Der Mutmacher

Artikelinfo
Datum: 
01.11.2005
Quelle: 
Neue Westfälische

Herford. "Ich bin jemand, der sich gern einmischt undverändern möchte", sagt der 52jährige Fotograf Jürgen Escher, und fügt hinzu: "Ich mache diese Arbeit, weil ich sie einfach tun muss! Was Escher meint,w ird deutlich, wenn man die 200 Seiten starke Foto-Dokumentation "Leben Helfen" über die humanitäre Arbeit des Komitees Cap Anamur in Händenhält.

Gebannt hangelt man sich Seite für Seite mit den Augen durch die Fotostrecken, liest die Aufzeichnungen von Ärzten, Krankenschwestern, Technikern und Organisatoren. Sie alle sind Missionare der Menschlichkeit im Dienste der bewusst klein gehaltenen Organisation, die von Rupert Neudeck gegründet wurde. Zum ersten Malfotografierte der Herforder Jürgen Escher im Winter des Jahres 1985 in Äthiopien für die Hilfsorganisation, als er Karl-Heinz Böhm zu dessen Projekt nach Afrika begleitete und Neudeck dort traf. Das war der Beginn einer zwanzigjährigen Zusammenarbeit, in deren Verlauf Escher das fotografische Gedächtnis des Komitees wurde.

Das Ergebnis der letzten zwölf Reisen liegt nun in Buchform vor. Konsequent analog schwarz-weiß fotografiert und im Duplexdruck auf hochwertiges Papier gebracht. Es ist wie eine Expedition mit zwei Gesichtern. Einerseits ein tiefer Blick in die Armut und innere Zerrissenheit von Ländern wie Liberia, Haiti, Sudan, Afghanistan oder dem Kosovo. Andererseits die Augenblicke der Hoffnung auf eine bessere Zukunft. Auch die immer stärker wütenden Naturgewalten einer außer Rand und Band geratenen Welt fordern ihren Tribut. Escher war dabei, als die "Gutmenschen" aus Europa ihre Hilfen anboten. Stets sind deren Ärzte und Helfer dort anzutreffen, wo andere Organisationen gar nicht auftauchen, oder sich bald zurückzogen.

Eschers Fotos sind nicht voyeuristisch oder aufdringlich. "Die Bilder zeigen den Alltag der Menschen und sie sollen Kraft und Hoffnung geben", sagt der 52-Jährige. Ihn selbst haben die Erfahrungen auf seinen Reisen rund um den Erdball verändert. "Diese Eindrücke haben mich bescheiden und demütig gemacht." Escher will mit den Fotos kein Mitleid wecken, sondern ein geschärftes Bewusstsein schaffen - "dafür, dass wir hier so viel viel mehr haben als fast überall sonst auf der Welt".

An vielen Orten in vielen Ländern dieser Welt ist das Ärztekomitee immer noch präsent, ansonsten gilt die Devise: "Sich so schnell wie möglich entbehrlich machen, nur die Basis für Selbsthilfe schaffen - wennnötig über Jahre". Noch eines zeichnet das Komitee aus: Beharrlichkeit. Die beweist auch Escher. Die nächste Reise wird ihn nach Mexico führen.

Das Buch "Leben Helfen" finanziert sich durch den Verkauf. Wer es kauft, unterstützt auch die laufenden Projekte.

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