Projektbesuch im Kongo

Artikelinfo
Datum: 
03.06.2010
Autor: 
Dr. Werner Höfner

Die politische und militärische Lage im Ostkongo ist derzeit relativ stabil. Die zweite Offensive der Regierungsarmee gegen die Hutu-Milizen (FLDR) scheint gerade eine Pause einzulegen. Angeblich haben in Goma, der Hauptstadt Nord-Kivus, rund 400 Hutu-Kämpfer freiwillig ihre Waffen abgegeben und sich in die Heimat zurück führen lassen. Auch deshalb hat sich wohl die Flüchtlingssituation entspannt - es bleibt zu hoffen, dass sich damit auch die Zahl der Gewalttaten und Racheaktionen der Hutu reduzieren. Die Zivilbevölkerung leidet aber auch unter der unberechenbaren kongolesischen Regierungsarmee, in die unter Druck und mit erheblicher Finanzhilfe der internationalen Gemeinschaft andere Gruppierungen integriert werden, so zum Beispiel ehemalige Nkunda-Kämpfer oder Maj-Maj-Milizen.

Unser Krankenhaus in Kamituga

Mittlerweile ist unser Krankenhaus in der Bevölkerung weit über Kamituga hinaus bekannt und findet großen Zuspruch. Das liegt unter anderem daran, dass Cap Anamur mit Ausnahme der Malteser als einzige Nichtregierungsorganisation außerhalb eines Radius von 30 km um Bukavu mit einem stationären Team arbeitet. Die Menschen wissen, dass ihnen hier geholfen wird.

Außerdem gibt es für die Geburtstation, die Chirurgie und Kinderabteilung feste Tarife, die sich die meisten leisten können. Für die anderen haben wir einen Sozialfonds eingerichtet. Und so kommt es, dass das Haus mit 200 bis 250 Patienten übervoll ist. Auf der Pädiatrie sind viele Betten mit zwei Kindern plus Mütter belegt. Das liegt nicht zuletzt an dem langjährigen Stationsarzt dort und dem außergewöhnlich motivierten und erfahrenen Stationspfleger.

Eine echte Bereicherung für unser Team ist die neue Frauenärztin, denn unter den rund 300 Geburten im Monat sind immer wieder besonders komplizierte Fälle. Mit ihrer Hilfe können nicht nur schwere Fälle operiert werden. Sie lernt auch den einheimischen Arzt an. Weitere Betten sind allerdings dringend erforderlich.
 
Die Bauarbeiten an den Gebäude schreiten stetig voran, aber es liegt noch viel Arbeit vor dem Team. Sehr sinnvoll ist der Ausbau eines großen Gebäudes in Eingangsnähe als Poliklinik, die wie eine Aufnahmestation mit 24-Stunden-Bereitschaft geführt werden soll, neben der geplanten Intensivmedizin ist vor allem auch eine Triage sinnvoll, da sich derzeit vor allem nachts viele Patienten direkt auf den Stationen selbst einweisen.

Während das staatliche Tuberkulose-Programm wenigstens einigermaßen funktioniert, gibt es für Aids-Kranke seit Wochen keine Medikamente mehr. Wir haben in Bukavu nachdrücklich auf diesen Skandal hingewiesen, denn dort ist die Verteilerstelle für die entsprechenden Medikamente. Eigentlich werden diese nationalen Programme von außen subventioniert und gefördert. Umso ärgerlicher ist der Mangel an Arzneimitteln. Vorübergehen kann Cap Anamur diese Lücke schließen, aber eine dauerhafte Lösung ist das nicht.

Wir suchen...

... Ärzte für unser Krankenhaus in Kamituga. Hilfreich wären zumindest rudimentären Französischkenntnisse. Bei Interesse melden Sie sich bitte per Telefon (0221 - 91 38 150) oder per E-Mail (bewerbung@cap-anamur.org) bei uns.