Die "Cap Anamur" darf nicht anlegen

Artikelinfo
Datum: 
08.07.2004
Quelle: 
ZDF.de

Die Odyssee der "Cap Anamur" ist nun auch Thema im italienischen Parlament. Seit zwei Wochen dümpelt das deutsche Rettungsschiff vor der Küste Siziliens. An Bord sind 37 Flüchtlinge aus der west-sudanesischen Krisenregion Darfur, die dringend medizinische Hilfe brauchen. Doch Italien will sie nicht an Land lassen - eine humanitäre Katastrophe am Rande Europas. 

Während der Chef der Hilfsorganisation, Elias Bierdel, von einem Skandal spricht, fordert Innenminister Giuseppe Pisanu, die Flüchtlinge müssten in Malta von Bord gehen. Er begründet dies mit dem Hinweis, die "Cap Anamur" habe die schiffbrüchigen Afrikaner vor der Küste Maltas aufgenommen. Auch ein Gespräch Pisanus mit Bundesinnenminister Otto Schily habe keine Lösung gebracht, verlautete am Mittwoch aus Rom.

Noch kein Grund mitgeteilt

Nach Aussage von Stefan Schmidt, Kapitän des Schiffes, werden die Flüchtlinge langsam nervös. Zudem wird das Trinkwasser an Bord knapp. Es herrscht große Hitze. Man habe die zumeist jungen Sudanesen Ende Juni aus einem Schlauchboot rund 100 Seemeilen südlich der italienischen Insel Lampedusa in internationalen Gewässern gerettet. Einige Flüchtlinge seien in schlechtem psychischen Zustand gewesen und hätten mit Selbstmord gedroht.

Schmidt widersprach der offiziellen italienischen Darstellung, die Afrikaner seien in der Nähe Maltas an Bord gegangen. Malta liegt 180 Seemeilen weit weg. Die italienischen Behörden hätten der "Cap Anamur" bislang nicht einmal offiziell mitgeteilt, warum das Schiff keinen italienischen Hafen anlaufen dürfe. Die "Cap Anamur" liegt gut 15 Seemeilen vor dem sizilianischen Hafen Porto Empedocle.

Proteste angekündigt


Schily und Pisanu sprachen italienischen Angaben zufolge bereits am Dienstag bei einem EU-Treffen im britischen Sheffield über den Fall. Das Treffen habe aber keinerlei Fortschritt gebracht. Ein grüner Parlamentsabgeordneter kündigte einen Hungerstreik an. Der linksliberale römische Bürgermeister Walter Veltroni sagte, Rom sei bereit, die Afrikaner aufzunehmen. Der Fall stehe just für jenes Europa, wie er es nicht wolle.Auf dem Mittelmeer zwischen Afrika und Italien kommen immer wieder viele Afrikaner und Asiaten ums Leben, die als illegale Einwanderer nach Italien wollen. Mehrmals waren Dutzende Menschen auf ihren kleinen Booten verdurstet und verhungert.