Lübecker Hilfsschiff rettet 37 Flüchtlinge aus Seenot

Artikelinfo
Datum: 
22.06.2004
Autor: 
Helge von Schwartz
Quelle: 
Lübecker Nachrichten

Die "Cap Anamur" stach von Malta aus zu einer Testfahrt in See. Auf der Mittelmeerinsel war das Schiff technisch überholt worden. Auf seiner Fahrt traf die "Cap Anamur" auf ein überfülltes Schlauchboot mit 37 Schwarzafrikanern. Diese waren in Seenot geraten und winkten mit einem roten Tuch, um die Helfer auf sich aufmerksam zu machen. "Das Boot war technisch vollkommen unzureichend ausgestattet, das Trinkwasser verbraucht", sagt Elias Bierdel, Vorstand des Komitees Cap Anamur in Köln.

Die Besatzung nahm die jungen Männer - die erschöpft, ansonsten aber in guter Verfassung waren - am Sonntag gegen 18.45 Uhr an Bord. Zurzeit versuchen die Helfer, die Identität der  Flüchtlinge festzustellen. "Das ist schwierig, da wir nicht wissen, aus welchem Land sie kommen und welche Sprache sie sprechen", sagt Bierdel. Fest steht nur, dass sie in Libyen ein Schlauchboot erworben und offenbar Kurs auf die italienische Insel Lampedusa genommen hatten. Wie lange sie schon auf dem offenen Meer unterwegs waren - keiner weiß es. Erst wenn die Identität der Flüchtlinge geklärt ist, sollen die Männer in den nächsten Hafen gebracht  werden, entweder nach Malta oder nach Italien. Allein im Juni vergangenen Jahres landeten auf Lampedusa nach offiziellen Angaben der Küstenwache rund 3000 "Boat people", weitere 200 konnten nur noch tot geborgen werden. "Viele Flüchtlinge ertrinken oder verdursten", sagt Bierdel.

Der 90 Meter lange und 1983 gebaute frühere Frachter "Cap Anamur" war am Lübecker LMG-Kai für seine Hilfseinsätze umgebaut worden. Ende Februar hatte das Schiff seinen Heimathafen Lübeck verlassen. In den vergangenen Monaten war das Schiff vor allem vor Westafrika im Einsatz gewesen. Jetzt ist der Wartungsstopp auf Malta notwendig geworden. Ursprünglich wollte die "Cap Anamur" als nächstes in Richtung Akaba fahren, um von dort aus über den Landweg Ausstattung für ein neues Krankenhaus in den Irak zu schicken. "Davon haben wir aus Sicherheitsgründen Abstand nehmen müssen", sagt Bierdel.

Nun soll es im September wieder nach Westafrika gehen. "Bis dahin werden wir die Flüchtlings-Situation im südlichen Mittelmeer beobachten", sagt Bierdel - nicht ohne Sorge: Da Schleuser verfolgt und bestraft würden, seien immer öfter Flüchtlinge ohne Führer in kleinen Booten auf dem Mittelmeer unterwegs und gerieten dort in Not. Nicht alle haben das Glück, auf die "Cap Anamur" zu treffen.