Der Fall: Die sechs die sich der Abschiebung widersetzen

Artikelinfo
Datum: 
24.07.2004
Quelle: 
Corriere della Sera

Rom. "Wir sind nicht aus Ghana, wir sind Sudanesen." Ein bisschen Englisch, ein bisschen Französisch, ein bisschen Arabisch um sich dem Übersetzer, den das Rote Kreuz gestellt hat, verständlich zu machen. Und um dem Grünen Abgeordneten Paolo Cento, der sie gestern (Freitag, 23.7.) im Abschiebelager von Ponte Galeria besuchte, ihre Version der Ereignisse zu übermitteln. Die letzten sechs Afrikaner der Cap Anamur klammern sich noch an diesen dünnen Faden, in der Hoffnung, nicht von Italien verjagt zu werden. 

Sie sagen, dass sie Rashid Swaley, Abulakai Abdul Wahab, Moshes George, Fatavu Lasisi, Abdulnasser Rauf und Mohamed Yusif heissen. Die beiden letzteren haben Paolo Cento blaue Flecken auf ihrem Körper gezeigt. Es sind die beiden "clandestini" die neulich Nacht massiven Widerstand geleistet haben, als sie den Flug in Richtung Accra (Ghana) besteigen sollten. "Mohamed Yusif hat seinen Rücken freigemacht und mir einen blauen Flecken gezeigt", erzählt Paolo Cento, der eine Eingabe beim Innenministerium vorbringen wird, um die Methoden aufzuklären, die die Ordnungskräfte angewandt haben. "Rauf hat mir hingegen einige Zeichen (körperlicher Gewalt) auf den Armen gezeigt. Ich habe mich darauf beschränkt, ihre Beschwerden anzuhören." Gegenüber den Anwälten Simona Sinopoli und Fabio Baglioni hat einer der beiden, Mohamed Yusif hinzugefügt: "Neulich Nacht haben mir die Ärzte eine Injektion gegeben. Vom Flugzeug aus haben die Passagiere, die an den Fenstern saßen, gesehen, wie wir behandelt wurden."

Der am meisten Mitgenommene jedoch, scheint Fatavu Lasisi zu sein. "Ich verstand, dass er lediglich seinen Dialekt spricht, den Auser, sonst nichts," erklärt der grüne Abgeordnete. "Als ich sie in einem Zimmer des Abschiebelagers traf, wohin sie von einem Freiwilligen des Roten Kreuzes gebracht worden waren, war er derjenige, mit dem verstörtesten Blick. Im allgemeinen erscheinen alle sehr verängstigt und misstrauisch. Als ich sie gefragt habe, was sie getan haben, bevor sie an Bord des Schiffes kamen, haben sie trocken erklärt, dass sie nichts mehr erklären wollen. Sie delegieren an die Anwälte. Das was sie zu sagen hatten, fügten sie hinzu, haben sie bereits in Sizilien gesagt." Fativu Lasisi hat mithilfe eines Übersetzers seinen Anwälten in Rom ein bisschen von seinem Leben erzählt. "Ich bin im März 1980 im Halem geboren, ein Dorf von Darfur", erzählte der junge Mann, "eines Nachts ist mein Dorf angegriffen worden. Viele Menschen wurden getötet, mein Haus ist wurde verbrannt. Als ich ankam, waren meine Eltern tot. Das Vieh hatten sie geraubt. Also habe ich den Sudan verlassen....".

Sie beklagen, dass sie in Sizilien als Ghanesen "erkannt(identifiziert)" worden sind, ohne ihre Nationalität nachweisen zu können. "Wir hofften auf eine temporäre Aufenthaltsgenehmigung", fügt Cento hinzu, "es schien die Haltung der Kommission zu sein. Sie hatten es den lokalen Behörden übermittelt, die sie trafen. Dann hat alles im Nichts geendet. Und wenn sie jetzt das Wort Ghana aussprechen, tun sie das voller Angst." Ihr letzter Anker(Hoffnung)? Eine Telefonkarte, die ihnen ihre Anwältin Sinopoli dagelassen hat.