Cap Anamur bleibt auf Kurs

Artikelinfo
Datum: 
28.09.2004
Quelle: 
Kontinente Magazin für eine missionarische Kirche, Nr. 5/2004

KÖLN. Trotz politischen Drucks wird das Hilfsschiff Cap Anamur wieder Flüchtlinge aus Seenot retten. Gegenüber kontinente versicherte der Vorsitzende des Hilfskomitees Cap Anamur, Elias Bierdel: "Die Cap Anamur wird immer da eingesetzt, wo Menschen in größter Not sind und die Aussicht besteht, ihnen mit den Möglichkeiten, über die unser Schiff verfügt, effektiv helfen zu können." Er äußerte die Hoffnung, dass das Schiff in den kommenden Wochen von der italienischen Justiz freigegeben werde.

Ende Juni hatte das Hilfsschiff 37 afrikanische Flüchtlinge aus einem defekten Schlauchboot gerettet und die sizilianische Küste angesteuert. Dort verweigerten die italienischen Behörden der Cap Anamur zwei Wochen lang die Einfahrt in den Hafen von Porto Empedocle. Auf internationalen Druck hin wurde am 12. Juli die Erlaubnis erteilt. Unmittelbar nach dem Einlaufen wurde das Schiff beschlagnahmt, und die Flüchtlinge wurden interniert. Elias Bierdel, der Kapitän und der Erste Offizier wurden unter dem Verdacht, illegale Einwanderung zu begünstigen, festgenommen und verbrachten einige Tage in Untersuchungshaft.

Bierdel sieht in dem Verfahren einen politisch motivierten Prozess mit dem Ziel, ein Exempel zu statuieren, "um uns und andere von weiteren Rettungsfahrten abzuhalten". 35 der 37 geretteten Flüchtlinge sind mittlerweile von den italienischen Behörden nach Ghana und Nigeria abgeschoben worden.

Bestürzt über diese schnelle Abschiebung äußerte sich der Comboni-Pater Cosimo Spadavecchia, der die Flüchtlinge Tage vor dem Einlaufen auf der Cap Anamur betreut hatte: "Diese Menschen sind nicht angehört und nicht respektiert worden." Das Mittelmeer droht nach Aussage des Seelsorgers für verzweifelte Menschen aus Afrika zu einer Mauer zu werden wie jene, die Israel in Palästina errichtet habe.

Im August erreichte die Flüchtlingswelle einen neuen Höhepunkt. Mehr als 650 Flüchtlinge wurden an der italienischen Küste aufgegriffen. Mindestens 30 starben während der Überfahrt.

Siehe auch Kommentar "Vom Störfall zum Glücksfall".