Serbische Universität im Kosovo

Artikelinfo
Datum: 
16.11.2001
Autor: 
Rupert Neudeck

Serbische Universität im KOSOVO -

... und ein Weißes Haus für den künftigen Präsidenten des Kosovo Dr. Ibrahim Rugova

Wenn die Weltöffentlichkeit verschwindet, ist alles erlaubt. Im Kosovo geschehen merkwürdige Dinge, die aber alle möglich sind, weil die Weltgemeinschaft und die Weltmedien nicht mehr darauf schauen. Da ist ohne großes Aufhebens die ganze Politik, die mit Trompetenstößen und Schalmeienklängen all die Jahre durchgezogen wurde, einfach mit einem Federstrich beendet worden.

Unter Dr. Bernard Kouchner und seiner UNMIK war es erklärte Politik der Mandatsgeber und der Geldgeber der UNO: Der Kosovo wird so aufgebaut, daß in ihm die Albaner und die bisherigen Minderheiten künftig einmal wieder nebeneinander leben können. Bald schon wurde klar, daß die Wunden zu tief waren, die die Massengräber, die zerstörten Landschaften, Dörfer und Häuser, die verlorenen Besitztümer und Existenzen geschlagen hatten, um ein Nebeneinanderleben schnell wieder zu ermöglichen.

Unter dem neuen UNMIK-Chef, dem Dänen Haekkerup, findet überhaupt keine Beratung mit den Albanern mehr statt. Weder eine Beratung und Kommunikation mit dem Volk und Publikum des Kosovo noch mit den Repräsentanten der Parteien. Deshalb auch empfanden es die Kosovaren, zumal die Gebildeten, als einen Schlag in die Magengrube, als Haekkerup und der stellvertretende Ministerpräsident von Serbien (und Stellvertreter von Zoran Dzindzic), Covic, ein Papier unterzeichneten, in dem es eine zweite Universität in Nord-Kosovo geben wird. Diese Universität hat schon mit dem Tag der Unterzeichnung des Papiers begonnen zu arbeiten. Der Terminus Nord-Kosovo fängt an, sich mit dem Segen der UNMIK einzubürgern. Es gibt jetzt eine serbische und eine albanische Universität in ein und demselben Kosovo.

Der Wahlkampf ist zu Ende gegangen. Das, was als Programm der Parteien in diesem Wahlkampf den Menschen zugemutet wurde, wäre in anderen europäischen Ländern eher eine Lachnummer.

So hat die LDK von Ibrahim Rugova, die in der Zeit der serbischen Unterdrückung eher so etwas war wie eine Monopolpartei, zum ersten Mal ein Programm veröffentlicht. In diesem Programm gibt es die Forderung nach dem Bau eines Weißen Hauses für den künftigen Präsidenten des Kosovo, der ja nun nur Ibrahim Rugova heißen kann. Darin wird die Förderung des Reisanbaus in den Distrikten um Prizren vorgeschlagen sowie die Züchtung und den Export der besonders rassigen Hunde der Berge um Shaar. Rugova schlägt den Aufbau mehrerer Flughäfen für den Export von Agrarprodukten vor, wie das in der Zeit von Tito so üblich war.

Er verlangt die Standardisierung des traditionellen Käses aus der Berggegend der Herden von Shaar, ein Käse, so wörtlich in einem Parteiprogramm zur Wahl am 17. Dezember "seit antiken Zeiten bekannt ist als der 'djathi dardan'", als der Dardania-Käse.

Er schlägt in dem gleichen Programm die Exportförderung der Ziegen des Kosovo vor. Und dazu kommen stimulierende Forderungen an die einheimische Küche, der ein ganzes Kapitel im Wahlprogramm der LDK gewidmet ist. Der Wein des Kosovo - so schlägt der künftige Präsident vor - soll nach Deutschland und Europa sowie in die USA und nach Japan exportiert werden.

Manche dieser Forderungen können nur polit-psychoanalytisch bearbeitet werden. Man muß schon hart an sich arbeiten, um in der Zeit des notdürftigen Wiederaufbaus - bei weiter andauernden Strom- und Wassersperren über das ganze Land - den Aufbau eines Weißen Hauses für den Präsidenten des Kosovo anzustreben.

