Irak: Hilfe geht weiter - mit Hindernissen

Artikelinfo
Datum: 
13.04.2004
Autor: 
Office Cap Anamur
Kinder vor Hilfsfahrzeug - Vor unseren Kliniken in Al Hamidija und Sebbe q'Sour stehen die Patienten weiter Schlange: Für die mittellose Bevölkerung in den Elendsquartieren jenseits der Hauptstadt Baghdad sind die Gesundheitszentren von Cap Anamur weit und breit die einzigen medizinischen Einrichtungen, in denen sie Hilfe finden können. Zwischen 250 und 300 Menschen werden hier täglich untersucht, am vergangenen Wochenende waren es sogar fast 400.

Doch die Arbeit ist für uns seit Monaten nur noch eingeschränkt möglich. Nach den grossen Bombenanschlägen auf UNO und Rotes Kreuz in Baghdad, die unsere Mitarbeiter beide nur mit grossem Glück unverletzt überstanden (sie waren in ihrem Auto jeweils nur wenige hundert Meter entfernt), haben wir seit dem Jahreswechsel kein deutsches Team mehr im Irak. Besonders seit sich der Widerstand gegen die Besatzungsmächte zunehmend auch gegen Zivilisten richtet, können wir das Risiko für ausländische Ärzte, Pfleger oder Techniker im Irak nicht mehr vertreten. Die Projekte müssen deshalb durch lokale und regionale Mitarbeiter fortgeführt werden.

Der jordanische Geologe Atef Zeidan, der von Amman aus unsere Arbeit im Nachbarland koordiniert, konnte Baghdad nach einem Projektbesuch vor wenigen Tagen auch nur auf abenteuerlichen Umwegen verlassen. "Die Autobahn war an vielen Stellen blockiert. Hier hatten Aufständische regelrechte Kontrollposten errichtet", berichtet er, "offenbar wurde auch ganz gezielt nach Ausländern gesucht. Die Stimmung war ausgesprochen aggressiv. Wir haben uns über Wüstenpisten durchgeschlagen."

Das Versagen der Besatzungsarmeen im Irak wird nun auf allen Ebenen deutlich: Weder haben sie es geschafft, die Lebensbedingungen für die Masse der Bevölkerung entscheidend zu verbessern, noch konnten sie für die kriegsmüden und geschundenen Menschen des Irak so etwas wie Sicherheit gewährleisten. Ganz zu schweigen vom "Kampf um die Herzen", der sowieso von vornherein verloren war. Und ob es den Feldherren in Washington und London tatsächlich um Demokratie und Menschenrechte ging und nicht nur um Macht und Öl, dazu haben sich die Iraker längst ihre Meinung gemacht. Sie fühlen sich mehrheitlich nach all den Jahren der schrecklichen Diktatur erneut ausgebeutet und unterdrückt: Nun allerdings von fremden Soldaten, die in ihr Land eingefallen sind. 

Für die Menschen in Sebbe q'Sour wollen wir trotz der schwierigen Bedingungen - oder: gerade deshalb - ein klares Signal setzen: Die Bauarbeiten an einem kompletten Klinik-Neubau werden fortgesetzt, wenn es die Umstände erlauben, wollen wir Anfang Juni mit der Bevölkerung die Einweihung feiern.