Abschied nehmen im Kongo

Artikelinfo
Datum: 
26.03.2014
Autor: 
Office Cap Anamur

Neben dem Krankenhaus im ugandischen Ococia konnten wir zum Jahreswechsel ein weiteres Projekt erfolgreich abschließen: Das Krankenhaus im Kongo. Es liegt inmitten des Süd-Kivu, im Osten des Kongos, der seit Jahren Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen ist. Insbesondere die Menschen der stark betroffenen Region an der Grenze zu Ruanda brauchten dringend medizinische Unterstützung. Im Sommer 2008 haben wir deswegen die Betreuung des 250-Betten-Krankenhauses in Kamituga übernommen, das baulich in einem sehr schlechten Zustand war und nicht annähernd ausreichend Platz bot für die hohe Anzahl an Patienten. Zudem gab es kein tragfähiges Konzept um die Kosten der Einrichtung zu decken. Deswegen war unser erster Schritt, gemeinsam mit den einheimischen Kollegen die Strukturen für alle Bereiche des Krankenhauses zu überarbeiten.

Farewell to Congo

In addition to the hospital in the administrative area of Ococia (Uganda) we managed to successfully finish another project at the eve of the New Year: A hospital in the Democratic Republic of the Congo. It is located in the middle of South-Kivu, in the eastern part of the Congo, in an area that has experienced fights and clashes for years. Urgent medical support was necessary, especially to those living in the most affected areas close to the border with Rwanda. Therefore, in the summer of 2008 we took over the care of a 250 bed hospital in the Kamituga area, at that time in a poor structural state and with not nearly enough space to accommodate the high demand and number of patients. Additionally, no sustainable concept of covering costs of the institution was in place. Therefore our first task together with our local colleagues was to remodel the structure of all lines of work at the hospital.

Towards the financial independency

The majority of the changes were related to the administration of the hospital. Our biggest challenge therefore was to foster the financial independency of the establishment. The state has commonly no means to pay the salaries to the hospital staff. There is no health insurance, and most of the people are poor, meaning the costs have to be adequate. Within some years before our involvement, the hospital had gradually raised the prices to overcome the financial decline. As a result even less people could afford to receive any medical treatment. And the less patients arrived, the higher the costs became. Many people were left without any care at all.

Our team educated the local colleagues about the management of the hospital. Even though some persuasion was needed, after several months of work a new concept was created: the costs have been lowered to an affordable level, hence the amount of patient co-payments raised so considerably that the operating expenses of the establishment could be covered (the number of surgeries raise from 3 to 60-100 a month). The freshly opened delivery room is very well arranged, and the premises for expectant mothers are occupied at a sufficient capacity. On this basis the hospital can operate long-term also without our support.

In die finanzielle Unabhängigkeit

So betraf ein Großteil der Veränderungen den Bereich der Krankenhausverwaltung. Unsere größte Herausforderung bestand darin, die Einrichtung in die finanzielle Unabhängigkeit zu führen. Der Staat kann in der Regel nicht die Gehälter für das Krankenhauspersonal bezahlen. Es gibt keine Krankenversicherung und die meisten Menschen sind arm, deswegen müssen die Kosten angemessen sein. In den Jahren vor unserem Eintreffen hat das Krankenhaus die Preise schrittweise erhöht, um einen Ausweg aus seiner wirtschaftlichen Krise zu finden. Immer weniger Menschen konnten sich deswegen die medizinische Behandlung überhaupt noch leisten. Und je weniger Patienten kamen, desto mehr wurden die Kosten angehoben. Viele Menschen blieben unversorgt.

Unser Team schulte die Mitarbeiter im Krankenhausmanagement. Es brauchte einiges an Überzeugungsarbeit, doch nach einigen Monaten konnte ein neues Konzept umgesetzt werden: Die Kosten wurden auf ein bezahlbares Niveau gesenkt, dadurch stiegen die Patientenzahlen so deutlich an, dass die laufenden Kosten der Einrichtung gedeckt werden konnten: Die Zahl der Operationen stieg von 3 auf 60 bis 100 pro Monat. Der neu eingerichtete Kreissaal ist gut organisiert und der Raum für die auf die Geburt wartenden Schwangeren von außerhalb ist immer gut belegt. Auf dieser Basis kann das Krankenhaus auch langfristig ohne unsere Unterstützung funktionieren.

