Kinderärzte für Baghdad

Artikelinfo
Datum: 
20.05.2003
Autor: 
Nani van der Ploeg
Wir danken Frau Dr. Gabriele Olbrisch von der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und Jugendmedizin e.V. in Berlin für ihren Aufruf, dass wir Kinderärzte für Bagdad suchen, und zwar für das dortige Kinderkrankenhaus "Ibn Al Balady" mit 320 Betten in Al Thaura City - einem Armenviertel Bagdads.

Es haben sich daraufhin ganz spontan eine Reihe von Ärztinnen und Ärzten angeboten uns zu helfen. Letzten Sonntag war es so weit. Der erste Kinderarzt, der Lübecker Thorsten Wygold, ist am Sonntag mit der Krankenschwester Regina Urmetz über Amman nach Bagdad geflogen.

Wie ungeheuer wichtig diese ärztliche Hilfe vor Ort ist, schildert uns der Chirurg Hajo Witzel aus Darmstadt, der in diesem Projekt für Cap Anamur bereits von Anfang an arbeitet.

"In der großen Eingangshalle des Krankenhauses hatte ich mehr aus Zufall einen fast einzigartigen Auftritt. Als ich vor Tagen in dieser Halle stand, in der bewaffnete Männer unter vielen anderen Menschen umherlaufen, sah ich in einer Ecke ein verbogenes Eisenbett stehen. Hier lag auf einer zerrissenen, verschmutzten Schaumstoffauflage ein etwa 12jähriger Junge, der schreiend beide Hände in die Luft streckte. Die Umherstehenden versuchten ihn zu bändigen ... an der rechten Hand waren die Finger eins bis vier, an der linken Hand die Hohlhand durch Munition schwer verletzt.

In diesem Krankenhaus, in dem man eigentlich alles zur Verfügung hat, ist man nicht in der Lage, diesen Jungen in einem Operationssaal zu versorgen. Auf dem Bett neben dem Jungen sitzend habe ich ohne Licht und sterile Abdeckung auf meinen Knien die Hände so gut ich konnte versorgt. Nach vier Stunden war ich fertig. Marco, unser Krankenpfleger, hatte mir für den Eingriff das Nötigste aus unserem Lager geholt. Bis auf die Endglieder der Finger zwei bis vier an der rechten Hand konnte ich beide Hände erhalten. Es wird gut werden.

Es standen mindestens 30 Personen um mich herum. So viele Zuschauer hatte ich noch nie bei einer Operation - und das meine ich nicht positiv.

Und das noch ganz nebenbei. Die neue Ambulanz hat fünf große Räume und einen riesigen Innenflur. Ich freue mich auf die Arbeit hier, um den Menschen helfen zu können."

Wir werden weiter aus Bagdad berichten.

Cap Anamur Office / Nani van der Ploeg