Hilfe aus Lübeck für die ganze Welt

Artikelinfo
Datum: 
08.02.2004
Autor: 
Christine Gottlob
Quelle: 
Lübecker Nachrichten

Lübeck - Humanitäre Einsätze gehen künftig von Lübeck aus in die ganze Welt: Die Hilfsorganisation "Komitee Cap Anamur" hat die Hansestadt als Heimathafen für ihr erstes eigenes Schiff gewählt. Zur Zeit liegt der Container-Frachter noch im Hansahafen. Am kommenden Sonnabend kann die "Cap Anamur" bei den Media Docks besichtigt werden, am Sonntag wird das Schiff dann Richtung Westafrika auslaufen.

1979 wurde die Hilfsorganisation durch die Rettung vietnamesischer Flüchtlinge, so genannter "boat people", bekannt. Eine Gruppe um den Journalisten Rupert Neudeck charterte damals einen Frachter, um die Menschen im südchinesischen Meer zu bergen. Jetzt besitzen die Helfer nach 25 Jahren zum ersten Mal ein eigenes Schiff und wollen damit afrikanische Krisenregionen anlaufen.

"Wir wollen dort unsere Projekte versorgen, nehmen auch Hilfsgüter für andere Organisationen mit", sagt Elias Bierdel, erster Vorsitzender des Komitees. Lübeck sei ein guter Ausgangspunkt für die neue "Cap Anamur". "Wir wollten in einen Hafen nahe an der Stadt", sagt Bierdel: "Die Menschen sollen uns sehen können."

Neben medizinischer Ausrüstung, Fahrzeugen und technischen Hilfgütern habe das Schiff auch ein komplettes Hospital in Containern an Bord. Ein Arzt geht mit auf die Fahrt, außerdem zwei Techniker, Elias Bierdel selbst sowie zehn Mann nautische Besatzung. Der Kapitän, Stefan Schmidt, ist Lübecker. Die Helfer arbeiten zunächst ein halbes Jahr lang zum Einheitslohn von 1100 Euro monatlich.

Ziel der voraussichtlich drei bis vier Monate dauernden Fahrt sind Häfen in Liberia, Sierra Leone und Namibia. Dort will das "Cap Anamur"-Team Hilfsgüter entladen. In der afrikanischen Krisenregion war die Organisation bereits im vergangenen Sommer mit einem gecharterten Schiff unterwegs. "Wir hätten Flüchtlinge im Hafen mitnehmen können. Aber wir durften nicht, weil es von der Reederei des Schiffes kein o.k. gab", sagt Bierdel immer noch verärgert: "Das war richtig mies." 

Deshalb sei ihm die Idee gekommen, ein Schiff zu kaufen: Den 90 Meter langen und 1983 auf der Oldenburger Brandwerft gebauten Frachter "Andra", der demnächst den Namen "Cap Anamur" tragen  wird.  Der Name hat Tradition: Denn auch der erste, zur Rettung der vietnamesischen "boat people" gecharterte Frachter hieß "Cap Anamur". Damit begann die Geschichte der Hilfsorganisation, die seitdem weltweit in Krisengebieten im Einsatz ist und derzeit um die 550 Mitarbeiter beschäftigt. 

Damit die neue "Cap Anamur" für ihre Fahrten über die Weltmeere gerüstet ist, bauen zahlreiche Firmen das Schiff aus. Seit Dezember liegt der ehemalige Kühlfisch-Frachter, der zwischen Rotterdam und Norwegen fuhr, am Kai der Lübecker Maschinenbau-Gesellschaft (LMG). "Wir müssen die Maschinen, die Klimatechnik, Radar und Kommunikationsanlagen fit machen", erklärt Bierdel. Noch eine Woche hat der ehemalige ARD-Korrespondent Zeit, um weiteren Frachtraum zu füllen. Er ruft zu Spenden auf: "Wir brauchen noch  Schreibmaschinen, um in den Krisengebieten den Aufbau von Verwaltung und Bildungssystemen zu unterstützen. Die Maschinen müssen aber mechanisch sein, denn in weiten Teilen der Regionen gibt es keinen Strom."