Medizinisches Know-how

Der Fokus unserer medizinischen Arbeit lag auf der Schulung und Fortbildung des Fachpersonals: Das Cap-Anamur-Team, zu dem Chirurgen, Pädiater, Gynäkologen, Pflegekräfte und Hebammen gehörten, schulten die einheimischen Kollegen in effektiveren Behandlungsmethoden. Die Hebamme Sabine Ndukwu hat die Entwicklung des Krankenhauses über zwei Jahre begleitet und auch die Projektübergabe in die Hände der lokalen Mitarbeiter betreut: „Es ist natürlich immer etwas traurig, wenn ein Projekt zu Ende geht. Man muss sich von Freunden und lieb gewonnenen Kollegen verabschieden. Doch es birgt auch eine Chance für die Menschen vor Ort, miteinander Erarbeitetes umzusetzen und ihren Weg unabhängig weiterzugehen.“

Parallel zur Weiterbildung des Personals wurden die alltäglichen Abläufe neu strukturiert: Im ersten Gebäude am Eingang wurde eine Patientenaufnahme mit integrierten Konsultationsräumen sowie eine Notaufnahme eingerichtet. Zuvor mussten die Notfallpatienten zur Erstversorgung auf eine der Stationen gebracht werden. Die Apotheke wurde in Zusammenarbeit mit den vor Ort zuständigen Kollegen übersichtlich geordnet. Auch das Labor samt Blutbank wurde mit allen notwendigen Geräten ausgestattet. Cap Anamur hat einen letzten großen Medikamenten- und Materialtransport mit Vorräten für die nächsten Monate zur Verfügung gestellt, damit auch nach unserem Abschied ein langsamer Übergang in die Selbstständigkeit gewährleistet ist.

„Durch die Zusammenarbeit von Krankenschwestern und Pflegern, Ärzten, Hebammen und Technikern aus dem Kongo und aus Deutschland konnte ein guter medizinischer Standard für die Menschen in Kamituga erreicht werden“, berichtet Sabine Ndukwu. „Für mich selbst war es eine erfahrungsreiche und  intensive Zeit, es galt viele Hürden zu nehmen, immer wieder bin ich an der Bürokratie gescheitert, oft war ich berührt und erstaunt über die vielen Möglichkeiten, die ohne große Aufwand schnell und einfach geregelt werden konnten. Ich bin vielen Menschen begegnet, habe Schicksale miterlebt, die mich noch immer tief bewegen. Ich möchte allen Freunden, Kollegen, den Menschen in Kamituga und Bukavu und vor allem den Spenden in Deutschland für die Unterstützung und für das Vertrauen danken.“

Medical Know-how

The focus of our medical work lay within the training and further education of the staff: the Cap-Anamur team, including surgeons, paediatrics, gynaecologists, care personnel and midwives, were providing training to the local colleagues on the most effective treatment methods. The midwife Sabine Ndukwu has followed the development of the hospital for two years and supervised the handover of the project to the local colleagues: „It is of course always a bit sad, when a project is approaching its end. One should part from the friends and well accustomed colleagues. However it offers an opportunity to the local people to continue the work started together and to move on independently.“

Along with the further education of the staff, also the day-to-day operations have been restructured: at the entrance of the first building a new admission point of the patients together with an integrated consultation room, as well as an emergency room were arranged. Previously, in order to carry out primary examinations the emergency patients were brought to one of the units of the hospital. Together with competent local colleagues the pharmacy has been reorganised in a well-structured manner. Also the laboratory and the blood bank has been supplied with all the necessary equipment. Cap Anamur organised one last big medication and material supply delivery for the coming months, so that a slow transition towards self-dependency is ensured even after our departure.

„Through the collaboration of the nurses, carers, doctors, midwives and technicians from the Congo and Germany, a good medical care standard for the people in Kamituga has been achieved“, tells Sabine Ndukwu. „It was a very proficient and intense period for me, there were many obstacles to overcome, I was constantly struggling with bureaucracy, but I was also often moved and amazed by the many situations that could be dealt with quickly and easily without much effort. I have met many people, shared their uneasy fates that still move me very deeply. I would like to thank all my friends, colleagues, people in Kamituga and Bukavu and first and foremost and all the donators in Germany for the support and trust.“

