Hoffnung ein Gesicht geben

Artikelinfo
Datum: 
01.11.2005
Autor: 
Ruth Matthes
Quelle: 
Westfalen-Blatt

Herford (HK). Seine letzte Habe in einem Bündel auf dem Kopf tragend, wandert ein Mann nach dem Tsunami am Strand entlang. Dieses eindringliche Bild bestimmt den Titel des Buches »Leben helfen«, das mehr als 25 Jahre Arbeit des Komitees Cap Anamur dokumentiert. Jürgen Escher hat 20 Jahre davon als sensibler Beobachter mit der Kamera begleitet. So sind es seine Bilder, die den Menschen in Not hier ein konkretes Gesicht geben.

Ein Jahr nach dem Jubiläum des »Komitee Cap Anamur - Deutsche Notärzte« haben der Verein und Jürgen Escher ein 200-seitiges Buch mit 260 Fotografien herausgebracht, das sowohl die Ursprünge der Hilfsorganisation als auch alle zwölf aktuellen Projekte darstellt. Der Herforder Fotograf ist besonders in den vergangenen fünf Jahren viel mit seiner Kamera auf Reisen gegangen, um den Lesern die Situation der Menschen und die verschiedenen Hilfsangebote vor Augen führen zu können.

Da geht es unter anderem um die medizinische Versorgung im Irak, die Behebung fundamentaler Umweltsünden in Haiti, das Theaterprojekt für Straßenkinder in Kenia und die Förderung der Schulbildung in Afghanistan. »Neben der grundlegenden Gesundheitsversorgung ist es den Mitarbeitern immer wichtig, den Alltag schnellstmöglich wieder herzustellen, indem sie mit den Einheimischen Häuser, Brücken und Schulen bauen«, erklärt Escher. Entsprechend sei es nicht sein Ziel, die Menschen in ihrem ganzen Leid gleichsam vorzuführen, sondern zu zeigen, »wie man mit einigen Handreichungen leben helfen und die Leute wieder unabhängig machen kann«.

Bemerkenswert sei, dass Cap Anamur auch dann in den Ländern bleibe, wenn ihr Schicksal aus den Schlagzeilen verschwinde - und auch in Ländern wie Liberia und dem Sudan aktiv sei, die nicht im Fokus der Medien stünden.

Auf einen  bebilderten Erfahrungsbericht eines Arztes, einer Schwester oder anderer Helfer, die vor Ort gearbeitet haben, folgt jeweils eine Reihe gedruckter Schwarzweiß-Fotografien unterschiedlicher Formate, die oft mehr von dem Schicksal der Menschen erzählen als viele Worte. Da schauen einen verängstigte Kinderaugen aus Afghanistan an, aber auch zufriedene Gesichter von Waisenkindern, die im zerstörten Grosny ein neues Zuhause gefunden haben. Flüchtlingstrecks in kahler Landschaft und verwüsteten Straßen in Bagdad stehen zuversichtlich stimmende Aufnahmen von der Arbeit in Hospitälern und der Aufbauhilfe im Kosovo gegenüber.

Einen der Texte hat Jürgen Escher selbst geschrieben. Dabei blickt er auf seine Erlebnisse auf den Rettungsschiffen von 1985 bis 2004 zurück. »Die Reisen waren alle sehr prägend. Es stimmt mich traurig zu sehen, wie die europäischen Länder untereinander die Mauern abbauen, sich aber gegen Hilfsbedürftige aus Afrika abschotten.«

Das Buch ist »allen Frauen und Männern« gewidmet, »die als kompromisslose Mitstreiter für das Humanitäre Cap Anamur entstehen ließen«. Im Laufe der Jahre waren das mehr als 1000, die sich meist für sechs Monate verpflichteten. Derzeit sind 36 Helfer in Projekten aktiv. Ihnen stehen fünf Hauptamtliche und ein ehrenamtlicher Vorstand gegenuber. Gründer Rupert Neudeck hat, ebenso wie Forderer Gunter Wallraff ein Geleitwort zum Buch verfasst.

Wie Escher betont, unterstutzt der Leser mit dem Kauf des Buches (29,90 Euro), das in einer Auflage von 10 000 Stuck herausgekommen ist, die Arbeit des Komitees. (Spendenkonto Nr. 2 222 222, Spadtsparkasse Koln, BLZ 370 501 98).

Eine Ausstellung zu »Leben helfen« ist vom kommenden Freitag, 4. November, an bis zum 30. November im Elsbach-Haus zu sehen. Sie wird am Freitag um 20 Uhr eroffnet. Bei der Gelegenheit stellt Jurgen Escher das Buch in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung »Auslese« auch der Offentlichkeit vor. Alle Herforder Schulen, die Interesse daran haben, von ihm durch die Ausstellung gefuhrt zu werden, konnnen sich unter 05221 / 589704 bei Jurgen Escher melden.

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