein Fotoband und ein Buch, in dem Mitarbeiter ihre Erlebnisse schildern. Und: "Cap Anamur segelt auch im nächsten Jahr weiter auf der Rückseite der Welt entlang."