Paradies mit kleinen Fehlern

Artikelinfo
Datum: 
29.06.2013
Autor: 
Thomas Hagen
Quelle: 
Neue Westfälische

Herforder Fotograf Jürgen Escher reiste für Hilfsorganisation Cap Anamur nach Madagaskar. Hier finden Sie den Artikel als PDF.

 

VON THOMAS HAGEN

 

Herford/Antananariwo. Sie ist die viertgrößte Insel der Welt, gilt als tropisches Naturparadies mit einer einzigartigen Fülle an Tieren und Pflanzen. Doch Madagaskars Reichtum an Flora und Fauna ist bedroht, denn die Armut der Menschen vernichtet nach und nach die natürlichen und vielfach unberührten Lebensräume.

 

Wirtschaftlich zählt Madagaskar zu den ärmsten Ländern auf unserem Globus. Jürgen Escher, seit vielen Jahren das fotografische Auge der Hilfsorganisation Cap Anamur/Deutsche Notärzte e.V., reiste jetzt auf die Insel im Indischen Ozean, weit draußen vor der Küste Mogadischus.

 

 

Er begleitete den Münchner Arzt Dr. Werner Höfner, den Vize-Vorsitzenden Cap Anamurs, um sich über den Stand der Arbeiten bei der Verbesserung der medizinischen Versorgung zu informieren.
Cap Anamurs Engagement ist ganz frisch, erst seit ein paar Monaten unterstützt der Verein das Krankenhaus von Bezaha, eine Tagesreise entfernt von der quirligen Metropole Antananariwo.

"Das kleine Krankenhaus muss die Versorgung für die Patienten im Umkreis von 150 Kilometern leisten und ist in einem erbärmlichen Zustand", beschreibt Escher die Situation.

Ansonsten gibt es nur kleine Gesundheitsstationen, die ebenfalls stark verfallen sind. In einer hält Hebamme Christiane allein die Stellung – und Strom und fließendes Wasser. Entbindungen müssen bei Kerzenlicht erfolgen. Der behandelnde Arzt ist zum letzten Mal vor acht Jahren dort gewesen. Für die Hebamme wird Cap Anamur-Techniker Andreas Tsukalas eine kleine Solaranlage auf dem Stationsdach installieren.

Das Geld dafür stammt aus deutschen Spenden. Aber hier läuft es nicht so gut, weil Madagaskar nicht mit Katastrophenmeldungen in den Nachrichten ist. "Die Not ist nicht so groß wie in anderen Ländern, aber es sterben viele Kinder an Mangelernährung und die Sterblichkeit bei Säuglingen ist immens hoch", sagt Escher.

In der Säuglingsstation im kleinen Krankenhaus in Bezaha, gelegen in der "roten Zone", dem trockensten Flecken Madagaskars, werden jährlich bis zu 600 Kinder geboren. Für sie und die anderen Patienten wird das Hospital in einen ordentlichen Zustand versetzt. Fenster und Türen sind von Termiten zerfressen, der Operationsraum ist marode, die sanitären Anlagen ebenfalls. Techniker Andreas hat hier schon kleine Wunder bewirkt.

Die wird er auch für Dr. Gaston hinbekommen müssen, dem ein Sturm die Praxis über dem Kopf weggeblasen hat. Sie soll bald ebenso gut funktionieren wie die Lepra- und Tuberkulose-Station in der Nähe.