Liberia: Auf dem Weg in eine bessere Zukunft?

Artikelinfo
Datum: 
06.10.2006
Autor: 
Office Cap Anamur

Während sich die politische Situation in Liberia seit dem Wahlsieg von Ellen Johnson-Sirleaf Anfang des Jahres ernsthaft stabilisiert hat, können auch die Teams von Cap Anamur vor Ort auf ein bis dato erfolgreiches Jahr zurückblicken. Nach 14 Jahren Bürgerkrieg, die das Land in einem katastrophalen Zustand hinterlassen haben, scheint sich nun ein Silberstreif für die Zukunft der Liberianer am Horizont abzuzeichnen. Das Komitee unterhält derzeit eine psychiatrische Klinik in Monrovia und ein Krankenhaus im 80 Kilometer entfernten Bong Mine Town.

Im Gegensatz zu anderen Projekten konnte sich die technische Arbeit seit 2003 primär auf die Sanierung und Verbesserung der vorgefundenen Krankenhäuser konzentrieren, so dass der Einsatzfokus fast ausschließlich auf die medizinische Versorgung der Bevölkerung verengt werden konnte. Neben der Aus- und Weiterbildung von Pflegepersonal sowohl für die beiden Kliniken, als auch für die diversen Gesundheitsposten, wurde vor allem das Krankenhaus in Bong Mine Town sukzessive auf den neusten Stand gebracht.

Dank der couragierten Mithilfe der Einheimischen verfügt das Hospital mittlerweile über 115 Betten und die ambulante Poliklinik hat einen durchschnittlichen Zulauf von 200 Patienten täglich. Neben zwei OP´s gibt es auch eine Intensivstation, deren Liegezeiten im letzten halben Jahr durch die verbesserte Ausstattung und Schulung der Pflegekräfte kontinuierlich verkürzt werden konnten.

Nachdem letztes Jahr schon eine moderne Röntgenanlage aus Deutschland geliefert und das Labor modernisiert worden war, kann das Personal in jüngster Zeit bei der Diagnostik nun ebenfalls auf EKG und sonographische Geräte zurückgreifen.

Besonders stolz sind die Teammitglieder aber gerade im Bereich der Ausbildung. Hier konnten hervorragende Ergebnisse auf Grund des wissbegierigen und oftmals die eigene Freizeit opfernden Einsatzes der liberianischen Mitarbeiter erzielt werden. Nicht nur dass nun selbständig Dienstpläne erarbeitet und andere administrative Aufgaben wahrgenommen werden, sondern besonders in der medizinischen Bereich sind exzellente Fortschritte gemacht worden. So werden regelmäßig Krankheitsbilder und Therapiekonzepte in Unterrichtsstunden sowie Beside-Teachings intensiv durchgesprochen, als auch das Personal an der Bedienung der modernen Geräte ausgebildet.

Anfängliche Fehldiagnosen und die unnötige Ausgabe von Medikamenten sind nun mehr weitgehend ausgeschlossen. Gemeinsam mit den liberianischen Kollegen wurde zudem ein Konzept erarbeitet, wie mit chronisch Erkrankten umzugehen ist, um die Patienten nicht mehr zwingend stationär behandeln zu müssen.

Da sich mittlerweile neben der modernen Ausstattung ein selbsttragendes System der optimalen Kapazitätsnutzung am Hospital in Bong Mine etabliert hat, konzentriert sich unser Team darauf, die Ausstattung und die Ausbildung weiterhin zu verbessern, damit Cap Anamur langsam zurücktreten kann.

Wir hoffen, dass die außerordentlichen Fortschritte und das beherzte Engagement unserer liberianischen Kollegen und Kolleginnen ein Spiegel des schweren, aber kontinuierlichen Wiederaufbaus des sozialen und wirtschaftlichen Gefüges in einem der ärmsten und rückständigsten Länder der Welt ist. Keep going, Liberia!