"Cap-Anamur"-Chef und Kapitän verhaftet

Artikelinfo
Datum: 
12.07.2004
Quelle: 
ZDF Heute

Kurz nach dem Anlegen des deutschen Rettungsschiffs "Cap Anamur" mit 37 Flüchtlingen aus Afrika an Bord sind auf Sizilien der Chef der gleichnamigen Hilfsorganisation, Elias Bierdel, und Kapitän Stefan Schmidt festgenommen worden. Beiden wird Beihilfe zu illegaler Einreise vorgeworfen. Das Schiff sei von den italienischen Behörden beschlagnahmt worden.

Dies sagte "Cap-Anamur"-Mitarbeiterin Michaela Schunko am Montag in Köln. Beide seien gegen 18 Uhr festgenommen worden, sagte Schunko unter Berufung auf den Anwalt der Organisation. Die 37 Flüchtlinge, die das Schiff auf hoher See aufgenommen hatte, seien in ein Abschiebegefängnis nach Agrigento gebracht worden. Die Flüchtlinge stammen angeblich aus dem Sudan und haben in Deutschland Asylantrag gestellt. Die Bundesregierung wies deren Begehren zurück.   

Das Schiff hatte am Montag nach langem Tauziehen in dem Hafen anlegen dürfen. Die Sudanesen an Bord konnten nach dreiwöchigem Aufenthalt auf der "Cap Anamur" an Land gehen. Vorausgegangen war ein zähes Ringen mit den italienischen Behörden, die dem Flüchtlingsschiff immer wieder die Einfahrt in italienische Gewässer verboten hatten. Kapitän Schmidt hatte damit gedroht, trotzdem einzulaufen, weil sich die Lage an Bord dramatisch zugespitzt habe.   
 
Zukunft der Flüchtlinge unklar
Das UNO-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) zeigte sich erleichtert. Es sei das Wichtigste, dass die Flüchtlinge nach drei Wochen auf dem Schiff endlich an Land konnten, sagte ein Sprecher in Genf. Die Männer sollen aus der sudanesischen Krisenregion Darfur kommen. Dies sei jedoch nach wie vor nicht gesichert. "Sie müssen befragt werden, woher sie kommen, was sie vorhatten und was genau vorgefallen ist", sagte der Sprecher. Dann erst könne auch die Frage beantwortet werden, welcher Staat für sie verantwortlich sei.   
 
Der Kapitän des Schiffes hatte gesagt, man habe die Männer von einem Schlauchboot vor der italienischen Insel Lampedusa aus Seenot gerettet. Die Regierung in Rom erklärte hingegen, sie seien in der Nähe von Malta aufgenommen worden. Dort müssten sie auch von Bord, begründete Rom ihre Weigerung zur Aufnahme der Flüchtlinge.   
 
Berlin winkt bei Asyl ab

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums in Berlin sind etwaige bereits an Bord des Schiffes gestellte Asylgesuche ohne jede rechtliche Wirkung. "Ein Asylantrag in Deutschland setzt voraus, dass man das deutsche Hoheitsgebiet erreicht hat", sagte Ministeriumssprecher Rainer Lingenthal.   
 
Nach der Rechtslage sei das Land für einen Antrag zuständig, das zuerst erreicht werde. Dass die "Cap Anamur" ein deutsches Schiff sei, habe dabei keine Bedeutung. Das Territorialprinzip gelte für das deutsche Festland, nicht für "irgendein deutsches Schiff, das irgendwo in der Welt fährt".








Grüne für Asyl in Deutschland

Dagegen erhoben mehrere Grünen-Politiker die Forderung, den Flüchtlingen Asyl in Deutschland zu gewähren. Die Vorsitzende der Grünen, Angelika Beer, sagte dem Sender n-tv: "Humanität und das Recht zu überleben stehen an erster Stelle. Wir sollten sie aufnehmen und Asyl gewähren."

Die Grünen-Abgeordnete Claudia Roth erklärte: "Das Geschacher um die sudanesischen Flüchtlinge ist zutiefst unmenschlich." Europa müsse Schutzburg für Flüchtlinge sein und Deutschland sollte dafür Vorbild sein.

Bierdel: Unser Auftrag ist erfüllt

"Unser Auftrag ist heute erfüllt", sagte Cap-Anamur-Chef Bierdel. "Wir bringen Schiffbrüchige, die wir in internationalen Gewässern aufgenommen haben, in einen sicheren Hafen." Er kündigte gleichzeitig weitere Rettungsaktionen an. "Wir hoffen, dass wir nach dem Muster, das wir hier einmal konfrontativ durchstehen mussten, weiter verfahren dürfen. Denn da draußen auf dem Meer geht das Sterben der Flüchtlinge weiter."