MADAGASKAR | Abschlussbericht

Artikelinfo
Datum: 
11.05.2015
Autor: 
Office Cap Anamur

Seit Februar 2013 engagiert sich Cap Anamur auf Madagaskar, um die medizinische Versorgung in den beiden ländlichen Regionen um Bezaha und Fandriana zu verbessern. Nun konnten wir die baulichen Maßnahmen abschließen und die beiden Krankenhäuser in die Hände der einheimischen Kollegen übergeben. Sie haben sich während der vergangenen beiden Jahre das nötige Rüstzeug angeeignet, um die Krankenhäuser medizinisch und administrativ zu leiten.

Standort 1: Fandriana

Pünktlich zu Beginn der Regenzeit haben wir die Außenarbeiten am Krankenhaus von Fandriana beendet. Die zuvor maroden Gebäude befinden sich nun in einem sehr guten Zustand. Es gibt einen geräumigen Entbindungssaal mit einem direkten Zugang zur chirurgischen Abteilung. Vervollständigt wird dieser Bereich durch einen Sanitär-Block mit Toiletten, Dusche und Waschplatz. Und seitdem wir die durch einen Blitzschlag ausgefallene Solaranlage instandgesetzt haben, läuft auch die Stromversorgung wieder verlässlich.

Mit der Unterstützung unseres Architekten haben wir ein neues Operationsgebäude samt einem chirurgischen Bettentrakt errichtet. Endlich können auch operative Eingriffe vor Ort durchgeführt werden und die Patienten müssen nicht mehr den 50 Kilometer langen Weg zum nächstgelegenen Hospital in Ambrosita auf sich nehmen. Durch den Bau des OP wurde das Krankenhaus auf einen höheren medizinischen Status gehoben. Wir freuen uns, dass wir damit einen Beitrag für die Gesundheitsversorgung der rund 260.000 Menschen im Distrikt Fandriana leisten konnten. Die beiden einheimischen Chirurgen kümmern sich in erster Linie um die zahlreichen Leistenbrüche und Kaiserschnitte.

In den vergangenen 24 Monaten haben sich Ärzte verschiedener Fachrichtungen das einheimische Personal tatkräftig bei der alltäglichen Arbeit unterstützt und weitergebildet. Weitere Schwerpunkte lagen auf der Verbesserung der Hygienemaßnahmen und der Einweisung in das Verfahren des neuen Ultraschallgerätes. Auch das hauseigene Labor läuft seit einem halben Jahr reibungslos unter der Leitung des ehemaligen Laborassistenten. Dank einer umfassenden Ausbildung kann er nun alle mikrobiologischen Basisuntersuchungen eigenständig durchführen.

Standort 2: Bezaha

Bezaha, das wegen seiner streitfreudigen Bewohner von den Einheimischen auch zone rouge genannt wird, liegt in der trockensten Region Madagaskars. Das Krankenhaus ist das einzige in einem Umkreis von 150 Kilometern. Auch hier war der bauliche Zustand schlecht: Türen und Fenster waren von Termiten zerfressen und die sanitären Anlagen in beklagenswertem Zustand, so dass wir zur Verbesserung der hygienischen Verhältnisse die Sanitäranlagen komplett saniert haben. Ebenso den Operationsraum und die Entbindungsstation. Immerhin werden hier bis zu 600 Kinder im Jahr geboren. Über die Hilfe für dieses Krankenhaus hinaus hat Cap Anamur fünf ländliche Gesundheitsstützpunkte in der Region medizinisch als auch technisch unterstützt, mit kleinen Reparaturen an Dächern und Fenstern, der Bereitstellung von Medikamenten und technischem Equipment sowie der Installation einer Solaranlage.

Hintergrund:Jenseits des Naturparadieses

Madagaskar gilt als tropisches Naturparadies mit einer einzigartigen Vielfalt an Pflanzen und Tieren. Doch die viertgrößte Insel der Welt ist bedroht, denn die Armut der Menschen vernichtet nach und nach ihren natürlichen Reichtum. Wirtschaftlich gehört Madagaskar zu den ärmsten Ländern der Welt: Ausbeutung während der Kolonialherrschaft und korrupte Regierungen sind der Grund, dass jeder dritte Madagasse unter der Armutsgrenze lebt. Der Boden ist längst nicht überall so fruchtbar, wie es die Vegetation auf dem Hochplateau im Osten vermuten ließe. In der Folge gibt es nicht genug Lebensmittel für die Menschen und sogar das Hauptnahrungsmittel Reis muss importiert werden. In den ländlichen Gebieten im Südwesten der Insel ist die Not besonders ausgeprägt. Die hier liegenden Dörfer haben selten fließendes Wasser oder Elektrizität. In dieser Region hat sich Cap Anamur engagiert und die medizinische Versorgung verbessert.

Fandriana befindet sich in der Landesmitte, in der Provinz Amoron´i Mania. Der Ort ist etwa 6 Fahrstunden südlich von der Hauptstadt Antananarivo entfernt. Fandriana ist eine mittelgroße Stadt im zentralen fruchtbaren Hochland. Im Einzugsbereich unseres Krankenhauses leben etwa 100.000 Madegassen. Ziel des Projektes war die Inbetriebnahme einer operativen Einheit, auch in Hinblick auf die relativ gut funktionierende Geburtsstation, damit in Zukunft ein sicherer Kaiserschnitt durchgeführt werden kann.

Der mittelgroße Ort Bezaha liegt rund 700 km südlich von unserem Fandriana in der sogenannten  „Zone Rouge“. Weil die Region trocken und wenig fruchtbar ist, fokussiert sich der Lebenssinn der Menschen überwiegend auf den Besitz von Zebu-Rindern. Das Leben hier ist wesentlich beschwerlicher als im so fruchtbaren Hochplateau Madagaskars. Die von uns unterstütze Einrichtung ist das Referenzkrankenhaus für den gesamten Bezirk.