Bau und Renovierung

Wir mussten bei allen Gebäuden die Dächer und Decken reparieren, teilweise ganz erneuern, Wände stabilisieren, ausbessern und neu verputzen. Die Böden mussten ausgebessert, Fenster und Türen repariert und ausgetauscht werden. In den vergangenen fünfeinhalb Jahren haben wir uns um den Bau beziehungsweise die Instandsetzung des Operationsraums, der Radiologie, der Poliklinik zur Versorgung ambulanter Patienten, der Apotheke mit Labor und Blutbank, die Intensiv- und Geburtsstation, sowie die Pädiatrie, die ehemalige Tuberkulosestation und die Verwaltungsräume gekümmert. Mehr als die Hälfte der Zeit hat Michael Beirle die Bau- und Renovierungsarbeiten betreut. Der Techniker hat drei Jahre für Cap Anamur in Kamituga gearbeitet.

Construction and renovation                                         

We had to repair the roofs and the ceilings of all the buildings, partly rebuild, stabilise, patch and plaster the walls. The floors had to be remodelled, the windows and the doors – repaired and replaced. Over the last five and a half years we have been involved in the construction and repairs of the surgical room, the radiology, the outpatient’s department for the outpatient care, the pharmacy with laboratory and blood bank, the intensive care and maternity ward, as well as the paediatrics, former tuberculosis ward and administrative offices. For more than half of the time, supervision of the construction and repair works was carried out by the technician Michael Beirle. He was working for Cap Anamur in Kamituga for three years.

Ein weiterer Schwerpunkt lag auf der Einrichtung von Sanitäranlagen. „Sie ist der Grundstein für gute hygienische Verhältnisse“ so Beirle, der sich um die Wasserversorgung kümmerte und in Zusammenarbeit mit seinen einheimischen Kollegen Duschen und Latrinen für die Patienten baute. „Wir haben vier komplette Anlagen gebaut, mit septischem Tank, einem Dreikammersystem und Sickergrube. Insgesamt gibt es auf dem Gelände nun 25 Latrinen und 21 Dusch- beziehungsweise Waschplätze. Zudem wurden Wassertanks installiert um das Regenwasser nutzen zu können: dreimal 5.000 Liter und zweimal 2.000 Liter sowie einen 10.000 Litertank für das Leitungswasser um eine Wasserknappheit auszugleichen.“

Another focus lay on arranging the sanitary facilities. „They are the foundation for good hygienic conditions,“ says Beirle, who took care of the water supply and built the showers and lavatories for the patients together with local colleagues. „We have built four complete units with septic tanks, three-chamber system and an absorbing well. In total there are currently 25 lavatories and 21 showers or washing areas on the compound. In addition, water tanks will be installed to collect and use rain water (three times 5.000 litres and two times 2.000 litres), as well as one 10.000 litre tank for the tap water to compensate water shortages.“

Die Wege auf dem Gelände glichen bei unserer Ankunft einer Mondlandschaft mit etlichen Hügeln und Löchern. Unmöglich, darüber mit einem Rollstuhl oder einer rollbaren Liege Patienten zu transportieren. Nun sind alle Wege begradigt und gepflastert. Auch der gesamte Eingangsbereich wurde mit Natursteinen gepflastert, die aus den lokalen Hügeln abgebaut wurden. Dadurch bleibt das gesamte Krankenhausgelände sauberer. Zuvor verwandelten sich die Wege bei jedem Regen in matschige Trampelpfade und der Schlamm wurde von den Patienten und Mitarbeitern bis auf die Stationen getragen. „Zum Schutz vor der Sonne haben wir Baumsetzlinge gepflanzt, die in Zukunft den nötigen Schatten spenden werden. Zudem sind die Bäume rund um das Krankenhaus ein guter Schutz gegen den Verwitterungsprozess“, erklärt Beirle.

At the time of our arrival, the roads of the compound resembled a lunar landscape with a number of mounds and holes. It was impossible to move a wheelchair or to transport patients on a rolling bed. All the roads are now levelled and paved. The entire entrance area was also paved with natural stone, extracted from the local hills. Thus the whole hospital area remains cleaner. Previously, whenever it rained, the roads turned into muddy trails and the patients and staff dragged the mud into the wards. „In order to protect against the sun, we have planted some tree seedlings that will provide the necessary shade in the future. Additionally, the trees around the hospital serve as a good protection against the deterioration due to exposure,“ Beirle explains.