Nach 25 Jahren endlich ein eigenes Schiff

Artikelinfo
Datum: 
13.02.2004
Quelle: 
Mitteldeutsche Zeitung

Lübeck/dpa.  Die Hilfsorganisation «Komitee Cap Anamur» hat Neuland betreten. 25 Jahre nach ihrer Gründung hat die Organisation erstmals ein eigenes Schiff. Um unabhängig von den Reedern gecharterter Schiffe zu sein, habe die Organisation den Containerfrachter «Andra» gekauft, sagte der Vorsitzende des Komitees, Elias Bierdel. Das Schiff wird zurzeit in seinem neuen Heimathafen Lübeck umgerüstet. Am 14. Februar soll es unter dem Namen «Cap Anamur» in Dienst gestellt werden.

Das Schiff wird so ausgestattet, dass es Hilfsgüter transportieren, in Krisengebieten Kranke versorgen und im Notfall auch Flüchtlinge in größerer Zahl evakuieren kann.

Das «Komitee Cap Anamur» leistet seit 1979 mit Freiwilligen medizinische, technische und humanitäre Hilfe in Krisengebieten. Für einen Einheitslohn von 1100 Euro leisten Ärzte, Krankenschwestern, Techniker und Handwerker medizinische Hilfe in Sierra Leone, bauen Schulen in Afghanistan und Bewässerungsanlagen auf Haiti. Das Hilfsteam, das in einem Armenviertel der irakischen Hauptstadt Bagdad ein Kinderkrankenhaus betreut hatte, wurde allerdings Ende 2003 abgezogen. «Wir sind zwar mutig, aber nicht lebensmüde. Wegen der ständigen Schießereien war die weitere Arbeit dort nicht zu verantworten», erläutert Bierdel.

Seit der Gründung hatte das «Komitee Cap Anamur» für seine Hilfseinsätze stets Schiffe gechartert. Die Entscheidung, erstmals ein eigenes Schiff zu kaufen, fiel im Sommer 2003. Bierdel berichtet: «Wir hatten Hilfsgüter in die liberianische Hafenstadt Monrovia gebracht. Am Kai warteten tausende von verzweifelten Flüchtlingen auf eine Chance, die umkämpfte Stadt zu verlassen, und unser Schiff war das einzige weit und breit. Doch der Kapitän weigerte sich, die Menschen an Bord zu nehmen, weil der Eigner keine Zustimmung gegeben hatte. Da wurde uns klar: Wir brauchen ein eigenes Schiff».

Am 14. Februar soll die «Andra» feierlich in «Cap Anamur» umbenannt werden. Am folgenden Tag wird sie ihre erste Reise nach Westafrika antreten. An Bord wird eine bunt zusammengesetzte Mannschaft sein, die ebenfalls eine Einheitsheuer von 1100 Euro erhält. «Wir suchen allerdings noch händeringend einen Maschinisten, der ein Patent zum Führen einer Maschine bis 3000 Kilowatt hat», sagt Bierdel.