Es heißt wörtlich: "Ndertimi i rezidences se Kryetarit te Kosoves Shtepise se bardhe te Kosoves". Es geht um den Aufbau einer Hauptresidenz für den Führer der Kosovaren. Und da ist die Rede von weiteren "Regierungshäusern" oder Residenzen für den Präsidenten und seine Staatsgäste' in Mirushe, in Rugove, in Dragash, in Karadak und Ibrit ne Albanik.

Die zweite Partei, die PDK, die die Ex-UCK Leute versammelt hat, hat in der Bevölkerung wegen des Aufbaus kräftiger mafiöser Business-Strukturen an Popularität verloren, und ihre Wahlchancen werden noch bei 20% eingeschätzt. Mit einem Paukenschlag brachte sich Hashim Thaci noch mal für die Führungsrolle ins Rennen. Er bot der bekannten großen Ärztin und Humanistin, Dr. Flora Brovina, die jahrelang im serbischen Gefängnis war, die PDK-Kandidatur für die Präsidentschaft an. Zum Erstaunen aller, die Brovina kannten und ihre liberale und demokratisch humanitäre Ader, ließ sich Flora Brovina auf diese Kandidatur ein und prangt jetzt auf allen Plakaten des Kosovo.

Ein weiteres großes Fotoposter wurde bei allen Wahlkundgebungen von Hashim Thaci und der PDK in Überlebensgröße gezeigt: da posieren nebeneinander, fast in einer Umarmung, der große von den Serben ermordete UCK-Gründer Adem Jashari und Hashim Thaci. Jedermann konnte erkennen, daß es sich dabei um eine Fotomontage handelt, denn die beiden sind sich kaum je begegnet.

Aber was macht man nicht alles vor einer Wahl, um sie zu gewinnen??! Der Achtungserfolg wird dem Chef der neuen Allianz des Kosovo zugeschrieben, dem Ex-UCK-Kommandanten Ramusz Haradinaj. Ramusz Haradinaj verkörpert ein wenig das Bild des kosovarischen Jungtürken. Er hat viele Sympathien beim kosovarischen Bürgertum, ist aber in der Lage, die Notwendigkeit von politischen Schritten und Neuerungen einzusehen. Wahrscheinlich ist er der einzige, der wenigstens in Spurenelementen so etwas wie einen Parteienapparat und örtliche Strukturen hat. Er ist auch der einzige, der sich von einem großen politischen Urgestein im Kosovo, dem Führer der KP des Kosovo zu Jugoslawiens Zeiten, Bakalli, beraten läßt und diesem auf den Wahlplakaten eine große prominente Rolle eingeräumt hat.

Haradinaj überraschte die Kosovo-Öffentlichkeit nach einem Besuch von Mitrovica und in Reflexion der Entwicklungen um die serbische Universität im Nord Kosovo. Er erklärte, es gäbe nur eine Möglichkeit, den Aufbau eines exklusiv serbischen Nord-Kosovo zu verhindern, nämlich, die Serben in den Kosovo zurückzuholen, die früher dort gelebt haben.

Die UNMIK bietet vor wie nach der Wahl das weiter miserable Bild einer zu großen Teilen nichtsnutzigen aufgeblähten und gut alimentierten Wasserkopfverwaltung. In alle kleinen Fragen hängen sich die UNMIK-Protektoren hinein, bei den ganz großen und wichtigen haben sie Angst. So gehören der UNMIK in Prishtina einige große Gebäude, die von der UCK und TMK weiter besetzt gehalten werden. Aber die UNMIK traut sich nicht, diese Gebäude zurückzufordern und mit Gewalt der Polizei und KFOR zu kassieren.

Weiter hat die UNMIK den hoch budgetierten Auftrag seit nunmehr ganzen zwei Jahren nicht erfüllen können, den Kosovo mit Strom und Wasser so zu versorgen, daß die Bevölkerung sich wie in Europa fühlt. Die Stromabschaltungen wie die Wasserabschaltungen erschienen mir bei dem letzten Besuch in diesen Tagen vor der Wahl so unerträglich wie selten seit dem Einmarsch der KFOR.