Flüchtlingshelfer gerettet

Artikelinfo
Datum: 
08.10.2009
Autor: 
M. Thieme und V. Gaserow
Quelle: 
Frankfurter Rundschau fr-online.de

Bundesentwicklungsministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul (SPD) begrüßte das Urteil. "Das ist ein guter Tag für Elias Bierdel, für seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter und für alle, die sich in humanitären Fragen engagieren", sagte die scheidende Ministerin. "Wir dürfen vor dem Flüchtlingselend an den Toren Europas nicht die Augen verschließen."

Grünen-Chefin Claudia Roth sagte, nun gehe für die Besatzung der Cap Anamur "ein jahrelanges nervenaufreibendes Verfahren zu Ende, das für sich schon eine zynische Strafe für einen humanitären Einsatz darstellte".

Der Teufelskreis, der Flüchtlinge dazu bringe, immer größere Gefahren auf sich zu nehmen und der die Küsten Europas zu Todeszonen mache, müsse durchbrochen werden. "Lebensretter gehören nicht auf die Anklagebank", lobte auch die Abgeordnete Sevim Dagdelen von der Linkspartei den Freispruch.

Am 20. Juni 2004 hatte die Besatzung des Hilfsschiffs "Cap Anamur" die Afrikaner aus einem überfüllten Schlauchboot im Mittelmeer gerettet. Die geschwächten Menschen sollten in Italien an Land gebracht werden. Ein wochenlanges Tauziehen begann. Bierdel und die beiden anderen Männer waren dann vorübergehend festgenommen worden, nachdem die Cap Anamur die Schiffbrüchigen im sizilianischen Hafen Porto Empedocle an Land gesetzt hatte.

Die Geretteten wurden nur wenige Tage später abgeschoben. Der Prozess gegen Bierdel, Schmidt und Daschkewitsch wegen "bandenmäßiger Schleuserei" begann Ende 2006.