Die "Cap Anamur" grüßt den Heimathafen

Artikelinfo
Datum: 
15.05.2004
Autor: 
Christine Gottlob
Quelle: 
Lübecker Nachrichten

Bei den Schifffahrtstagen in Lübeck kann der Hilfsgüterfrachter "Cap Anamur" leider nicht dabei sein. Die Crew grüßt aber aus Las Palmas / Gran Canaria, von wo aus das Schiff nach einigen Wartungs- und Reparaturarbeiten zur nächsten großen Fahrt in den Nahen Osten aufbricht. Vor zweieinhalb Monaten hatte die "Cap Anamur", Frachter der gleichnamigen humanitären Organisation, seinen Heimathafen Lübeck Richtung Westafrika verlassen. Seitdem hat das Schiff 10 247 Seemeilen, also um die 19 000 Kilometer, zurückgelegt. "In den nächsten Tagen laufen wir wieder aus", teilte Elias Bierdel, Vorsitzender der Hilfsorganisation, den LN aus Las Palmas mit. Das nächste Ziel: der jordanische Hafen Akaba. Dort will die "Cap Anamur" Krankenhausausstattung, Medikamente und ein Fahrzeug entladen. Die Hilfsgüter sollen über den Landweg weiter in den Irak gebracht werden. Hier entsteht derzeit in einem Schiitenviertel der Hauptstadt Bagdad ein "Cap Anamur"-Hospital.

Nach dem erfolgreichen Einsatz in Westafrika ist die Stimmung an Bord und im Team laut Bierdel "sehr gut". Die Hilfsgüter, die der Frachter in Lübeck und anderen europäischen Häfen an Bord nahm, sind sicher in Liberia, Sierra Leone und Angola angekommen. Auch die von Lübeckern gespendeten Schreibmaschinen haben neue Besitzer: Die Mitarbeiter in Ministerien und Bildungseinrichtungen, hauptsächlich in Liberia, freuten sich über die Spenden. Da weite Teile des Landes ohne Strom auskommen müssen, sind die mechanischen Schreibmaschinen für den dortigen Schriftverkehr sehr wichtig.

Jetzt ist der Frachter bis auf die Hilfsgüter für den Irak fast leer und bereit für Flüchtlingstransporte. Ein Zwischendeck ist eingezogen, sanitäre Anlagen stehen bereit. 300 000 Bürgerkriegsflüchtlinge aus Liberia wollen wieder in ihr Heimatland. "Das geht aber nicht so schnell, wie wir dachten", räumte Bierdel ein. Internationale Verhandlungen und starker Regen verzögern die Transporte.

Auf der Fahrt Richtung Naher Osten könnte das Team jedoch bereits anderen zu Hilfe kommen. Denn zahlreiche Menschen versuchen, aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu flüchten. Laut Bierdel ist die Situation dramatisch. Viele würden bei dem Fluchtversuch in kleinen, schlecht  ausgestatteten Booten ums Leben kommen. "Sollten wir solchen Flüchtlingsbooten auf unserer Fahrt begegnen, wollen wir natürlich helfen", sagte Bierdel. Dabei könnten auch Spenden aus Lübeck Leben retten: 25 Schwimmwesten hat eine engagierte Gruppe aus der Hansestadt an die "Cap Anamur" geschickt.

Das "Cap Anamur"-Team sucht einen neuen Maschinisten. Interessenten können sich hier über die Mitarbeit bei der  HiIfsorganisation informieren oder sich direkt beim Kapitän unter  master@cap-anamur.org bewerben.

Spenden für "Cap Anamur" können an die Stadtsparkasse Köln, Kontonummer 22 22 222, Bankleitzahl: 370 50 198 gerichtet werden.