Cap Anamur: Die Enttäuschung eines Missionars

Artikelinfo
Datum: 
22.07.2004
Autor: 
Massimo Zaurrini
Quelle: 
Misna

"Ich bin sehr enttäuscht über den Ausgang der Angelegenheit der 37 Afrikaner, die vom deutschen Schiff Cap Anamur im Mittelmeer aufgelesen wurden. Ich bin seit kurzem erst wieder in Italien, nachdem ich ein Leben lang in Sudan und Ägypten war, um mit den Flüchtlingen zu arbeiten und jetzt hätte ich, ganz ehrlich, den Wunsch wieder wegzufahren." 

Im Gespräch mit Misna kommentiert Padre Cosimo Spadavecchia, Combonianischer Missionar, der tagelang an der Seite der 37 Afrikaner verbracht hat, dank seiner Kenntnis des Arabischen, mit trauriger Stimme die Nachricht der heutigen frühmorgendlichen Abschiebung der 27 Afrikaner (Anm.: nachdem einige Widerstand leisteten, wurden 25 abgeschoben nach Ghana, nachts zuvor waren bereits 5 nach Nigeria abgeschoben worden) der Cap Anamur. "Diese Personen sind nicht angehört und nicht respektiert worden. Krieg oder Hunger, was immer die Motivation ist, die ein menschliches Wesen dazu veranlasst, sein Leben, seine Familie, sein Land und seine Gefühle zurückzulassen, wenn sie bei uns ankommen, finden sie eine unüberwindbare Mauer vor. Das Mittelmeer droht eine Mauer zu werden, wie die, die Israel im Nahen Osten erreichtet, um Tausende von Menschen, die aus dem Süden der Welt  auf der Suche nach einem besseren Leben Druck machen, vor unseren Toren zu lassen.

"Eine paradoxe Situation, wenn man die Tatsache bedenkt, dass wir selbst es sind, die wir sie heute zurückweisen, die diese Hoffnung auf ein besseres Leben nähren, von dem diese Menschen auf der Flucht schöpfen (sich nähren); so wie oft gerade wir, als Länder im Norden der Welt, auf direkte oder indirekte Weise die Kriege nähren, von denen sie gezwungen sind zu fliehen." "Mir ist est unangenehm," fährt Padre Spadavecchia fort, "einer Gesellschaft anzugehören, die nicht den Schrei der Armen und denen die neben ihnen sind erhört, sondern das, was rundherum passiert mit unverständliche Kälte und einer gewissen Apathie betrachtet."

Padre Cosimo ist gestern nach Messina zurückgekehrt, wo sich das Provinzhaus der Combonianer befindet, nachdem er die letzten Tage zwischen Porto Empedocle (wo er zusammen mit den 37, mit denen er drei Tage an Bord der Cap Anamur verbracht hatte, an Land gegangen ist), Agrigento und Caltanisetta, im Versuch, den jungen Afrikanern nahe zu sein. Der Combonianer hatte dank seiner Arabischkenntnisse ein Vertrauensverhältnis mit ihnen aufgebaut und hat sie mehrere Male getroffen, auch als sie, nach ihrer Landung in Sizilien, in das Abschiebelager von Agrigento gebracht worden waren. Von der Überführung nach Caltanisetta jedoch hat sich die Lage verändert: die Behörden haben ihm nicht mehr die Erlaubnis gegeben die Afrikaner zu treffen, auch nicht vorgestern, als er ihnen die Bibeln und den Koran überreichen hätte sollen, um die sie ihn in den vergangenen Tagen gebeten hatten und die er mit gewissen Schwierigkeiten auftreiben konnte.

Padre Cosimo ist einer der Wenigen, der mit den Schiffbrüchigen der Cap Anamur sprechen konnte, nachdem sie an Land gegangen waren. Von Anfang an hat der Missionar immer wiederholt, über genügend Elemente zu verfügen, um der Meinung zu sein, dass ein Teil der 37 Sudanesen sind: "Ich kann mich auch täuschen, aber meine Feststellungen basieren auf ihren Namen, ihrer Art sich zu benehmen, auf die Art in der sie beten, sowohl die Moslems als auch die Christen und vor allem auf die Art in der sie mit mir geredet haben, sowohl auf arabisch als auch auf englisch. Ich möchte hinzufügen, dass ich 18 Jahre als Missionar im Sudan (vor allem im Westen) und weitere 18 Jahre in Ägypten unter sudanesis chen Flüchtlingen war (aus dem Norden, Süden, Osten, West des Sudan)". Falls die sudanesische Nationalität der Schiffbrüchigen erwiesen worden wäre, hätten sie Recht auf Asyl gehabt. "Diese 37 Afrikaner, was auch ihre Nationalität ist, haben in jedem Fall viel weniger Glück gehabt, als die, die fast täglich in Sizilien ankommen; ihre Angelegenheit ist mit der der Cap Anamur verstrickt worden, die, je mehr Zeit vergangen ist, immer mehr zu einer politischen Angelegenheit wurde, die in Eile und ohne die nötige Berücksichtigung für den menschlichen Aspekt gelöst worden ist", so der Combonianer.