Die Geschichte von Benjamin dem Nigerianer

Artikelinfo
Datum: 
24.07.2004
Autor: 
Alfio Sciacca
Quelle: 
Corriere della Sera

Racalmuto (Agrigento) - "Als ich erfuhr, dass der Kommandant und die anderen der Cap Anamur verhaftet worden sind, habe ich geweint. Ich kann nicht verstehen was ihre Schuld sein soll: sie haben mir das Leben gerettet." Benjamin Rabot hat nur Worte der Anerkennung. Er sagt, nichts zu wissen von den Geheimnissen der Cap Anamur. "Das ist die Wahrheit". Und er schreit es mit Nachdruck: "Ich habe immer die Wahrheit gesagt."

In der Tat war das sein Passierschein für Italien. Von den 37 Verzweifelten der Cap Anamur ist er der einzige, dem es gestattet worden ist, in unserem Land zu bleiben. Gast im Aufnahmezentrum San Calogero von Racalmuto. Hier ist er auf Anregung der Polizei gekommen, die sein Verhalten, sowohl an Bord der Cap Anamur und auch an Land anerkannt haben: er hat nie seine Nationalität verheimlicht. "Am Tag vor der Einschiffung wollten sie das Geld, 1000 Dollar und dann haben sie uns befohlen: "Sagt dass Ihr Sudanesen seid. Es wird leichter sein als Flüchtlinge in Italien zu bleiben." Als ich auf der Cap Anamur gesagt habe, dass ich Nigerianer bin, hat mich jemand bedroht, besorgt, dass ich alles verderben würde."

Die Odyssee der Verzweifelten wie Benjamin (der 29 Jahre alt ist und in seinem Land als Chauffeur gearbeitet hat), beginnt in der Regel Jahre vor der Reise in die Hoffnung und Libyen ist einer der Hauptorte von wo aus das Mittelmeer überquert wird: "Es gibt Tausende, die darauf warten nach Italien zu kommen. Sie kommen aus Nigeria, Ghana, aber auch aus Somalia. Aber vorher müssen sie das Geld haben. In Libyen habe ich zwei Jahre lang gearbeitet um das Geld zu sparen." Aber warum die Flucht? "Im Jahr 2001 haben sie meine Frau und meine zwei Kinder getötet. Ich bin Christ und für uns wird das Leben unmöglich. Sie kamen gerade von der Kirche und sie haben sie massakriert. Ich hatte keine Alternative." Um es besser zu erklären zieht er den Hemdsärmel hoch und zeigt auffällige Narben: "Das aufgrund meines Glaubens."

Mitte Juni wird Benjamin nach Zohara bestellt. "Am Tag der Abreise sind wir in kleinen Gruppen angekommen. Ich kannte fasst niemand. Wir dachten ein Fischerboot vorzufinden, dabei war es ein Schlauchboot. Einer von uns hat es gelenkt: ich weiß nicht ob er scafista (Schleuser) war." Sofort war das Schiff den Wellen preisgegeben. "Es gab einen ganz starken Seegang und wir übergaben uns ständig. Nach zwei Tagen haben wir die Cap Anamur gesichtet. Wir haben uns die Kleider ausgezogen und unsere Präsenz signalisiert. Sie sind zurückgekehrt und haben uns an Bord genommen." Das ist einer kontroversesten Punkte. Wo ist die Rettung erfolgt? "Ich weiß nicht. Die Küste hat man nicht mehr gesehen. Rund um uns war nur das Meer." In Bezug auf die Fahrtrichtung meint Benjamin, dass sie Richtung Lampedusa unterwegs waren: "Der, der das Schlauchboot gelenkt hat, hat mit einem Kompass die Route nachgezeichnet und wir alle wussten, dass das Fahrtziehl Lampedusa war, aber mit diesem Seegang und dem Schlauchboot wären wir nie angekommen."

In Racalmuto schein Benjamin grosse serenità (Heiterkeit/ Gelassenheit) gefunden zu haben. Er ist gesprächig und disponibel. Für die Zukunft macht er keine grossen Pläne: "Ich werde das tun, was der Herr will."