"Meine Welt ist schwarzweiß"

Artikelinfo
Datum: 
07.11.2005
Autor: 
Ralf Bittner
Quelle: 
Neue Westfälische

Herford. Kosovo, Afghanistan, Haiti oder der Kongo sind nur einige der Länder, in denen das Komitee CapAnamur in 25 Jahren Menschen geholfen hat. Seit 20 Jahren dokumentiert Jürgen Escher diese Arbeit. Am Samstagabend stellte Buchhändler Dirk Strehl anlässlich der Ausstellungseröffnung "LebenHelfen" den Fotografen und seine Arbeit den mehr als 100 Besuchern im Elsbach-Haus vor.

Escher fotografiert Menschen in den Elends- und Krisengebieten. Mit der Kamera fängt er intimste Augenblicke ein. "Ich zeige Menschen voller Hoffnung", sagt Escher. "Ich möchte mit meinen Fotografien auf Missstände aufmerksam machen, zur Bewusstseinsbildung und damit zur Veränderung beitragen." Allein dieses Anliegen rechtfertige es überhaupt, mit der Kamera in das Leben fremder Menschen einzudringen.

"Meine Art des Journalismus gibt es in dieser Form fast nicht mehr",sagt Escher. Die Bildsprache seiner Fotos hat eine ihrer Wurzeln in kirchlichen Motiven. So taucht das Kreuz immer wieder auf, sei als Kontur von Reisigbündeln im Gegenlicht oder als Dachlatten, die beim Aufbau neuer Häuser zusammen genagelt werden. Daher ist es nur konsequent, dass Escher in schwarzweiß fotografiert. "Meine Welt ist schwarzweiß", sagte er. Für ihn lenkt Farbe vom Wesentlichen ab. "Trägt eine Person ein rotes Hemd, schauen Sie zuerst dort hin und nicht mehr in ihr Gesicht." Außerdem macht es Farbe möglich, ein Foto zeitlich einzuordnen, während schwarzweiß zeitlos ist. "Wenn mir Leser sagen, mein Buch 'LebenHelfen' hätte so auch vor zehn oder zwanzig Jahren erscheinen können, ist das für eine Bestätigung."

Die Frage, wie er es aushalte, immer wieder mit Elend konfrontiert zu werden, beantwortete er mit der Gegenfrage: "Wie halten Sie es aus, davon zu wissen und nichts zu tun?" Für ihn sei sein Engagement so selbstverständlich, wie für einen Arzt das Reagieren auf einen Notruf.

Das Buch LebenHelfen gibt es im Buchhandel. Ein Teil des Verkaufspreises geht an das Komitee Cap Anamur. Die Ausstellung mir 70 Fotografien ist noch bis Ende November im Elsbach-Haus zu sehen. Für Gruppen und Schulklassen bietet Jürgen Escher Führungen an. Terminabsprache unter (0 52 21) 58 97 04.

--> weitere Infos zum Buch "LebenHelfen"
--> mehr Infos zur Wanderausstellung "LebenHelfen"
--> Fotos von Jürgen Escher finden Sie in unserem Bildarchiv