Cap-Anamur-Gründer feiert mit Vietnamesen Rettung vor 25 Jahren

Artikelinfo
Datum: 
04.09.2004
Autor: 
Britta Gürke
Quelle: 
dpa

Troisdorf - Überall lachende Gesichter und herzliche Umarmungen beim Wiedersehen: 25 Jahre nach dem ersten Einsatz des Hilfswerks "Cap Anamur" im südchinesischen Meer traf sich Gründer Rupert Neudeck mit 600 der damals geretteten vietnamesischen Flüchtlinge in Troisdorf bei Köln. "Was da passiert ist, war eine unglaubliche Ruhmestat der deutschen Bevölkerung", sagte Neudeck. "Ohne die Spendenbereitschaft der Menschen wäre diese Rettungsaktion niemals möglich gewesen."


Foto: Franz-Peter Tschauner dpa/lnw
"Cap Anamur"-Gründer Rupert Neudeck (2.vl) stand am Samstag in Troisdorf vor der Feier zum 25-jährigen Bestehen der Hilfsorgansitation "Cap Anamur" zwischen der CDU-Vorsitzenden Angela Merkel, seinem Nachfolger Elias Bierdel und der Ministerin für wirtschaftliche Zusammenarbeit, Heidemarie Wieczorek-Zeul (l-r). Zu der Feier kamen auch zahlreiche Flüchtlinge, die vor 25 Jahren von Schiff Cap Anamur gerettet worden waren.

Aus allen Teilen Deutschlands waren Vietnamesen und ihre Familien angereist. Persönliche Gratulationen überbrachten unter anderem Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD), die CDU- Vorsitzende Angela Merkel und Talkmaster Alfred Biolek.

Im Sommer 1979 war das Rettungsschiff "Cap Anamur" des Komitees, das damals noch "Ein Schiff für Vietnam" hieß, erstmals in das südchinesische Meer aufgebrochen. Hier nahm es vietnamesische Flüchtlinge auf, die mit Booten aus ihrer Heimat geflohen waren, und brachte sie nach Deutschland. "Über 11 400 Menschen sind insgesamt gerettet worden", berichtete Neudeck.

Bis heute fühlt sich der 65-Jährige, der vor zwei Jahren den Cap- Anamur-Vorsitz abgab und die Hilfsorganisation "Grünhelme" gründete, eng mit den Flüchtlingen von einst verbunden: "Die Vietnamesen haben sich in einer Weise in Deutschland integriert, die beispiellos ist. Das macht mich stolz."

Für viele Vietnamesen ist Neudeck zum Vorbild geworden. "Er ist wie ein Vater für uns", sagt die 25-jährige Loan Le Ngonc aus Amberg, die bei der Flucht aus Vietnam drei Monate alt war. "Meine Eltern haben mir alles von damals erzählt. Ohne ihn wären wir nicht das, was wir heute sind. Ich kann meine Zukunft selbst gestalten, das ist ein tolles Gefühl."

Rund um den Festraum waren Fotos von den Rettungsaktionen ausgestellt. "Wenn ich diese Bilder sehe, kommt alles von damals wieder hoch", sagte die 31-jährige Thuy Tam Ngo, die heute als Goldschmiedemeisterin in Tübingen lebt. "In meinem ganzen Leben hatte ich nie solche Angst wie damals, als ich mit meiner Mutter unter dem Deck des Schiffes eingepfercht lag."

Auch der 63 Jahre alte Luc Ho Van erinnert sich mit Schrecken an seine tagelange Fahrt auf dem Meer. "Wir waren mit 37 Leuten auf einem Boot, das für 12 Passagiere gedacht und außerdem gar nicht hochseetauglich war." Für die "Cap Anamur"-Besatzung empfindet er noch immer großen Dank. "Sie haben mir ein neues, schöneres Leben geschenkt."

In der heiteren Stimmung schienen die Querelen um den umstrittenen Einsatz des Hilfswerks im Mittelmeer vor wenigen Wochen vergessen. Im Juli hatte das Rettungsschiff der "Cap Anamur" schiffbrüchige afrikanische Flüchtlinge aufgenommen und einen italienischen Hafen angesteuert. Nach der Ankunft war der heutige Komitee-Vorsitzende Elias Bierdel unter dem Vorwurf der Beihilfe zur illegalen Einwanderung von den italienischen Behörden festgenommen worden. Das Schiff wurde beschlagnahmt. Neudeck hatte Bierdel für seine Vorgehensweise während der Aktion kritisiert und war daraufhin von diesem verbal heftig angegriffen worden.

"Ich denke gar nicht mehr darüber nach, was gewesen ist", sagte Neudeck bei dem Fest, an dem auch Bierdel teilnahm. "Jetzt muss erst mal das Schiff wieder in Gang gesetzt werden." Er wolle lieber in die Zukunft blicken, wo noch einiges auf ihn warte. "Die Grünhelme haben verschiedene Projekte laufen. Eine Schule im Irak und zwei in Afghanistan sind bereits fertig." Doch Neudeck zieht es auch wieder zurück nach Vietnam. In der Provinz Ca Mau will er ein Ausbildungszentrum aufbauen.