Cap Anamur feiert 30-jähriges Bestehen

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Datum: 
28.06.2009
Quelle: 
Engagiert in Deutschland Das Bundesportal zum bürgerschaftlichen Engagement

(epd) Das Not-Ärzte-Komitee "Cap Anamur" hat in Köln sein 30-jähriges Bestehen gefeiert. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) würdigte die Hilfsorganisation in einem schriftlichen Grußwort als "Inbegriff für wirksame und oft unkonventionelle Hilfe". Deren Mitarbeiter packten dort an, wo die Not am größten sei. "Dieser wertvolle Dienst am Nächsten verdient unsere Anerkennung", so die Kanzlerin.

Der Schriftsteller Günter Wallraff hob in seiner Laudatio hervor, "dass 'Cap Anamur' die Leute ja nicht nur aus dem Wasser gezogen hat, sondern auch gegen heftigen Widerstand aus der Politik durchgesetzt hat, dass die Menschen hier ein Bleiberecht erhielten". Er lobt zugleich die Distanz der Hilfsorganisation zur Regierung: "Man verliert oft an Radikalität und Humanität, wenn man sich mit der Entwicklungspolitik einlässt."

Die Mitarbeiter, die ihr abgesichertes Leben für eine bestimmte Zeit hinter sich ließen, um bei Hilfsprojekten mitzuarbeiten, nannte Wallraff "die eigentlichen Revolutionäre, Vorboten einer neuen Weltgesellschaft, Missionare der Mitmenschlichkeit".

Das von Christel und Rupert Neudeck, Heinrich Böll und Freunden 1979 gegründete Komitee "Ein Schiff für Vietnam" charterte für die erste Rettungsmission für die "boat people" den Frachter "Cap Anamur", Namensgeber für weitere Nachfolge-Schiffe. "Am Anfang stand nichts als die Tat. Dem Ersaufen im südchinesischen Meer musste ein Ende gemacht werden", berichtete Neudeck über die Anfangszeit der Organisation. 10.375 Menschen seien gerettet worden. "Cap Anamur" habe sich niemals von der Politik vereinnahmen lassen, unterstrich der Gründer der Organisation.

Nach Worten von "Cap Anamur"-Geschäftsführer Bernd Göken ist die Organisation zurzeit in elf Ländern vertreten. In Angola, Bangladesch, im Kongo, im Sudan und in Uganda betreibe sie Krankenhäuser, in Tschetschenien ein Kinderkrankenhaus, in Liberia das einzige psychiatrische Krankenhaus des Landes. Zu den zahlreichen Projekten in Afghanistan zählt nach Gökens Worten unter anderem eine Frauenklinik. Edith Fischnaller, seit 2004 ehrenamtliche Vorsitzende von "Cap Anamur", kündigte an: "Unser Schwerpunkt wird weiterhin auf der medizinischen Hilfe liegen."

Den Prozess gegen "Cap-Anamur"-Mitglied Elias Bierdel und Schiffskapitän Stefan Schmidt in Italien bezeichnete Göken als "Farce". Die beiden hatten im Sommer 2004 37 Menschen im Mittelmeer aus Seenot gerettet und nach Italien gebracht. Die Justiz wirft ihnen Beihilfe zur illegalen Einreise vor, es drohen Haft- und Geldstrafen. "Da wurden 37 Menschen vor dem sicheren Tod gerettet. Das darf in keinem Land der Welt strafbar sein", forderte Göken.