Überfälliger Freispruch

Artikelinfo
Datum: 
08.10.2009
Autor: 
Matthias Thieme
Quelle: 
Frankfurter Rundschau fr-online.de

Genützt hat die spektakuläre Hilfsaktion von Cap Anamur im Jahr 2004 weder den Helfern, noch den zunächst vermeintlich Geretteten. Die aus den Fluten geborgenen Flüchtlinge wurden von Italien alle wieder abgeschoben, und für Cap Anamur wendete sich die zunächst erwünschte mediale Aufmerksamkeit in ein PR-Desaster.

Doch der Vorwurf der italienischen Justiz, die Hilfsorganisation habe sich als Menschen-Schleuser betätigt, war von vornherein absurd. Der jahrelang hinausgezögerte Freispruch der Akteure war überfällig. Nicht nur in Italien gab es starke Interessen an einer Kriminalisierung der Aktion. Auch Ex-Innenminister Otto Schily versuchte nach Kräften, die Aktion in den Bereich des Illegalen zu verweisen. Groß war und ist offenbar die Angst, dass andere Schiffsbesatzungen genauso handeln könnten.

Stattdessen soll die von keinem Parlament wirksam kontrollierte Grenzagentur Frontex die Flüchtlinge auf dem Meer abfangen, abdrängen und zur Umkehr zwingen. Auch mit deutscher Hilfe, geortet aus der Luft. Dass dabei elementare Rechte missachtet werden, nimmt man in Kauf. In Lebensgefahr auf dem Meer kann niemand einen Asylantrag stellen oder einen Anwalt nehmen.

Cap Anamur gebührt Respekt dafür, auf diesen täglichen Kampf vor Europas Grenzen aufmerksam zu machen. Dass dort viele Menschen sterben, dringt meistens nur dann ins Bewusstsein der europäischen Festungsbewohner, wenn besonders drastische Fernsehbilder zu sehen sind. Cap Anamur hat die Aufmerksamkeit auf das Leid der Flüchtlinge gelenkt. Immerhin.