Kommentiert: Strandgut

Artikelinfo
Datum: 
25.08.2004
Autor: 
René Heilig
Quelle: 
Neues Deutschland

Porto Empedocle - vor einigen Wochen zog sich das Medieninteresse vor der süditalienischen Hafenstadt zusammen. Das deutsche Hilfsschiff »Cap Anamur« mit 37 schiffbrüchigen Flüchtlingen an Bord durfte nicht einlaufen. Als die Blockade nicht mehr hielt, verhafteten die italienischen Behörden die Schiffsführung sowie den Chef der Hilfsorganisation. Otto Schily fand das richtig toll und schob die unsägliche Idee von Asylabfanglagern auf vorgeschobenem Posten in Afrika nach. Erstaunlich wenig war von unserem Außenminister zu vernehmen, der sich in seinem Haus sogar einen Menschenrechtsbeauftragten leistet.

Und so bleibt letztlich alles wie es ist. Nacht für Nacht stranden an Italiens Mittelmeerküsten - von der Armut verfolgt - Menschen. Zu Wochenbeginn waren 90 Minderjährige darunter. Doch das Thema ist von anderen medial überholt. So kümmert es auch kaum jemanden, dass das Hilfsschiff - statt Leben zu retten - in Porto Empedocle an einer staatlichen Kette liegt. In EU-Büros basteln Beamte weiter an neuen Grenzregimes, statt eine Rettungsflotte auszuschicken, stellt man mehr Grenzwächter ein. Heute wird Berlusconi den Libyern klar machen, dass sie gefälligst mehr gegen die Flut der Hungerleider unternehmen sollen. Angesichts dieser Mauer-Mentalität verlangt die Entschlossenheit von Cap Anamur noch nachträglich Respekt. So wissen wir wenigstens, was uns so gleichgültig ist.