Rom bleibt hart

Artikelinfo
Datum: 
08.07.2004
Quelle: 
TAZ

BERLIN taz  Bereits seit sieben Tagen verweigern italienische Behörden der "Cap Anamur", einem Schiff der gleichnamigen Flüchtlingsorganisation, die Einfahrt in den südsizilianischen Hafen Porto Empedocle. An Bord des deutschen Schiffes befinden sich 37 Flüchtlinge. Bei den ausschließlich männlichen "Boat-People" handelt es sich um 36 Sudanesen, die nach eigenen Angaben aus Darfur stammen, und einen Mann aus Sierra Leone.

Ein Vorstoß des Flüchtlingsschiffes, am vergangenen Donnerstag den Hafen zu erreichen, wurde auf Weisung des italienischen Innenministeriums untersagt. Obwohl die "Cap Anamur" daraufhin zwei Meilen außerhalb der nationalen Hoheitsgewässer blieb, umkreisten Kanonenboote, Küstenwachschiffe und Hubschrauber das Schiff. Die "Cap Anamur" hatte die 37 Flüchtlinge am 20. Juni zwischen der libyschen Küste und der italienischen Insel Lampedusa aus Seenot gerettet.

Nach Angaben der italienischen Tageszeitung Manifesto verhandelten der deutsche Innenminister Otto Schily und sein italienischer Kollege Beppe Pisanu am Rande der Innenministerkonferenz der fünf größten europäischen Länder in Sheffield über das Schicksal der Flüchtlinge. In ihrer Stellungnahme nannten sie Malta als verantwortliches Land für die Asylsuchenden, da dies bei Aufgriff der Flüchtlinge der nächstliegende Hafen gewesen sei. Eine Abweichung davon würde einen gefährlichen Präzedenzfall schaffen, der Missbrauch Tür und Tor öffne.

"Cap Anamur"-Chef Elias Bierdel, der sich ebenfalls an Bord des Flüchtlingsschiff befindet, bestritt gestern gegenüber der taz diese Aussage. Die "Cap Anamur" sei in internationalen Gewässern auf die 37 Männer gestoßen. Dass der schwarze Peter nun dem kleinsten neuen EU-Partner zugeschoben werde, sei unverständlich.
Nach offiziellen Zahlen der Küstenwache haben im Mittelmeer in den letzten Jahren mindestens 5.000 Menschen den Tod gefunden, als sie versuchten, die europäischen Außengrenzen zu erreichen.