Das Findelkind aus Kamituga

Artikelinfo
Datum: 
01.06.2012
Autor: 
Office Cap Anamur

Sabine Ndukwu arbeitet schon im vierten Jahr für Cap Anamur, zunächst in Liberia, dann fast zwei Jahre in den sudanesischen Nuba-Bergen, danach begann sie in unserem Krankenhaus im Kongo. Während dieser Zeit hat die Hebamme einige ungewöhnliche Krankengeschichten erlebt; die von Neema hat die 48-Jährige besonders berührt: Das Mädchen, das vermutlich in der ersten Märzwoche zur Welt gekommen ist, wurde an einem Fluss ausgesetzt. „Wahrscheinlich litt die Mutter unter einer schweren Wochenbett-Psychose und war deswegen nicht in der Lage, sich um das Neugeborene zu kümmern“, vermutet Sabine Ndukwu. „Hinter so einer Tat steckt immer ein Akt der Verzweiflung.“

Neema hatte Glück im Unglück: Sie blieb am Rande der Böschung liegen, fiel nicht ins Wasser und wurde kurze Zeit später von einem Passanten gefunden. Der Mann brachte das Baby sofort in das Krankenhaus in Kamituga, wo Sabine Ndukwu sie in Empfang nahm. „Glücklicherweise blieb das Kind bei dem Sturz unversehrt. Wir behielten es erst mal unter Beobachtung und versuchten dann, ein neues Zuhause für die Kleine zu finden“, erzählt die Hebamme. „Wir wandten uns an den Bürgermeister des Dorfes, der sogleich einen Aufruf im lokalen Radio startete. Nach nur drei Wochen hatte sich eine geeignete Pflegefamilie gefunden. Die neuen Eltern kümmern sich liebevoll um das Mädchen und gaben ihm den Namen Neema, der auf Suaheli Gnade bedeutet. Einmal wöchentlich kommen sie mit ihr zu uns ins Krankenhaus. Das Kind wird weiterhin von Cap Anamur unterstützt, mit allen notwendigen Untersuchungen, Impfungen, medizinischen Behandlungen und Säuglingsnahrung. Ich freue mich sehr zu sehen, wie das Kind wächst.“

Das Krankenhaus in Kamituga

Seit Jahren ist der Süd-Kivu im Osten des Kongos Schauplatz kriegerischer Auseinandersetzungen. Inmitten dieser Region betreuen wir ein Krankenhaus für bis zu 400 stationäre Patienten. Insbesondere die zahlreichen Vergewaltigungsopfer brauchen neben der medizinischen Versorgung auch seelischen Beistand. Mit viel Erfahrung und Einfühlungsvermögen kümmert sich unsere Hebamme gemeinsam mit einer einheimischen Psychologin um die Frauen. Die Renovierungsarbeiten gehen stetig voran. In dieser Woche wurden die neuen Latrinen und Duschen fertig gestellt.