Medizinische Hilfe in Kolumbiens Urwald

Artikelinfo
Datum: 
23.11.2010
Autor: 
Office Cap Anamur

Seit Beginn dieses Jahres ist Cap Anamur in Kolumbien tätig, in der nordwestlich gelegenen Provinz Chocó. Diese Region ist die ärmste im ganzen Land. Für die hier in völliger Abgeschiedenheit lebenden Afrokolumbianer und indianischen Völker schaffen wir einen Zugang zu medizinischer Versorgung.

Insgesamt haben wir sechs Gesundheitsposten renoviert und mit medizinischem Gerät und Medikamenten ausgestattet. Die Posten liegen mit einem Abstand von 50 bis 100 Kilometern rund um Nóvita und Condoto verteilt und bilden ein gutes Versorgungsnetz für die Menschen der noch sehr traditionell strukturierten Dörfer. Damit schließen wir eine große Lücke, denn das nächstgelegene Krankenhaus ist für sie selbst bei bester Gesundheit schwer zu erreichen. Die Strecke ist zu lang und unwegsam, es gibt keine Straßen im gesamten Gebiet, so dass die Fortbewegung nur zu Fuß oder mit dem Boot möglich ist. Aufgrund der bewaffneten Widerstandsarmee ist die Sicherheitslage schlecht. Das erschwert den Menschen zusätzlich, im Notfall an medizinische Hilfe zu kommen.

Als Basisstation für unsere Arbeit dient uns das Hospital in Nóvita. Hier mussten wir Vieles renovieren und es mit der dringend benötigten Technik und Arzneimitteln ausstatten. Bei unserer Ankunft stand das Krankenhaus zu etwa 70 Prozent unter Wasser. Das Dach war undicht und musste repariert werden, ebenso die Sanitäranlagen. Auch die komplette Kinderstation wurde saniert. Unser Logister William Miller hat die baulichen Maßnahmen organisiert und sich um die Ausstattung gekümmert. Krankenpfleger Johannes Grellmann versorgt von hier aus die angeschlossenen Gesundheitsposten. Die meisten von ihnen sind allerdings nur zu Fuß, dem Esel oder Boot erreichbar.

Im Krankenhaus von Condoto arbeitet die Chirurgin Carla Böhme. Sie war zuvor schon für Cap Anamur im Kongo und sich dort um die chirurgische Abteilung unseres Krankenhauses in Kamituga gekümmert und das lokale Personal ausgebildet. Nun schult sie die Fachkräfte im Chocó. Gerade die jungen Ärzte, die gleich nach ihrem Studienabschluss in die unterversorgen Gebiete wollen, brauchen ihre Anleitung und Unterstützung. Zudem führt Carla Böhme einmal in der Woche Schulungen in Nóvita durch und hält dort Sprechstunde.

In der kurzen Zeit seit Projektbeginn hat das Team bereits viel auf die Beine gestellt: Die meisten Renovierungsarbeiten sind abgeschlossen und das medizinische Personal hat seine Arbeitsabläufe so strukturiert, dass es die Gesundheitsposten gut versorgen kann. Im Oktober hat Dr. Edith Fischnaller auf ihrer Kolumbienreise die Projektübergabe an das Gesundheitsministerium organisiert. ?Wir sind optimistisch, das Projekt in Kürze abschließen zu können. Bis dahin müssen wir allerdings noch einige dringende Anschaffungen erledigen, wie ein gebrauchtes Ambulanzfahrzeug, eine Sterilisationseinheit, ein Röntgengerät und anderes grundlegendes Material, um die häufigsten Krankheiten dieser Gegend diagnostizieren und therapieren zu können?, sagt die Vorstandsvorsitzende von Cap Anamur.

Hintergrund zur Provinz Chocó

In der Region am nördlichen Teil der Pazifikküste führen die Afrokolumbianer und indianischen Völker ein noch sehr ursprüngliches Leben. Seit 1996 kommt es hier immer wieder zu heftigen Ausschreitungen, weil die Paramilitärs und die Guerilla um die Kontrolle über das Gebiet kämpfen und damit um die Rohstoffe des Landes. Es geht unter anderem um Holz, Gold und Erdöl. Die Folgen muss die in Armut lebende Zivilbevölkerung erleiden: Ausbeutung und Vertreibung.